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Harold Macmillan

                   
  Harold Macmillan.

Maurice Harold Macmillan, 1. Earl of Stockton OM (* 10. Februar 1894 in Chelsea (London); † 29. Dezember 1986 in Birch Grove House, Horsted Keynes, Sussex) war ein britischer Politiker der Conservative Party und Premierminister vom 8. Oktober 1957 bis 12. Oktober 1963[1] (siehe auch Britische Unterhauswahlen).

Inhaltsverzeichnis

  Frühe Jahre

Macmillan wurde in Eton und am Balliol College in Oxford erzogen. Er gehörte in Oxford zum Mitgliederkreis des „Hanover Club“, eines von 1911-13 bestehenden deutsch-britischen Debattierclubs unter Führung von Albrecht Graf von Bernstorff, der das gegenseitige Verständnis fördern sollte.[2][3] Macmillan diente mit Auszeichnung im Ersten Weltkrieg und wurde dreimal verwundet. 1924 ins Unterhaus gewählt, verlor er seinen Sitz 1929 und gewann ihn 1931 zurück. Die 1930er Jahre verbrachte er als Hinterbänkler. Seine linken Ansichten und seine scharfe Kritik an Stanley Baldwin und Arthur Neville Chamberlain trieben ihn in die Isolation. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte er der Koalitionsregierung an. Er arbeitete beim Versorgungsministerium, bevor er 1942 Repräsentant der britischen Regierung bei den Alliierten im Mittelmeerraum wurde.

Nach dem Krieg und der massiven Wahlniederlage von 1945 kehrte er nach England zurück. Als die Konservativen am 25. Oktober 1951 wieder an die Macht kamen, wurde er unter Winston Churchill Wohnungsbauminister (Oktober 1951), dann Verteidigungsminister (Oktober 1954) und unter Anthony Eden Schatzkanzler (1955–1957). Als Eden im Januar 1957 wegen der Sueskrise zurücktrat, wurde Macmillan am 10. Januar sein Nachfolger als Premierminister und am 22. Januar auch als Parteichef der Konservativen - obwohl viele erwartet hatten, dass es Rab Butler sein würde.

  Regierungszeit

Macmillan brachte die finanziellen Sorgen des Finanzministers mit ins Amt – die Wirtschaft war sein Hauptanliegen. Seine Strategie war, eine möglichst hohe Beschäftigungsrate anzustreben, während seine Finanz-Sekretäre meinten, dass die Währung stabilisiert werden müsse, was wegen der dann erforderlichen strikten Haushaltsbeschränkungen zu erhöhter Arbeitslosigkeit geführt hätte. Ihre Vorschläge wurden abgelehnt, und im Januar 1958 traten alle Sekretäre zurück. MacMillan wischte diesen Vorfall als "lokales Problemchen" vom Tisch. Er unterstützte die Bildung der "Kommission für Nationaleinkommen" als Teil seiner "Wachstum ohne Inflation"-Politik.

Er hatte auch die Außenpolitik fest im Griff. Er bemühte sich, die Gräben zuzuschütten, die zwischen England und den USA durch die Sueskrise im Herbst 1956 aufgerissen worden waren. Seine Freundschaft mit Eisenhower, die aus Kriegszeiten stammte, war ihm dabei nützlich. So hielten die beiden schon im März 1957 eine freundliche Konferenz auf Bermuda ab. Die guten Beziehungen setzten sich mit dem Aufstieg John F. Kennedys fort.

Macmillan sah auch den Wert einer Annäherung an Europa. Er suchte Zutritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - die am 1. Januar 1958 gestartet war - und lotete die Möglichkeit einer europäischen Freihandelszone (EFTA) aus. In Bezug auf das Empire setzte Macmillan die Entlassung der Kolonien fort, was er im Februar 1960 in seiner "wind of change" (Wind des Wandels) Rede angekündigt hatte. 1960 wurde das Afrikanische Jahr. Ghana und Malaya erhielten 1957 die Unabhängigkeit, Nigeria 1960 und Kenia 1963. Er sorgte jedoch dafür, dass Britannien im Nahen Osten eine Macht blieb - das führte zu den Interventionen im Irak 1958 und 1960 und auch zu der Einmischung im Oman.

Bei den Wahlen vom Oktober 1959 führte er die Konservativen zum Sieg: Die Partei erreichte 365 von 630 Sitzen und baute so ihre vorhandene Mehrheit im Unterhaus aus. Macmillans Wahlkampf basierte auf dem erreichten wirtschaftlichen Fortschritt unter dem Motto "Wir hatten es noch nie so gut". Die tatsächliche Wachstumsrate war jedoch im Vergleich zu Europa schwach und wurde durch hohe Verteidigungsausgaben geschönt.

Nachdem Anfang der 1960er Jahre Versuche gescheitert waren, eine eigene Raketenstreitmacht zur atomaren Abschreckung aufzubauen, erreichte Macmillan im Dezember 1962 die Lieferung von amerikanischen Polaris-Raketen. Zuvor waren 60 Thor-Raketen unter gemeinsamer Kontrolle in Großbritannien stationiert worden.

Macmillan war einer der Haupttreibenden in den Verhandlungen, die 1962 zum Vertrag über die Einstellung von Atombombentests führten, der von Großbritannien, den USA und der Sowjetunion unterzeichnet wurde. Sein Versuch, schon 1960 einen solchen Vertrag zu erreichen, war seinerzeit anlässlich der Affäre um den Spionageflug des US-Piloten Gary Powers mit der U2 gescheitert.

Großbritanniens Antrag auf Beitritt zur EWG scheiterte im Januar 1963 am Veto Charles de Gaulles. Dieser fürchtete, dass es "am Ende eine riesige atlantische Gemeinschaft, abhängig von Amerika" geben würde. Außerdem war er wohl auch wegen des britisch-amerikanischen Atom-Abkommens verärgert, nach dem Großbritannien mit Atomwaffen beliefert wurde, die die Amerikaner den Franzosen zuvor verweigert hatten.

Macmillan vertrat jedoch die Ansicht, dass ein britischer EWG-Beitritt am besten während der Präsidentschaft de Gaulles erfolgen sollte, weil dieser eine den Briten ähnliche Auffassung von der politischen Gestaltung der Gemeinschaft hatte. Er schlug daher sogar in einem internen Memorandum vor, de Gaulle einen Deal anzubieten, in dem die Franzosen stärker in die britisch-amerikanische Weltpolitik eingebunden würden. Frankreich würde so zu einer De-facto-Weltmacht aufsteigen, während die Briten ihrerseits erheblichen Einfluss auf die EWG ausüben könnten.

1961 führten Britanniens Finanzprobleme zu einem Einfrieren der Löhne und Gehälter. Dies brachte einen Popularitätsverlust für die Regierung und eine Serie von Niederlagen bei Nachwahlen. Im Juli 1962 führte Macmillan eine größere Kabinettsumbildung durch, aber er verlor immer mehr die Unterstützung aus seiner Partei. In Verlegenheit brachte ihn auch die Profumo-Affäre von 1963. Nach einer Krankheit und Operation trat er am 12. Oktober 1963 zurück.[1]

Sein Nachfolger wurde Alec Douglas-Home, der bisherige Außenminister.

  Ruhestand

Macmillan lehnte zunächst einen Adelstitel ab, zog sich im September 1964 aus der Politik zurück und meldete sich in den folgenden zwanzig Jahren nur gelegentlich zu Wort. Nachdem Margaret Thatcher zur Parteichefin gewählt worden war, meldete er sich häufiger zu Wort, als seine Politik von den Finanzexperten seiner Partei angegriffen wurde.

1984 akzeptierte er schließlich den Adelstitel und wurde zum Earl of Stockton ernannt. Er ist der einzige bürgerliche Brite, der nach 1965 einen neuen erblichen Titel in der Peerage of the United Kingdom empfing und diesen auch tatsächlich weitervererbte. Im renommierten Carlton Club, dem Macmillan viele Jahre angehört hatte, benannte man einen Speisesaal nach ihm. 1986 starb er in Birch Grove in Sussex kurz vor seinem 93. Geburtstag. Da sein Sohn zu dieser Zeit bereits tot war, erbte sein Enkel den Titel.

  Erinnerung

Harold MacMillan hinterließ als produktiver Schriftsteller eine sechsbändige Autobiographie, die zwischen 1964 und 1974 erschien und Jahre vom Kriegsausbruch 1914 bis zu seinem Rücktritt als Premierminister 1963 umfasst.

Vielen Briten ist er in erster Linie durch ein Zitat bekannt, das aus einer Rede stammt, die MacMillan auf einem Parteitag der Torys 1957 hielt. Darin sagte er: Indeed let us be frank about it - most of our people have never had it so good. Der Satz "They Never Had It So Good" repräsentiert bis heute den britischen Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit.[4]

  Literatur

  • Elly Gräfin Reventlow (Hrsg.): Albrecht Bernstorff zum Gedächtnis. Eigenverlag, Düsseldorf 1952.
  • Gerhard Altmann: Abschied vom Empire. Die innere Dekolonisation Großbritanniens 1945–1985. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-870-1.

  Weblinks

 Commons: Harold Macmillan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

  Einzelnachweise

  1. a b spiegel.de 16. Oktober 1963: Heilende Krankheit
  2. Reventlow (Hrsg.), Beitrag von Harald Mandt, S.26
  3. Karsten Plöger: The Hanover Club, Oxford (1911-13): Student Paradiplomacy and the Coming of the Great War, in: German History Volume 27, No. 2, S. 196-214.
  4. On This Day: 1957: Britons have never had it so good, BBC online, abgerufen am 5. September 2011
   
         
   

 

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