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Das Lemma von König oder Königslemma ist ein Theorem der Graphentheorie von Dénes Kőnig (1936). Die Berechenbarkeit des Lemmas wurde gründlich in der Mathematischen Logik erforscht. Dénes Kőnig wird korrekterweise mit Doppelakut geschrieben. Das nach ihm benannte Lemma wird aber üblicherweise mit einem Umlaut geschrieben.
Inhaltsverzeichnis |
Sei G ein zusammenhängender Graph mit unendlich vielen Knoten, so dass jeder Knoten endlichen Grad hat, also nur zu endlich vielen anderen Knoten benachbart ist. Dann ist jeder Knoten von G Teil eines unendlich langen Pfades, auf welchem ein Knoten höchstens ein Mal besucht wird.
Ein gebräuchlicher Spezialfall ist, dass jeder Baum bestehend aus unendlich vielen Knoten endlichen Grades einen unendlichen Pfad besitzt.
Zu beachten ist, dass der Knotengrad endlich, allerdings nicht beschränkt sein muss. Es ist möglich einen Knoten mit Grad 10, einen mit Grad 100, den dritten mit Grad 1000, usw. zu haben.
Angenommen der Graph ist zusammenhängend und besitze unendlich viele Knoten
.
Angefangen mit einem beliebigen Knoten v1 kann jeder Knoten von G vom Knoten v1 aus durch einen Pfad erreicht werden. Ein solcher Pfad muss an einem der endlich vielen zu v1 adjazenten Knoten beginnen. Es muss einen der adjazenten Knoten geben, durch den unendlich viele Knoten erreicht werden können. Gäbe es keinen solchen Knoten, dann wäre der gesamte Graph eine Vereinigung von endlich vielen endlichen Knotenmegen und stände daher im Widerspruch zur Annahme des unendlichen Graphen.
Sei v2 einer dieser Knoten. Damit können unendlich viele Knoten aus G von v2 aus durch einen Pfad erreicht werden, der nicht v1 enthält. Jeder solche Pfad muss an einem der endlich vielen zu v2 adjazenten Knoten beginnen. Ein ähnliches Argument wie oben zeigt uns, dass es einen adjazenten Knoten geben muss, durch den unendlich viele Knoten erreicht werden können; sei dieser v3.
Auf diese Art und Weise kann induktiv ein unendlicher Pfad konstruiert werden. Bei jedem Schritt besagt die Induktionsvoraussetzung, dass es unendlich viele Knoten gibt, die mittels eines Pfades von
aus erreicht werden können. Wobei dieser Pfad eine endliche Menge von Knoten nicht enthalten darf. Der Induktionsschritt wird mit dem Argument vollzogen, dass einer der zu
adjazenten Knoten die Induktionsvoraussetzung erfüllt, selbst wenn
zu jener endlichen Menge gehört.
Dieser Beweis gilt als nicht konstruktiv, weil bei jedem Schritt ein Beweis durch Widerspruch geschieht, um zu zeigen, dass es einen adjazenten Knoten gibt, von dem aus unendlich viele andere Knoten erreicht werden können. Rechnerische Analysen deuten darauf hin, dass es keinen konstruktiven Beweis gibt.
Die Berechenbarkeit des Lemmas von König wurde gründlich erforscht. Die Formulierung des Lemmas, nämlich dass jeder unendliche, endlich verzweigte Teilbaum von
einen unendlichen Pfad hat, ist für diesen Zweck sehr günstig.
steht hier für eine Menge natürlicher Zahlen, wobei
die kanonische Aufzählung aller endlichen, nach Zwischenergebnis sortierten Folgen von natürlichen Zahlen ist. Jede endliche Folge kann mittels einer partiellen Funktion von
in sich selbst bestimmt werden. Jeder unendliche Pfad kann mit einer totalen Funktion bestimmt werden. Daher ist die Analyse mit Hilfe der Berechenbarkeitstheorie möglich.
Ein Teilbaum von
, in dem jede Folge nur endlich viele direkte Nachfolger hat, d.h. der entsprechende Baum hat endlichen Grad an allen Knoten, heißt endlich verzweigt. Nicht jeder unendliche Teilbaum von
besitzt einen unendlichen Pfad, aber das Lemma zeigt, dass jeder endlich verzweigte Teilbaum einen unendlichen Pfad haben muss.
Für alle Teilbäume T von
bezeichnet die Notation Ext(T) die Menge an Knoten von T, durch die ein unendlicher Pfad führt. Selbst wenn T berechenbar ist, ist Ext(T) nicht zwangsläufig berechenbar. Jeder Teilbaum T von
, der einen unendlichen Pfad hat, hat auch einen unendlichen Pfad, der aus Ext(T) berechenbar ist.
Es existieren endlich verzweigte, berechenbare Teilbäume von
, die keinen arithmetischen und keinen hyperarithmetischen Pfad haben. Jeder berechenbare Teilbaum von
mit Pfad muss einen Pfad haben, der von Kleenes O, der
vollständigen Menge, berechenbar ist. Das liegt daran dass die Menge Ext(T) immer
ist und T somit berechenbar ist.
Eine genauere Analyse wurde für berechenbare beschränkte Bäume durchgeführt. Ein Teilbaum von
heißt berechenbar beschränkt oder rekursiv beschränkt, wenn es eine berechenbare Funktion f von
nach
gibt, so dass für alle n es keine Folge im Baum gibt, dessen n-tes Element größer als f(n) ist. Somit gibt f eine Schranke für die "Breite" des Baums an. Die folgenden Basissätze gelten für unendliche berechenbar beschränkte, endlich verzweigte berechenbare Teilbäume von
.
, der kanonischen und Turing-vollständigen Menge, die das Halteproblem entscheiden kann.
hat der Baum einen Pfad, der X nicht berechnet.Eine schwächere Form des Lemmas von König wird bei der Definition des Subsystems
der Arithmetik zweiter Ordnung benutzt. Dieses Subsystem hat eine wichtige Rolle in der reversen Mathematik.
Das Fan Theorem von Brouwer ist vom klassischen Standpunkt her Gegenposition des Lemmas von König. Eine Teilmenge S von
heißt Bar, wenn jede Funktion von
in die Menge
ein erstes Segment in S besitzt. Ein Bar heißt lösbar, wenn jede Folge entweder im Bar oder nicht im Bar liegt. Diese Prämisse ist notwendig. Ein Bar ist uniform, wenn es eine Zahl n gibt, so dass von
nach
ein erstes Segment im Bar mit einer Länge von maximal n existiert. Brouwers Fan Theorem besagt dass jeder lösbare Bar uniform ist.
Das Lemma von König beinhaltet das Auswahlprinzip; der erste Beweis oben zeigt die Beziehung zwischen dem Lemma und dem abhängigen Auswahlaxiom. Bei jedem Induktionschritt muss ein Knoten mit einer bestimmten Eigenschaft gewählt werden. Zwar wird bewiesen, dass mindestens ein geeigneter Knoten existiert; wenn es aber mehrere passende Knoten gibt, gibt es möglicherweise keine kanonische Auswahl. Dieser Fall kann nicht aufkommen, wenn der Graph als abzählbar angenommen wird.
Das Lemma ist hauptsächlich eine Einschränkung des abhängigen Auswahlaxioms auf die vollständigen Relationen R, so dass es für alle x endlich viele z mit xRz gibt. Die Form des Lemmas, die aussagt, dass jeder unendliche endlich verzweigte Baum einen unendlichen Pfad hat, ist äquivalent zum Grundsatz, dass jede Folge endlicher Mengen eine Auswahlfunktion besitzt (vgl. Levy [1979, Exercise IX.2.18]). Somit gibt es Modelle der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre ohne Auswahl, in der diese Form des Lemmas von König nicht zutrifft.
classes in recursion theory. In: Handbook of Computability Theory. Elsevier, Leipzig 1999, ISBN 0444898824, S. 37-85.