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Explikation (lat. explicatio „Auseinandersetzung, Darlegung, Entwirrung, Erläuterung, Deutung, Ausdrücklichmachung“) bedeutet
Explizit bedeutet (genau wie das englische Adjektiv 'explicit') "ausdrücklich, eindeutig, klar".
Inhaltsverzeichnis |
Im Vordergrund steht die Lehre Carnaps von der Explikation als Mittel der logischen Analyse.
Sie dient der Präzisierung eines undeutlichen (vagen) oder mehrdeutigen Begriffs (Explikandum) bei der Entwicklung einer wissenschaftlichen Terminologie durch einen exakteren Begriff (Explikat) im Dienste größerer Bedeutungsklarheit und Bedeutungskonstanz.
Nach Rudolf Carnap ist die rationale Nachkonstruktion von Begriffen eine der wichtigsten Aufgaben der Philosophie.
Die Explikation wird teilweise der Definition (im weiteren Sinn) zugerechnet. Die Explikation beschreibt aber nicht lediglich einen Sprachgebrauch, sondern hat einen vorschreibenden (stipulativen) Charakter. Bei der Präzision werden herkömmliche Bedeutungen mitunter geändert, um sie für bestimmte wissenschaftliche Aufgabenstellungen verwendbar zu machen.[1] Explikationen werden beurteilt nach ihrer Zweckmäßigkeit.
Ein einzelnes Wort natürlicher Sprachen kann mehrfach explizierbar sein, d.h. mehrere Explikate können adäquat sein. Es ist dann anzugeben, von welchem Explikat man ausgeht.[2]
Die Explikation natürlichsprachlicher Wendungen ist nicht immer möglich. Dies wird im politischen oder auch wissenschaftlichen Jargon genutzt.[3]
Der Übergang vom Explikandum zum Explikat erfolgt durch einen Abstraktionsvorgang.
Beispiel:
Es soll ein logisches Explikat der Wenn-so-Beziehung gefunden werden. Das Explikandum kommt in Aussagen der Form „Wenn p, so q“ vor. Mit dem Alltagsgebrauch der Wenn-so-Beziehung sind eine Reihe nichtlogischer Momente in höchst unklarer Weise verknüpft. Man nimmt etwa an, dass p die Ursache für q sein müsse, damit die Aussage „wenn p, so q“ wahr ist.
Bei entsprechenden Testfragen ergibt sich ferner, dass die meisten Menschen die Aussage für falsch halten, wenn p falsch, q aber wahr ist. Ein Explikat zu diesem Explikandum ist, wie eine eingehende Analyse feststellt, die Subjunktion. Sie ist ausschließlich durch nachstehende Wahrheitstabelle festgelegt:
p | q | p -> q
________________________
w | w | w
w | f | f
f | w | w
f | f | w
Diese Begriffsexplikation verwirft das Explikandum nicht schlechthin als falsch, sondern bewahrt die wissenschaftlich wertvollen und richtigen Momente auf, beseitigt Unklarheiten und begriffliche Unschärfe und führt schließlich zu dem von allen psychologischen, kausaltheoretischen u. a. Momenten entlastetem Explikat.
Carnap nennt für Explikate vier Adäquatheitsbedingungen:[4]
Das Explikat muss dem Explikandum ähnlich sein, da ansonsten keine Explikation vorliegt.
Der Gebrauch des Explikats soll ausdrücklich, eindeutig und möglichst präzise geregelt sein.
Das Explikat muss sich in der wissenschaftlichen Praxis bewähren und insbesondere in der Lage sein, auch überall dort, wo bisher das Explikandum ausreichend die Anforderungen erfüllte, an dessen Stelle zu treten. Das Explikat soll so beschaffen sein, dass es nach Möglichkeit als Bestandteil einer in sich geschlossenen Theorie fungieren kann.
Das Explikat soll dem Prinzip der Einfachheit genügen. Dort, wo unter den Gesichtspunkten einer bestimmten Theorie mehrere Explikate vom Explikandum ausgehend konstruiert werden können, soll dasjenige ausgewählt werden, das mit einem Minimum an logischer und allgemein systemtheoretischer Reichhaltigkeit auskommt. Es wird also wenig zweckvoll sein, solche Explikate ausgehend von einem bestimmten Explikandum zu konstruieren, die zugleich die Änderung großer Teile oder gar ganzer wissenschaftlicher Systeme verlangen.
Wunderlich betont erläuternd die Theoriebezogenheit einer Explikation, fordert die Explikation im Hinblick auf klare Fälle und die Einhaltung derselben Sprachstufe[5]
Die Explikation hat Gemeinsamkeiten mit festsetzenden und feststellenden Definitionen, unterscheidet sich aber von ihnen durch ihre Theoriebezogenheit:[6]
"Im Kern ist Sinn der Explikation allerdings nicht die Beschäftigung mit einem Sprachgebrauch, sondern die Klärung von Sachfragen, indem ein Sachverhalt in Beziehung auf das Begriffssystem einer wissenschaftlichen Theorie erklärt wird."[7]
Teilweise wird angenommen, dass eine Explikation tendenziell das gesamte vorhandene Begriffssystem einbeziehe und daher grundsätzlich nicht beendet werden könne.[8]
Der explizierte Begriff selbst tritt in drei Formen auf als:
In einem älteren philosophischen Sprachgebrauch bedeutet explicatio eine Auseinanderlegung (Entfaltung) der Einheit (des Ganzen, des Begriffs, Gott) in die Vielheit der Einzelteile (bei Gott in die Welt)
Bei Plotin werden die Dinge als entfaltete Zahl bezeichnet. Bei Nikolaus von Kues ist die Zahl die explicatio unitatis, und die Bewegung die explicatio quietis (in De docta ignorantia, 1440). Er bezeichnete explicatio dei als die Selbstentfaltung Gottes, das die Existenz Gottes in allem Endlichen ermöglicht. Eine Entsprechung findet diese Definition in complicatio, die den Zustand des Enthaltens Gottes im allen Endlichen ausdrückt.
Der deus explicitus ist im Unterschied zum deus absconditus (d.h. Gott als verborgene schöpferische Kraft) die Welt als erschaffene Gestalt.