| AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Endingen zu vermeiden. |
| Endingen | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat: | Schweiz |
| Kanton: | Aargau (AG) |
| Bezirk: | Zurzach |
| BFS-Nr.: | 4305 |
| Postleitzahl: | 5304 |
| UN/LOCODE: | CH EDG |
| Koordinaten: | 664122 / 26569947.5388878.290278383Koordinaten: 47° 32′ 20″ N, 8° 17′ 25″ O; CH1903: 664122 / 265699 |
| Höhe: | 383 m ü. M. |
| Fläche: | 8.46 km² |
| Einwohner: | 2042 (31. Dezember 2011)[1] |
| Website: | www.endingen.ch |
|
Dorfzentrum von Endingen |
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| Karte | |
Endingen (schweizerdeutsch: ˈɛn.dɪ.gə)[2] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Surbtal, rund vier Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Endingen und das Nachbardorf Lengnau die einzigen Orte der Schweiz, wo sich Juden niederlassen durften. Bis 1945 hiess die Gemeinde Oberendingen.
Inhaltsverzeichnis |
Das Haufendorf befindet sich bei der Mündung des Littenbachs in die Surb. Das Surbtal, das zunächst in westlicher Richtung verläuft, wendet sich nördlich des Dorfes nach Norden. Das Tal verengt sich und wird durch das Ruckfeld im Westen und den Hörndlihau im Osten begrenzt. Das Ruckfeld ist eine flache Ebene, die an ihren Rändern durch steil abfallende, bis zu 40 Meter hohe Flanken begrenzt wird. Der Hörndlihau ist ein Teil des Tafeljuras, die anfangs steile Flanke geht allmählich in eine flache Hochebene über. Das Gebiet südlich des Dorfes zählt geologisch zur Übergangszone zum Mittelland. Die Hänge des lang gezogenen Siggenbergs, der natürlichen Grenze zum Limmattal, sind bedeutend flacher und gleichmässiger. Etwa ein Kilometer südöstlich des Dorfzentrums liegt der kleine Weiler Loohof (430 m ü. M.).[3]
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 846 Hektaren, davon sind 384 Hektaren bewaldet und 77 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 593 Metern auf dem Siggenberg, der tiefste auf 380 Metern an der Surb.
Nachbargemeinden sind Unterendingen im Norden, Lengnau im Osten, Obersiggenthal im Süden und Würenlingen im Westen.
Einzelne Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit zeugen von einer frühen Besiedlung. Die Alamannen siedelten sich ungefähr im 6. Jahrhundert an. Die erste urkundliche Erwähnung von Entingas erfolgte im Jahr 798, als der Thurgauer Graf Odalricus dem Kloster St. Gallen einige Grundstücke schenkte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Antingun und bedeutet «bei den Leuten des Anto».[2] Im Hochmittelalter lag das Dorf im Einflussbereich der Freiherren von Regensberg und des Bistums Konstanz. Ministerialen waren die Freiherren von Tegerfelden und seit mindestens 1239 die Ritter von Endingen. Seit spätestens 1305 lag die hohe Gerichtsbarkeit bei den Habsburgern, während das Kloster St. Blasien die niedere Gerichtsbarkeit ausübte.
1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, Endingen gehörte nun zum Siggenamt der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Ab 1678 siedelten sich erstmals Juden in Endingen an, die ihren Lebensunterhalt vor allem an der international bedeutenden Messe in Zurzach und am Markt in Baden verdienten. Die Juden unterstanden direkt dem Landvogt in Baden, sie durften weder Landwirtschaft betreiben noch ein Handwerk ausüben. Ab 1696 mussten sie sich alle 16 Jahre einen teuren Schutz- und Schirmbrief erkaufen. Ab 1776 wurde das Wohnrecht sämtlicher Juden der Schweiz auf Endingen und Lengnau beschränkt. Da sie sich während der Nacht nur in den beiden Dörfern aufhalten durften, war ihr Aktionsradius stark eingeschränkt.
Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus, Endingen gehörte nun zum kurzlebigen Kanton Baden. Der neue Staat war bald in weiten Kreisen der Bevölkerung verhasst. Dieser Hass entlud sich am 21. September 1802 im so genannten «Zwetschgenkrieg» gegen die Juden, die als Anhänger der neuen liberaleren Ordnung galten. Eine Horde von über 800 Bewohnern aus den Nachbardörfern fiel über Endingen und Lengnau her und bereicherte sich am Hab und Gut der wehrlosen Juden, die christlichen Einwohner hingegen blieben weitgehend unbehelligt.
Seit 1803 gehört Endingen zum Kanton Aargau; damals machten die Juden rund 45 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Im Jahr 1850 zählte die Gemeinde 1941 Einwohner, etwas mehr als die Hälfte davon waren Juden. Die jüdische Korporation verwaltete sich selbst und führte eine eigene Schule. Erst 1874 erhielten die Juden die vollständige Gleichberechtigung bei den bürgerlichen Rechten und Pflichten. In der Folge zogen fast alle in die grossen Städte (vor allem nach Zürich), wo sie bessere Verdienstmöglichkeiten vorfanden. Dadurch sank die Bevölkerungszahl des Dorfes um fast die Hälfte. Heute gibt es in Endingen nicht einmal mehr ein Dutzend jüdische Einwohner.
Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut (1859) und der Bahnstrecke Dielsdorf–Niederweningen (1891) reichten die Gemeinden des Surbtals eine Konzession für den Bau einer Verbindungsbahn zwischen Niederweningen und Döttingen ein. Doch der Erste Weltkrieg verhinderte den Bau und das Projekt wurde 1937 endgültig abgeschrieben. Seit den 1960er Jahren hat sich in Endingen Kleinindustrie angesiedelt. Die Bevölkerungszahl, die bis zu Beginn der 1970er Jahre stagniert hatte, ist seither wieder ansteigend und hat fast wieder den Stand des Jahres 1850 erreicht.
Aus historischen Gründen besitzt Endingen weder eine katholische noch eine reformierte Kirche. Seit 1661 besuchen die Katholiken den Gottesdienst in Unterendingen, die Reformierten in Tegerfelden. Das einzige Gotteshaus ist die Synagoge Endingen. An der Gemeindegrenze zu Lengnau befindet sich der Jüdische Friedhof Endingen.
Zahlreiche Häuser im Dorfzentrum weisen eine architektonische Besonderheit auf. Obwohl die Juden häufig mit Christen unter einem Dach lebten, war es ihnen nicht gestattet, denselben Hauseingang zu benutzen. Deshalb erhielten diese Häuser zwei Eingänge, die unmittelbar nebeneinander liegen.
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Gespalten von Weiss mit halber roter Lilie und von Gelb.» Ab 1926 führte die Gemeinde das Wappen der Herren von Endingen, dessen älteste bekannte Darstellung aus einem Wappenbuch von 1621 stammt. 1934 wurden jedoch in Unterendingen die Überreste der Burg dieses Ministerialengeschlechts entdeckt. Unterendingen beanspruchte das Wappen für sich und wandte sich 1953 mit einer Beschwerde an den Regierungsrat, der jedoch zugunsten von Endingen entschied.[4]
Bevölkerungsentwicklung:[5]
| Jahr | 1799 | 1850 | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 |
| Einwohner | 1120 | 1941 | 1121 | 1036 | 1082 | 1041 | 1161 | 1503 | 1539 | 1766 | 2009 |
Am 31. Dezember 2011 lebten 2042 Menschen in Endingen, der Ausländeranteil betrug 15,7 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % römisch-katholisch und 31,3 % reformiert, 4,3 % muslimisch, 0,9 % christlich-orthodox und 0,5 % jüdisch; 0,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 92,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,4 % Albanisch, 1,2 % Französisch, 1,0 % Italienisch, je 0,8 % Englisch und Serbokroatisch.[6]
Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Endingen gehört zum Friedensrichterkreis Bad Zurzach.
In Endingen gibt es gemäss Betriebszählung 2005 rund 480 Arbeitsplätze, davon 18 % in der Landwirtschaft, 42 % in der Industrie und 40 % im Dienstleistungssektor.[7] Etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden und vor allem in der Region Baden.
Endingen liegt an der Hauptstrasse 17, die von Döttingen durch das Surbtal und das Wehntal nach Dielsdorf führt. Drei Postautolinien erschliessen das Dorf: Von Tegerfelden nach Baden, von Brugg nach Bad Zurzach sowie von Döttingen nach Niederweningen. Beim Bahnhof Niederweningen besteht Anschluss an die Linie S5 der S-Bahn Zürich.
Die Gemeinde verfügt über Kindergärten und Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Bezirksschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Sekundarschule können in Lengnau besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.
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