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Kernkraftwerk Unterweser

                   

f1

Kernkraftwerk Unterweser
Kernkraftwerk Unterweser
Kernkraftwerk Unterweser
Lage
Kernkraftwerk Unterweser (Niedersachsen)
Kernkraftwerk Unterweser
Koordinaten 53° 25′ 39,7″ N, 8° 28′ 48,7″ O53.42778.4801972222222Koordinaten: 53° 25′ 39,7″ N, 8° 28′ 48,7″ O
Land: Deutschland
Daten
Eigentümer: E.ON
Betreiber: E.ON
Projektbeginn: 1971
Kommerzieller Betrieb: 6. September 1979
Stilllegung: 2011 [1][2]

Aktive Reaktoren (Brutto):

0  (0 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (1410 MW)
Eingespeiste Energie im Jahre 2010: 11.238 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 307.054 GWh
Website: Das Kernkraftwerk auf der Seite des Betreibers
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
  Luftaufnahme des Kraftwerks inmitten der Wesermarsch
  Das Kraftwerk von der Weser gesehen
  Ausgedienter Niederdruck-Turbinenläufer vor dem Kraftwerk

Das stillgelegte Kernkraftwerk Unterweser (KKU – auch bekannt als Kernkraftwerk Kleinensiel und Kernkraftwerk Esenshamm) ist ein Kernkraftwerk nahe Rodenkirchen und Kleinensiel, Gemeinde Stadland im Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen. Am 29. September 1978 ging es das erste Mal mit einer Nennleistung von 1.410 MW ans Netz. Am 18. März 2011 um 3:33 Uhr wurde es als Konsequenz der Nuklearkatastrophe von Fukushima zunächst vorübergehend vom Netz genommen (siehe Atom-Moratorium)[3] und gut zwei Monate später im Zuge der Energiewende schließlich endgültig abgeschaltet.

Inhaltsverzeichnis

  Geschichte

Der Druckwasserreaktor wurde 1972 - 1978 von Siemens/KWU gebaut und ging am 29. September 1978 ans Netz. Der Reaktor wurde am 16. September 1978 erstmals kritisch. Bei der Inbetriebnahme war der Reaktor der leistungsstärkste der Welt. Betreiber des KKU war damals NWK, später PreussenElektra.

Im Kernreaktor des Kernkraftwerks befinden sich 193 Brennelemente. Das KKU hat eine elektrische Leistung von 1410 MW (Nettoleistung 1345 MW + 65 MW Eigenbedarf).

Es wird von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben. Die endgültige Abschaltung des KKU war im Atomkonsens der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder auf die Einspeisung der 311 Milliardensten Kilowattstunde festgelegt. Das entspricht näherungsweise einer endgültigen Stilllegung im Jahr 2011, laut E.ON im Jahr 2012. Nach der im Herbst 2010 beschlossenen (Laufzeitverlängerung) der CDU Regierung unter Angela Merkel sollte das Kernkraftwerk bis 2020 laufen.

In Folge der Debatte um die Nuklearkatastrophe von Fukushima wurde das Kernkraftwerk Unterweser nach der Entscheidung der Bundesregierung im März 2011, für ältere Kraftwerke ein dreimonatiges Atom-Moratorium durchzuführen, am Freitag den 18. März 2011 um 3:33 Uhr nach dem Herunterfahren vom Netz genommen. [4] Der Betreiber E.ON Kernkraft GmbH war zuvor von der Niedersächsischen Landesregierung dazu angewiesen worden.

Ende Mai 2011 wird von den Umweltministern der Länder und des Bundes beschlossen, das Kernkraftwerk Unterweser dauerhaft stillzulegen.[5]

Der Betreiberkonzern E.ON teilte am 9. Juni 2011 mit, dass das Kernkraftwerk auch ohne ausdrückliche Verfügung seitens der Bundesregierung nicht wieder in Betrieb gehen wird.[6]

  Sicherheit

Almut Gilcher (E.ON)[7] gibt an, dass die Kuppel des Kraftwerkes aus 80 cm dickem Stahlbeton besteht. Die Kuppel ist ausgelegt auf den Absturz eines Starfighters. Dies war das Referenz-Szenario für die Stärke der Betonkuppel in den 1970er-Jahren. Im Atomkraftwerk Brokdorf (Projektbeginn 1975) baute man eine zwei Meter dicke Schale.

"Die Betonschale soll laut einem TÜV-Gutachten von 1990 einem Absturz eines zehn Tonnen schweren Flugzeugs standhalten. Bei dem Aufprall eines schwereren Körpers ist nach einer Studie der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit mit einer großflächigen Zerstörung des Reaktorgebäudes zu rechnen. Ein Kernschmelzunfall mit offenem Sicherheitsbehälter wäre die Folge."[8]

  Zwischenlager

Ein Zwischenlager ist nach fast dreijähriger Baudauer am 18. Juni 2007 am Kernkraftwerk Unterweser als bundesweit letztes Standort-Zwischenlager in Betrieb genommen worden. Das Zwischenlager ist für maximal 80 Behälterstellplätze ausgelegt. Die Genehmigung wurde auf 40 Jahre befristet, beginnend mit der ersten Einlagerung.[9]

  Störfälle und technische Probleme

Anlässlich eines Turbinentests während des Betriebs kam es 1998 zu einer Turbinenabschaltung, was den Dampfstrom zur Turbine unterband. Da die Umleitstation nicht verfügbar war, musste der nicht radioaktive Sekundärdampf über Überdruckventile in die Umgebung abgeblasen werden. Dabei wurde festgestellt, dass sich eines der vier Ventile nicht geöffnet hatte. Grund war, dass die zugehörige Steuerleitung im Vorfeld fälschlicherweise durch eine Handarmatur abgesperrt oder nicht mehr geöffnet worden war. Wegen des menschlichen Versagens wurde der Störfall mit INES 2 eingestuft.[10]

Am 22. Juli 2007 wurde festgestellt, dass eine Armatur in einem der vier Stränge des Not- und Nachkühlsystems nicht korrekt eingestellt war. Ursache war eine fehlerhafte Justierung der elektronischen Stellungsanzeige an der Armatur während der Revision im Jahr 2006. Dies wurde bis zur Überprüfung 2007 nicht bemerkt. Im Falle eines Störfalls hätte der Strang nicht die geforderte Kühlleistung erbringen können.[11]

  Radioaktivität

Betriebsbedingt leiten Kernkraftwerke über Abluft und Abwasser geringe Mengen radioaktiver Stoffe ab (Emission). Das Atomgesetz verpflichtet die Aufsichtsbehörden unter anderem dazu, den Betrieb hinsichtlich der zugelassenen Grenzwerte zu überwachen. Eine entsprechende Übersicht auch für das KKU findet sich auf den Seiten des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz.[12]

Die für das Jahr 2004 gemessene, mit der Luft abgegebene Radioaktivität beträgt für die Gesamtheit der Radionuklide 3,8 TBq/a und mit dem Wasser 14 TBq/a (die Menge des abgegebenen radioaktiven Stoffes wird dabei durch seine Aktivität angegeben).

Die daraus berechnete Strahlenexposition durch die Ableitung der radioaktiven Elemente mit der Luft betrug im ungünstigsten Fall für einen erwachsenen Menschen 0,2 µSv, für Kleinkinder 0,3 µSv (ebenso die Schilddrüsendosis). Durch das Abwasser wurden sowohl Erwachsene als auch Kleinkinder im Jahr 2004 maximal mit einer Äquivalentdosis von 0,1 µSv belastet.[13] Zum Vergleich: Die durchschnittliche natürliche Strahlenexposition im Bundesgebiet betrug 2004 etwa 2100 µSv.[14]

  Protestaktionen

Am 22. Juni 2009 wurde das KKW Unterweser gegen 03:00 Uhr von etwa 50 Greenpeace-Aktivisten besetzt.[15] Die Demonstranten malten auf der großen Kuppel des Kraftwerks ein stilisiertes Atomsymbol mit einem Totenkopf. Durch diese Aktion wollte Greenpeace auf die ihrer Ansicht nach kritische Sicherheitslage von Kernkraftwerken hinweisen. Laut eigenen Angaben hat der Betreiber E.ON das Eindringen der Aktivisten auf dem Gelände bemerkt; da man die Eindringlinge eindeutig als Umweltaktivisten identifiziert habe, habe E.ON auf eine Räumung der Kuppel verzichtet und nur ihr Vordringen in sicherheitstechnisch relevante Bereiche verhindert.[16]

Am Ostermontag 2011 (25. April) demonstrierten etwa 8.000 Menschen am Kraftwerk gegen Atomkraft und für ein Nicht-Wiedereinschalten des KKW Unterweser, das wegen des Atom-Moratoriums für drei Monate abgeschaltet ist.[17] [18]

Am 21. Mai 2011 startete Campact vor dem KKW Unterweser tausende Luftballons aus einem 25 Meter breiten Radioaktivitätszeichen. Die Ballons symbolisieren eine radioaktive Wolke. Die Verbreitung der Ballons demonstriert, wie sich Radioaktivität bei einem Super-GAU unaufhaltsam ausbreiten würde. An jedem der Ballons klebt eine Karte; sie fordert den Finder des Ballons auf, den Fundort in einer Internet-Karte zu vermerken.[19]

  Daten des Reaktorblocks

Das Kernkraftwerk Unterweser besteht aus einem Kraftwerksblock:

Reaktorblock[20] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Unterweser (KKU) Druckwasserreaktor 1345 MW 1410 MW 01.07.1972 29.09.1978 06.09.1979 18.03.2011

  Siehe auch

  Weblinks

 Commons: Kernkraftwerk Unterweser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

  Einzelnachweise

  1. Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz: Sachstandsinformation Kernkraftwerk Unterweser (KKU), 14. September 2011
  2. tagesschau.de: Spitzentreffen der Koalition zum Atomausstieg
  3. AKW Unterweser ist vom Netz. NDR.de (18. März 2011). Abgerufen am 19. Mai 2011.
  4. NDR Regional Sendung vom 18. März 2011 abgerufen März 2011
  5. Badische Zeitung:Länder wollen das Aus für 7 Atomkraftwerke
  6. Nordwestdeutsche Zeitung vo 9. Juni 2011 abgerufen am 30. Juni 2011
  7. Wechsel im Besucher-Pavillon. NWZonline.de (13. August 2009). Abgerufen am 19. Mai 2011.
  8. radiobremen.de 14. September 2010 Das Atomkraftwerk Unterweser in Esenshamm
  9. Homepage des Betreibers E.ON abgerufen 29. Juni 2011
  10. Jahresbericht der HSK von 1998, "Lehrreiche Vorkommnisse"
  11. Pannenserie. KKW Unterweser meldet Störung. Auf: spiegel.de, 22. Juli 2007.
  12. Überwachung kerntechnischer Anlagen
  13. Abschnitt II.1.: Radioaktive Stoffe aus kerntechnischen Anlagen. Im Jahresbericht 2004. Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Bonn 2005, S. 153f. (PDF).
  14. Zusammenfassung. Im Jahresbericht 2004. Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Bonn 2005, S. 13 (PDF).
  15. Greenpeace: Protest auf dem Atomkraftwerk Unterweser. Auf: greenpeace.de.
  16. Kernkraftwerk Unterweser: Greenpeace besetzt Reaktorkuppel. Auf: welt.de, 22. Juni 2009.
  17. youtube.de
  18. radiobremen.de
  19. Ballonaktion auf campact.de (abgerufen 28. April 2011)
  20. Power Reactor Information System der IAEA: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
   
         
   

 

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