Die Eilenriede ist der rund 640 ha[1] große Stadtwald von Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover und wird auch als ihre „Grüne Lunge“ bezeichnet. Das Waldgebiet gehört zu den größten zusammenhängenden Stadtwäldern Europas.
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In Deutschland gehört die Eilenriede zur Gruppe von Stadtwäldern oder stadtnahen Wäldern, wie die Rostocker Heide (6000 ha), die Dresdner Heide (5900 ha), der Frankfurter Stadtwald (4800 ha) oder der Berliner Grunewald (3000 ha). Die Eilenriede liegt mit dem Stadtwald in Duisburg (600 ha) in etwa gleichauf und ist doppelt so groß wie der Central Park (340 ha) in New York.
Der erste Teil des Namens Eilenriede (Eilen) leitet sich ab von den dort früher hauptsächlich vorkommenden Erlen (Ellern). Der zweite Teil des Namens (Riede) (siehe auch: Ried) ist eine alte Bezeichnung für sumpfigen Boden. Einige traditionsreiche öffentliche Einrichtungen in der Nachbarschaft zum Stadtwald sind nach ihm benannt:
Die Eilenriede umschließt die Südstadt von Nordosten, Osten und Südosten in Form des spiegelverkehrten Buchstabens C mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von sechs Kilometern. Sie reicht mit ihrem südwestlichen Ausläufer bis an den Maschsee. Das gesamte Gebiet ist durch ein rund 130 Kilometer langes Wegenetz (80 Kilometer Wandern, 38 Kilometer Radfahren, 11 Kilometer Reiten) erschlossen.
Neun Haltestellen von sechs Stadtbahn- und Buslinien liegen unmittelbar am Rand der Eilenriede. Auch durch weitere nahe gelegene Haltestellen ist die Eilenriede per ÖPNV aus fast allen Richtungen gut erreichbar.
Der Messeschnellweg führt seit den 1950er Jahren quer durch das Waldgebiet. Später wurde ein Lärmschutzwall errichtet. Auch die Ein- und Ausfallstraßen „Am Pferdeturm“ und Bemeroder Straße, die Bernadotte-Allee sowie die immerhin während der Wochenenden gesperrte Verbindung zwischen Fritz-Behrens-Allee und Steuerndieb entfalten erhebliche Trennwirkungen auf die Eilenriede und mindern nicht zuletzt ihren Erholungswert.
Die Eilenriede gliedert sich in zwei Teile:
Durch die Viehmast und den Holzraubbau war die Eilenriede im 17. Jahrhundert ein ausgeplünderter Wald. Zur Besserung wurden 1729 Wirtschaftsregeln eingeführt. Die Anpflanzung schnellwachsender Nadelbäume linderte die Holznot. Günstig für den Wald wirkte sich im 19. Jahrhundert die Einführung von Kohle als Brennmaterial aus. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Wald durch Bombeneinschläge stark geschädigt. Heute finden sich zu 75 % Laubbäume in der Eilenriede. Dies sind hauptsächlich Eichen und Rotbuchen, Erlen und Birken, aber auch zahlreiche andere Baumarten kommen vor. Auf den sandigen Böden finden sich als Nadelbäume vorwiegend Kiefern und Lärchen. Früher wuchsen auf dem feuchten und sumpfigen Gelände hauptsächlich Erlen (Ellern). Im März und April ist der Waldboden großflächig mit grünen Pflanzenteppichen bedeckt. Dann blühen Lerchensporn, Scharbockskraut, das Gelbe Windröschen und der weiße Bärlauch.
Der Grundwasserspiegel der Eilenriede senkte sich über die vergangenen Jahre hinweg aufgrund der fortschreitenden Stadtentwicklung. Gegenwärtig (Stand April, 2008) werden Maßnahmen durchgeführt, die den Grundwasserstand des Waldgebietes auf sein natürliches Maß anheben, um der originären Vegetation ihren Raum zu erhalten. Diese langfristige Maßnahme ist aktuell politisch umstritten.
Heiligers Brunnen, schwefelhaltig
Der Stadtwald bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, zum Beispiel:
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In der Nördlichen Eilenriede befindet sich das „Rad“. Es ist ein Rasenlabyrinth mit Kreisen aus Rasen- und Kieselsteinflächen um einen zentralen Lindenbaum herum.[2] Erstmals wurde das Labyrinth 1642 in der Stadtchronik von Hannover erwähnt. Damals befand es sich noch am Emmichplatz und wurde erst 1932 an seinen jetzigen Standort mitten im Wald verlegt.
Derartige Anlagen waren in altgermanischer Zeit Kultstätten. Durch rituelle Tänze in den labyrinthförmigen Linien sollten Weltanschauung und Lebensordnung mit den die Menschen umgebenden Naturgewalten versöhnt werden. Die Einrichtung in der Eilenriede stellt eine der letzten vier historischen Rasenlabyrinthe Deutschlands dar. Die übrigen drei sind der Wunderkreis in Kaufbeuren, der Schwedenhieb in Graitschen und der Schwedenring in Steigra.
In der nördlichen Eilenriede befinden sich mehrere Denkmäler.
Auf einem Rasenrondell an der Kreuzung Yorck- und Hohenzollernstraße steht auf der Waldseite die Prinzessinnengruppe, die in halber Lebensgröße von dem Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow geschaffen wurde und in der Alten Nationalgalerie zu sehen ist. Es stellt Prinzessin Luise (die spätere Gemahlin des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III.) und deren jüngere Schwester Friederike (nachmals Gemahlin des Königs Ernst August von Hannover) dar.
Das Denkmal geht zurück auf eine Stiftung des letzten deutschen Kaisers Wilhelms II. und wurde von dem venezianischen Bildhauer Valentin Casal geschaffen. Der „Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen“ Wilhelm enthüllte das Denkmal als offizieller Vertreter seines Vaters am 19. Juli 1910.
In diesem Bereich an der Walderseestraße findet sich auch das Denkmal für den preußischen Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee, der in einer Villa am Rand der Eilenriede seine letzten Lebensjahre verbrachte.
An der Walderseestraße gegenüber der Fritz Beindorff-Allee erinnert der Brunnen mit zwei bronzenen Pelikanen an Fritz Beindorff als hannöverscher Senator und früheren Alleininhaber des Büroartikelunternehmens Pelikan AG.
Der Bildhauer Carl Dopmeyer schuf das mit einem bronzenen Portraitrelief ausgestattete Burckhardt-Denkmal, das 1883 in der Vorderen Eilenriede errichtet wurde. Es erinnert an den hannoverschen Forstmann und späteren Forstdirektor Heinrich Christian Burckhardt, der 1866 nach der Annexion Hannovers durch Preußen für die Forstverwaltung der nun preußischen „Provinz Hannover“ zuständig war.
Waldersee-Denkmal von Bernhard Hoetger, 1915
Burckhardt-Denkmal von Carl Dopmeyer, 1889
Fabeltier von Ludwig Vierthaler, 1931
Steinbock von Ernst Gorsemann, 1929
Ehrenmal der hannoverschen Königsulanen von Ernst Gorsemann, 1922
Wisent von August Waterbeck, 1935
Es wird vermutet, dass die Eilenriede einst der westliche Teil des Nordwaldes war. Dieses große, zusammenhängende Waldgebiet bedeckte bis ins späte Mittelalter große Teile Niedersachsens zwischen Braunschweig und Hannover.
Ab 1241 erhielt die Stadt Hannover ein Mitbenutzungsrecht an den Waldungen der Eilenriede. 1371 wurde sie den Bürgern Hannovers von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen geschenkt als Dank für die Unterstützung in einem Erbfolgekrieg. Dies gab den Bürgerinnen und Bürgern das Recht, das Waldgebiet als ihr Eigentum zu nutzen und zu pflegen. Gleichzeitig bestand die Verpflichtung, das Waldgebiet zu erweitern.
In der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand vor dem Hintergrund des Lüneburger Erbfolgekrieges (1370–1388) zum Schutz von Hannover eine Landwehr rund um die Stadt, vor allem in der Eilenriede. Die Landwehr war ein vorgeschobenes Grenzsicherungs- und Befestigungssystem mit Warttürmen an den Straßendurchgängen. Innerhalb oder am Rande der Eilenriede befinden sich die Reste folgender früherer Warttürme und Warthäuser:
Später wurden aus den Wachtürmen der Landwehr Förstereien, um den Holzdiebstahl in der Eilenriede einzudämmen. Gut erhaltene Wall- und Grabenabschnitte der Landwehr finden sich heute im Stadtwald auf mehreren Kilometern Länge im Bereich des Pferdeturms, des Döhrener Turms und am Inselgraben hinter dem Zoo.
Der Räuber Jaspar Hanebuth wurde 1607 im heutigen Stadtteil Groß-Buchholz geboren und trieb sein Unwesen in der Eilenriede. In den Wirren der Zeit, wie Pest, Kriege und Besatzungen raubte und mordete er über längere Zeit. Seinen Opfern soll er am Waldrand in Höhe des heutigen Zoos aufgelauert haben. Nach seiner Festnahme 1652 gestand er 19 Morde und wurde dafür öffentlich gerädert. Nach ihm ist eine Straße am Waldrand als Hanebuthwinkel benannt worden.
Ein geschichtliches Relikt in der Eilenriede ist der Schiffgraben. Dies war eine im Mittelalter künstlich angelegte Wasserstraße, die das Aegidientor in der Stadt mit dem Altwarmbüchener Moor verband. Sie diente dem Transport von Torf und Holz in die Stadt, wo es als Brenn- oder Baumaterial benötigt wurde. Der Graben hatte eine Länge von neun Kilometern. Erhalten geblieben ist der Schiffgraben nur noch auf drei Kilometer Länge in der Eilenriede zwischen Musikhochschule und der Waldgaststätte Steuerndieb. Im Mittelalter war der Schiffgraben ab Steuerndieb Teil der Hannoverschen Landwehr.
Um 1900 wurde die stadtnahe Vordere Eilenriede in einen Waldpark für die Bürger der aufstrebenden Großstadt umgewandelt. Es entstanden Wasserläufe und Lichtungen. Außerdem wurden an markanten Stellen Skulpturen und Plastiken aufgestellt. Der Sonnenspielplatz und der Spielpark WAKITU (Waldkindertummelplatz) waren 1895 die ersten öffentlichen Spielplätze der Stadt.
Die nördliche Eilenriede war zwischen 1924 und 1939 sowie 1949 und 1955 Rennstrecke für Motorradrennen. Das Eilenriede-Rennen war ein örtliches Großereignis. Es entwickelte sich in wenigen Jahren zu einer motorsportlichen Institution mit internationalem Bekanntheitsgrad. Der fünf Kilometer lange Rundkurs führte dreiecksförmig mitten durch das Waldgebiet.[3] Start- und Zielpunkt war die Waldgaststätte Steuerndieb. Die beiden weiteren Eckpunkte waren der Lister Turm und der Zoo Hannover. Das erste offizielle Rennen startete am 30. März 1924 mit 168 Motorrädern[4]. 1928 kam es zum ersten Todessturz. Während des Zweiten Weltkriegs war das Rennen ausgesetzt. Die Zuschauerzahlen steigerten sich von anfangs 40.000 Personen auf 130.000 Zuschauer im Jahre 1951. Danach ging die Zuschauerbegeisterung zurück. Umweltschutzgründe und gestiegene Sicherheitsauflagen sorgten 1955 für das Ende der Rennveranstaltungen.
Für die Wahrung der Belange der Eilenriede und einiger benachbarter Wälder schuf der Rat der Stadt Hannover 1956 den Eilenriedebeirat. Anlass zur Schaffung dieses Gremiums war der Bau des Messeschnellweges in den 1950er Jahren, dessen Zerschneidungswirkung zusammen mit dem von ihm ausgehenden Lärm zu heftigen Protesten in der Bevölkerung führte.[5]
52.3877777777789.7694444444444Koordinaten: 52° 23′ 16″ N, 9° 46′ 10″ O
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