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definition - Luftwaffe_(Bundeswehr)

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Luftwaffe (Bundeswehr)

                   
Luftwaffe
Logo der Luftwaffe
Aufstellung 9. Januar 1956
Land Deutsche FlaggeDeutsche Flagge Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Typ Teilstreitkraft (Luftstreitkräfte)
Grobgliederung Wappen des LwFüKdo Luftwaffenführungskommando
3 Luftwaffendivisionen

Wappen des Luftwaffenamtes Luftwaffenamt

Luftwaffenausbildungskommando
Waffensystemkommando der Luftwaffe
Stärke Aktive Soldaten:

33.873 (August 2012)[1]
Beorderte Reservisten:
15.300[2]

Hauptsitz des Führungsstabes Hardthöhe Bonn
Leitung
Inspekteur
der Luftwaffe
GenLt Karl Müllner[3]
Insignien
Flugzeugkokarde
Roundel of the German Air Force border.svg

Die Luftwaffe ist neben Heer und Marine eine Teilstreitkraft der deutschen Bundeswehr.

Inhaltsverzeichnis

  Geschichte

  Gründungsjahre

  Verteidigungsminister Blank zu Besuch bei der Luftwaffe
  F-84F Thunderstreak der Luftwaffe um 1960
  Nike Hercules bei der Parade zum NATO-Jubiläum
  F-104 des JG 74 im Formationsflug

Die ersten Freiwilligen der, in den Anfangsjahren der Bundeswehr teilweise noch umgangssprachlich Bundesluftwaffe genannten, Luftwaffe traten im Januar 1956 in Nörvenich in der Luftwaffenlehrkompanie ihren Dienst an. Im gleichen Jahr wurden zahlreiche Dienststellen aufgestellt und die Luftwaffe erhielt ihre ersten Luftfahrzeuge. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die fehlende Expertise im Aufbau einer modernen Luftwaffe zu kompensieren. Im verstrichenen Zehn-Jahres-Zeitraum seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die Grundlagen der Führung und logistischen Versorgung von Luftstreitkräften, vor allem durch die umfassende Nutzung von Strahlflugzeugen und Flugabwehrraketensystemen, sowie durch die Fokussierung auf den Einsatz nuklearer Bewaffnung erheblich verändert.

Die Führung der Einsatzkräfte der Luftwaffe erfolgte zunächst durch die zwei Luftwaffengruppen Nord und Süd, die in Angleichung an die NATO-Struktur mit der britisch geprägten 2. und US-amerikanisch geprägten 4. Allied Tactical Air Force (ATAF), deren Verantwortungsbereich jeweils nördlich beziehungsweise südlich einer gedachten Linie AachenKassel lagen, aufgestellt wurden. Das Allgemeine Luftwaffenamt, später in Luftwaffenamt umbenannt, war für zentrale Aufgaben zuständig.

1957 begann der Aufwuchs der Dienstbereiche der Luftwaffe. So wurden in Rendsburg Teile der Heeresflugabwehrtruppe übernommen, woraus die Flugabwehr(raketen)truppe der Luftwaffe entstand, das Lufttransportgeschwaders 61 wurde in Erding als erster fliegender Verband und das Jagdbombergeschwader 31 in Büchel als erster Kampfverband aufgestellt. 1958 wurden die ersten Wehrpflichtigen in die Luftwaffe einberufen, ein Jahr später nahm die Teilstreitkraft mit dem ersten Flugkörperverband (Flugkörpergruppe 11 in Kaufbeuren) mit dem taktischen, atomar bestückbaren Flugkörper Matador 1958 und dem ersten Jagdverband, dem Jagdgeschwader 71 in Ahlhorn mit Canadair F-86 Sabre, weiter Gestalt an. Die Luftstreitkräfte der Bundesrepublik bestanden aus der Luftwaffe und Teilen der Marine; ab 1956 begann auch die Aufstellung der westdeutschen Marineflieger.

Am 22. Oktober 1959 stürzten zwei F-84F Kampfflugzeuge der Luftwaffe bei einem Übungsflug in der Tschechoslowakei ab, siehe hierzu: Jagdbombergeschwader 34.

1960 begann die Ausbildung der ersten Flugzeugführer auf der Lockheed F-104; im selben Jahr wurden die ersten „Starfighter“ in den Truppendienst übernommen. Die Ära dieses Waffensystems in der Luftwaffe endete erst 1991 mit dem „Last Flight“ einer F-104 auf dem Flugplatz Manching. Umstände der Beschaffung, Mängel bei der Einführung und eine Absturzserie führten Mitte der 1960er Jahre in der Bundesrepublik zur Starfighter-Affäre. Als Lockheed-Skandal beschäftigte das problematische Flugzeug auch in anderen Ländern Politik und Öffentlichkeit.

  Die erste große Umgliederung

Im Jahr 1963 wurde die Luftwaffe erstmals umfassend umgegliedert. Den beiden Luftwaffengruppenkommandos Nord und Süd wurden je zwei querschnittlich aufgestellte Divisionen und eine Unterstützungsdivision zugeordnet. Aus Sorge, dass bei einem Angriff des Warschauer Paktes die Verbände im Norden, insbesondere in Schleswig-Holstein, abgeschnitten würden, wurde die 7. Luftwaffendivision aufgestellt, die durch die Bandbreite ihrer unterstellten Verbände praktisch eine kleine Luftwaffe innerhalb der Luftwaffe darstellte.

Nachdem bereits seit 1956 zahlreiches Personal in den USA ausgebildet wurde, intensivierte die Luftwaffe ab 1966 dort ihr Engagement. Das Deutsche Luftwaffenausbildungskommando USA/Kanada im Fort Bliss in El Paso, Texas, später Deutsches Luftwaffenkommando USA/Kanada wurde aufgestellt, die Raketenschule der Luftwaffe als Ausbildungseinrichtung für das Personal der Flugabwehrraketen- und der Flugkörpertruppe an den gleichen Standort verlegt und auch die fliegerische Grundschulung wurde ab 1966 in den USA durchgeführt. In diese Zeit fiel auch die Aufstellung einer Trainingseinheit in Beja im südlichen Portugal, die jedoch zum Anfang der 1990er-Jahre aufgelöst wurde.

Noch deutlich höher als beim Starfighter waren die innerhalb weniger Jahre eingetretenen Verluste an Material und Menschen beim Einsatz der ersten Jet-Generation der Luftwaffe; unter diesen Mustern waren Anfang 1966 fast 300 Totalschäden zu verzeichnen.[4]

  Aufstellung für die nächsten 20 Jahre – eine neue Luftwaffenstruktur

Das Jahr 1967 bedeutete den Beginn einer erneuten Umgliederungsphase der Luftwaffe, die bis 1970 andauerte. Mit der Einnahme der neuen Luftwaffenstruktur sollte die Führung der Einsatzverbände mit dem neu geschaffenen Luftflottenkommando ab 1970 aus einer Hand erfolgen. Die beiden Luftwaffengruppen Nord und Süd wurden aufgelöst und vier Luftwaffendivisionen in reine Luftangriffs- und Luftverteidigungsdivisionen umgegliedert. Dem Luftwaffenamt wurden das Lufttransportkommando mit den Lufttransportgeschwadern, das Luftwaffenführungsdienstkommando mit den Fernmelderegimentern des Fernmeldeverbindungsdiensts, des Radarführungsdiensts und der Fernmeldeelektronischen Aufklärung, und das Luftwaffenausbildungskommando mit den allgemeinen Schulen und den Ausbildungsregimentern unterstellt. Ebenfalls neu aufgestellt wurde das Luftwaffenunterstützungskommando, das mit den beiden aus den Unterstützungsdivisionen hervorgegangenen Luftwaffenunterstützungsgruppenkommandos Nord und Süd sowie dem Materialamt der Luftwaffe für die gesamte Logistik, einschließlich Instandhaltung und -setzung, sowie deren Ausbildung verantwortlich wurde.

Ab Ende der 1960er- bis in die 1980er-Jahre wurden diverse Waffensysteme in der Luftwaffe eingeführt, die zum Teil bis heute im Bestand sind. 1968 wurde die erste C-160 Transall ausgeliefert und 1974 erfolgte die Umrüstung auf die McDonnell Douglas F-4F Phantom II, zunächst beim Jagdgeschwader 71. Ebenfalls 1974 erfolgte der Erstflug des Tornados, der ab 1981 in die Truppe eingeführt wurde. Beide Luftfahrzeuge ersetzten die F-104. 1978 wurde der Alpha Jet eingeführt und 1985 begannen die Planungen für das Projekt „Jäger 90“, das Jahrzehnte später im Eurofighter mündete. Auch die Flugabwehrraketentruppe erhielt neue Waffensysteme. So wurden die Nike Hercules außer Dienst gestellt und 1986 die ersten PATRIOT- und 1987 die ersten Roland-Systeme eingeführt. Gegen Ende des Kalten Krieges dienten in der Luftwaffe mehr als 100.000 Soldaten.

  Zusammenführung der beiden deutschen Luftstreitkräfte

  Deutsche Mig-29 beim Abfeuern einer Rakete
  Alpha Jet des JaboG 49

Mit der Wiedervereinigung 1990 stand die Luftwaffe – wie auch die beiden anderen Teilstreitkräfte – vor massiven Herausforderungen. Die Integration der Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR musste – vor dem Hintergrund der geänderten Bedrohungs- und Finanzlage – bei einer gleichzeitigen Reduzierung von Personalstärke und Waffensystemen unter hohem Zeitdruck ablaufen.[5]

Die in die Bundeswehr übernommenen ehemaligen Angehörigen der DDR-Luftstreitkräfte wurden mit verschiedenen Lehrgängen auf den Dienst in der Luftwaffe vorbereitet. Um die Auflösung der ehemaligen Luftstreitkräfte/Luftverteidigung und die Übernahme der Infrastruktur und Waffensysteme, sowie die Integration der östlichen Bundesländer in die Luftverteidigung Deutschlands und der NATO zu unterstützen, stellte die Luftwaffe in Strausberg (Eggersdorf) die 5. Luftwaffendivision auf. Diese wurde 1994 nach Berlin-Gatow verlegt und in 3. Luftwaffendivision umbenannt. 1995 wurden die Luftwaffenverbände in den neuen Bundesländern der NATO unterstellt.

Die Einnahme der sogenannten Luftwaffenstruktur 4 bedeutete aber auch für die Verbände und Dienststellen in den westlichen Bundesländern erhebliche Veränderungen. Maßnahmen zur Umgliederung umfassten die Überführung des Luftflottenkommandos in das Luftwaffenführungskommando bei gleichzeitiger Unterstellung des Luftwaffenführungsdienstkommandos, des Lufttransportkommandos und der erneut aufgestellten zwei Luftwaffenkommandos Nord und Süd mit wiederum zu querschnittlichen Großverbänden umgegliederten Luftwaffendivisionen.

Mit der Ausphasung des Waffensystems Pershing entfiel ein Dienstteilbereich der Luftwaffe, mit der Abrüstung des Alpha Jets (bis 1997) wurden drei Jagdbombergeschwader aufgelöst.

  Unvollendet: die Luftwaffenstrukturen 5 und 6

Beginnend im Jahr 2001 wurde die Luftwaffe im Rahmen der Einnahme der Luftwaffenstruktur 5 erneut massiv umgestellt. Geprägt war diese Phase durch Regionalisierung und Zentralisierung. Mit der Auflösung der Luftwaffenkommandos Nord und Süd erhielten die Luftwaffendivisionen wieder mehr Verantwortung. Ihnen wurden die Kampfverbände so zugeordnet, dass ein größtmöglicher regionaler Zusammenhang bestand. Im Bereich der Einsatzunterstützung wurden viele Aufgaben zentralisiert und von der Luftwaffe an die neu aufgestellten Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst übergeben.

2004 begann eine neue Ära für die Luftwaffe, als das Jagdgeschwader 73 den Ausbildungsflugbetrieb mit dem Eurofighter, der zunächst die MiG-29 und die Phantom F-4F sowie später Teile der Tornado-Flotte ersetzen sollte, aufnahm.

Noch vor dem Abschluss aller Maßnahmen der Luftwaffenstruktur 5 ging die Luftwaffe 2005 zur Einnahme der Luftwaffenstruktur 6 über. Unter anderem gab die Bundeswehr hierbei mit der Auflösung des Lufttransportkommandos im Jahr 2010 Kompetenzen an das multinationale European Air Transport Command ab. Auch diese Luftwaffenstruktur wurde letztlich vor ihrer vollständigen Umsetzung durch neue Reformbemühungen überholt.

Seit 2007 beteiligt sich die Luftwaffe am ISAF-Einsatz in Afghanistan auch durch Aufklärung aus der Luft. Bis 2010 wurden hierfür Tornados, ab 2010 ausschließlich unbemannte Luftfahrzeuge genutzt.

  Neuausrichtung der Bundeswehr

Die Neuausrichtung der Bundeswehr, die im Jahr 2010 eingeleitet wurde, führt zu grundlegenden Veränderungen in der Luftwaffe. Deutlich wird dies insbesondere in der völligen Umstrukturierung der Führungsorganisation mit Wegfall des Führungsstabs der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung sowie der Auflösung des Luftwaffenführungskommandos und des Luftwaffenamts. Neu aufgestellt werden das Kommando Luftwaffe sowie die nachgeordneten Kommandobehörden, das Zentrum Luftoperationen, das Kommando Einsatzverbände und das Kommando Unterstützungsverbände. Kommandobehörden auf der Divisionsebene, wie bislang die Luftwaffendivisionen, das Waffensystemkommando der Luftwaffe und das Luftwaffenausbildungskommando, gibt es in der neuen Struktur nicht mehr.

Auch bei den technischen bzw. logistischen Verbänden und Dienststellen kommt es ebenso wie bei den Einsatzverbänden zu erheblichen Veränderungen. Dies resultiert in erster Linie aus der verringerten Personalobergrenze der Luftwaffe und der Festlegung niedrigerer Umfänge der Hauptwaffensysteme. Teilstreitkraftübergreifende Aspekte der Umstrukturierung sind die Übernahme der Hubschrauber vom Typ CH-53 vom Heer bei gleichzeitiger Abgabe der NH90 und die Zusammenführung der Flugabwehr- und Flugabwehrraketenkräfte nach Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe.

  Auftrag und Aufgaben

Die Luftwaffe bringt die besonderen Fähigkeiten von Luftstreitkräften zur Erfüllung des Auftrags der Bundeswehr ein.

In diesem Rahmen ist sie für die Überwachung und den Schutz des Luftraums über Deutschland zuständig. Dazu werden bereits im Frieden durch die Jagd- und Einsatzführungsverbände lufthoheitliche Aufgaben wahrgenommen. Sie hält Kräfte bereit, die in Konflikten und Kriegen zur Kampf- und Einsatzunterstützung militärischer Operationen von Heer und Marine und zur Bekämpfung strategisch bedeutender Ziele aus der Luft eingesetzt werden können. Insbesondere die Lufttransportverbände tragen zu humanitären Hilfeleistungen und Friedensmissionen der Vereinten Nationen und zu nationalen Such-, Rettungs- und Evakuierungseinsätzen bei.[6]

  Dienstbereiche

  Flugabwehrraketensystem PATRIOT
  RRP 117-Radar auf dem Großen Arber

Die Luftwaffe lässt sich analog zu den Truppengattungen beim Heer grob in die folgenden Dienstbereiche untergliedern:

  • Die Geschwader des Fliegerischen Dienstes unterteilen sich in die Kampf- und die Lufttransportverbände.
    • Drei Lufttransportgeschwader und ein Hubschraubergeschwader stellen mit der Transall C-160 und der Bell UH-1D bzw. dem NH90 die Versorgung von Verbänden aus der Luft in praktisch allen Einsatzgebieten sicher, in denen sich Kräfte der Bundeswehr befinden. Durch die Hubschrauber wird zudem zum Such- und Rettungsdienst in Deutschland beigetragen. Eine Komponente zur bewaffneten Suche und Rettung (CSAR) befindet sich im Aufbau.
    • Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung leistet neben dem parlamentarischen Flugbetrieb einen wichtigen Beitrag für alle Einsätze deutscher und verbündeter Streitkräfte durch den schnellen Rücktransport von verwundetem Personal (Strategic Air Medical Evacuation) in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst. Durch die Umrüstung der Airbus A310 zum Tankflugzeug steht der Luftwaffe zudem eine Engpassressource zur Verfügung.
    • Mit den beiden Jagdgeschwadern 71 und 74 wird in Zusammenarbeit mit dem Einsatzführungsdienst die Lufthoheit über Deutschland sichergestellt. Im Einsatz werden diese Kräfte mit ihren Waffensystemen Phantom F-4F und Eurofighter zum Schutz von zugewiesenen Lufträumen und bei verbundenen Luftkriegsoperationen zur Begleitung von Transport- und Luftangriffskräften eingesetzt. Das Jagdgeschwader 73 ist der Ausbildungsverband für die Eurofighter-Piloten der deutschen Luftwaffe und des österreichischen Bundesheers.
    • Die Jagdbombergeschwader 32 und 33 sind mit dem Waffensystem Tornado ausgerüstet. Ihr Aufgabenspektrum umfasst den Kampf gegen Luftstreitkräfte am Boden sowie die Unterstützung der anderen Teilstreitkräfte durch Abriegelung aus der Luft, Luftnahunterstützung und die Bekämpfung von Schiffen aus der Luft. Des Weiteren bestehen Fähigkeiten zur Durchführung von Angriffen auf strategische Ziele, zur Sicherstellung der nuklearen Teilhabe (nur Jagdbombergeschwader 33) und zur Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigungssysteme (Schwerpunktaufgabe des Jagdbombergeschwaders 32).
    • Das Jagdbombergeschwader 31 rüstet derzeit auf das Waffensystem Eurofighter um und wird sowohl in der Luftangriffs- als auch in der Luftverteidigungsrolle einsetzbar sein.
    • Mit den Kräften des Aufklärungsgeschwaders 51 werden ausgewertete Ergebnisse der Luftaufklärung zur Verfügung gestellt. Hierfür werden bemannte (Tornado) und unbemannte Luftfahrzeuge eingesetzt.
  • Der Technische Dienst/Versorgungsdienst der Luftwaffe ist, in enger Zusammenarbeit mit der Industrie, für die Instandhaltung, Instandsetzung und Versorgung von Waffensystemen und von luftstreitkräftetypischem Gerät verantwortlich. Dazu zählen unter anderem auch fliegende Waffensysteme, Flugsicherungs- und Navigationsanlagen anderer Teilstreitkräfte. Zur Erfüllung dieser Aufgaben verfügt die Luftwaffe über spezialisierte Verbände und Dienststellen des Waffensystemkommandos der Luftwaffe und über die Technischen Gruppen der fliegenden Geschwader.
  • Der Führungsdienst
  • stellt die luftwaffenspezifischen IT-Anbindungen der Gefechtsstände, Stäbe und Verbände – auch im Einsatz – sicher und koordiniert bei Bedarf Unterstützung durch die Streitkräftebasis.
  • stellt Spezialisten für die Elektronische Kampfführung.
  • trägt zur örtlichen und überörtlichen Flugsicherung bei.
  • überwacht durch seinen Teilbereich Einsatzführungsdienst an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr unter Führung eines NATO-Gefechtsstands oder der Führungszentrale nationale Luftverteidigung durch eigene Radargeräte und/oder Zuschaltung ziviler Daten den Luftraum. Auf Grundlage dieser Informationen können Jagdflugzeuge der Alarmrotten geleitet werden, um Luftfahrzeuge abzufangen und zu identifizieren, beziehungsweise können Flugabwehrraketensysteme auf zu bekämpfende Ziele voreingewiesen werden. Durch eine verlegefähige Komponente kann diese Fähigkeit auch in Einsätzen eingebracht werden.

  Organisation und Führung

  Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (mitte) im Gespräch mit US-Oberst David Krumm (rechts von de Maizière). Weitere Teilnehmer v.l. vorne: Hasso Körtge, Hans-Werner Fritz, Aarne Kreuzinger-Janik, rechts vorne: Frank Kiesel und Heinz-Josef Ferkinghoff.

An der Spitze der Luftwaffe steht der Inspekteur der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung. Als truppendienstlicher Vorgesetzter seiner Teilstreitkraft untersteht er direkt dem Bundesminister der Verteidigung. Der Inspekteur wird unterstützt durch den Führungsstab der Luftwaffe, einer Abteilung des Ministeriums in Bonn. Die Luftwaffe gliedert sich in zwei Kommandobereiche mit den Höheren Kommandobehörden Luftwaffenführungskommando (LwFüKdo) und Luftwaffenamt (LwA). Beide haben ihren Sitz in der Luftwaffenkaserne Wahn am Standort Köln.

  Luftwaffenführungskommando

  Aufgaben

Dem Luftwaffenführungskommando unterstehen alle Einsatzverbände der Luftwaffe. Es stellt sicher, dass für Einsätze fertig ausgebildete und ausgerüstete Luftwaffenkräfte zur Verfügung stehen. Es hat jedoch weder Kapazität noch Auftrag zur operationellen Führung seiner unterstellten Kräfte. Diese würde im Einsatz durch multinationale Gefechtsstände der NATO oder der EU erfolgen. Bereits im Frieden sind Teile der Verbände NATO-assigniert.

  Verbände und Dienststellen des Luftwaffenführungskommandos

  Unterstellte Verbände/Dienststellen

Dem Luftwaffenführungskommando unterstehen neben zahlreichen Dienststellen drei Luftwaffendivisionen, denen Einsatzverbände aus allen Dienstbereichen zugeordnet sind.

  • Führungsunterstützungsbereich der Luftwaffe (FüUstgBerLw)
  • sonstige Dienststellen:

  Luftwaffenamt

  Aufgaben

Im Bereich des Luftwaffenamts sind Unterstützungsleistungen für die Einsatzverbände, zentrale Aufgaben der Luftwaffe und teilweise Fachaufgaben – auch für andere Bereiche der Bundeswehr – zusammengefasst. Die Aufgaben sind im Einzelnen

  • Personalstruktur-/Organisationsplanung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Controlling der Luftwaffe als zentrale Aufgaben
  • die waffensystemspezifische Einsatzlogistik: Rüstung, Materialverwaltung, Einsatzlogistik, Instandhaltung von ausschließlich luftstreitkräftespezifischem Gerät
  • die Ausbildung von Kräften für die Einsatzverbände durch truppendienstliche Führung und/oder fachliche Steuerung von Schulen und Ausbildungseinrichtungen der Luftwaffe und/oder der Bundeswehr
  • Fachaufgaben für die gesamte Bundeswehr: Flugbetrieb, -medizin und -sicherheit aller Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche.

Für den Einsatz untersteht das Luftwaffenamt dem sonst gleichberechtigten Luftwaffenführungskommando.

  Organigramm Luftwaffenamt

  Unterstellte Verbände/Dienststellen

Für seine Auftragserfüllung unterstehen dem Luftwaffenamt:

  • Luftwaffenunterstützungsgruppe Wahn
  • Rechtsberaterzentrum der Luftwaffe
  • sonstige Dienststellen: zahlreiche deutsche Verbindungselemente zu (inter-)nationalen Logistik-/Ausbildungseinrichtungen und der Industrie

  Personal

  Dienstgradabzeichen Oberfeldwebel der Luftwaffe

  Soldaten

Die Luftwaffe hat einen Personalumfang von etwa 36.000 Soldaten und ist somit nach dem Heer die zweitgrößte Teilstreitkraft. Alle Laufbahnen und Verwendungen stehen bei Eignung für die vorgesehene Stelle auch weiblichen Soldaten offen.

Da der in vielen Bereichen hohe Grad der Technisierung häufig eine entsprechende Spezialisierung und aufwändige fachliche Qualifikation erfordert, ist der Anteil von Unteroffizieren und Offizieren gerade in den fliegenden Verbänden sehr hoch.

  Zivilpersonal

Der Umfang des Zivilpersonals wird in wenigen Jahren 5.950 Beamte und Beschäftigte betragen. Eine Verwendung dieser Kräfte erfolgt beispielsweise in hoher Zahl in der Instandsetzung und bei der Feuerwehr. Ziviles Personal hat gegenüber militärischem den Vorteil, dass es eine höhere Verfügbarkeit (Facharbeitszeit) im jeweiligen Aufgabenbereich hat. Anders als bei Soldaten entfallen bei ihm zahlreiche militärspezifische oder laufbahntechnische Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen mit hohen Abwesenheitszeiten.

  Dienstgrade/Uniform

Die Bezeichnung der Dienstgrade sind mit denen der Teilstreitkraft Heer identisch.

Der Feldanzug bei Luftwaffe und Heer ist grundsätzlich identisch. Zur Unterscheidung dienen beim Feldanzug an den Dienstgradabzeichen angebrachte stilisierte Schwingen statt den beim Heer üblichen farbigen Litzen.[8]

Der Dienstanzug der Luftwaffe ist dunkelblau mit goldgelben Kragenspiegeln. Als Kopfbedeckung wird ein blaues Schiffchen oder eine blaue Schirmmütze getragen. Lediglich für die Objektschutzkräfte ist ein dunkelblaues Barett vorgesehen.

  Ausblick

Am 20. September 2011 hat Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière bekannt gegeben, dass im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr geplant ist, die Anzahl der aktiven Soldaten bei der Luftwaffe auf maximal 23.000 zu reduzieren. Davon sollen 22.050 Berufssoldaten/Zeitsoldaten und zwischen 500 bis 950 freiwillig Wehrdienst leistende (FWDL) sein.[9]

  Ausbildung

Die Allgemeine Grundausbildung von Luftwaffenpersonal wird durch das Luftwaffenausbildungsregiment an mehreren Standorten durchgeführt. Die Ausbildung des Führernachwuchses erfolgt an der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen bzw. Heide und der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck.

Luftwaffenoffiziere des Truppendienstes studieren wie die Offiziere der anderen Teilstreitkräfte in der Regel an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr, Offiziere des militärfachlichen Dienstes besuchen die Fachschule der Luftwaffe in Faßberg.

Für die fachliche Ausbildung ihres Personals unterhält die Luftwaffe zentrale Ausbildungseinrichtungen und -verbände. Flugzeugtechniker und Flugsicherungspersonal werden an der Technischen Schule der Luftwaffe 1 in Kaufbeuren, Techniker für Hubschrauber an der Technischen Schule der Luftwaffe 3 in Faßberg ausgebildet. Die Ausbildung des Personals des Einsatzführungsdienstes erfolgt beim Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück, die des Personals des Flugabwehrraketendienstes am Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum Flugabwehrraketen Luftwaffe im Fort Bliss in Texas.

Personal des fliegerischen Dienstes durchläuft zunächst gemeinsam eine Grundlagenausbildung bei der 3. Deutschen Luftwaffenausbildungsstaffel beim Airline Training Center Arizona in Goodyear, Arizona. Anschließend werden Jet-Piloten zum Euro NATO Joint Jet Pilot Training (ENJJPT) auf der Sheppard AFB, Wichita Falls in Texas und Waffensystemoffiziere zur 2. Deutsche Luftwaffenausbildungsstaffel auf der Pensacola in Florida versetzt. Zukünftige Tornado-Besatzungen werden anschließend beim Fliegerischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe auf der Holloman AFB, Alamogordo in New Mexico zur Waffensystemausbildung zusammengeführt. Angehende Eurofighter-Piloten erwerben nach der Teilnahme am ENJJPT beim Jagdgeschwader 73 in Laage die Musterberechtigung auf ihrem zukünftigen Kampfflugzeug.

Hubschrauberpiloten erhalten streitkräftegemeinsam ihre Grundlagenausbildung an der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg. Transportflugzeugpiloten durchlaufen zunächst die fliegerische Grundlagenausbildung bei der 4./Lufttransportgeschwader 62 in Bremen, die mit der Lufthansa Flight Training GmbH zusammenarbeitet. Die Musterberechtigung erwerben Transall-Piloten bei der 3./Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf.

Für die Steuerung der lehrgangsgebundenen Ausbildung ist zentral das Luftwaffenausbildungskommando zuständig, die taktische, rollenspezifische Ausbildung liegt in der Verantwortung der Einsatzverbände.

  Ausrüstung

Stückzahlen: Stand Ende 2010 (aktuellere Angaben mit Quellenangabe)

  F-4F Phantom
  Airbus A310 VIP der Flugbereitschaft

  Waffensysteme/Großgerät

Die Luftwaffe verwendet seit ihrer Aufstellung hauptsächlich Gerät, das in multinationaler Kooperation entwickelt oder von NATO-Staaten gekauft und/oder in Lizenz gebaut wurde. Eine Übersicht über Flugzeuge findet sich in der Liste von Luftfahrzeugen der Bundeswehr. Zahlreiche historische Exponate können im Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow (vormals: Luftwaffenmuseum der Bundeswehr) in Berlin-Gatow besichtigt werden.

Derzeit verwendetes bodengebundenes Großgerät der Luftwaffe umfasst im Einsatzführungsdienst diverse Großradargeräte verschiedener Hersteller und das Waffensystem PATRIOT bei den Flugabwehrraketengeschwadern.

Als Luftfahrzeuge werden die Beechcraft T-6 und die Northrop T-38 als Schulflugzeuge für die Jet-Ausbildung in den USA eingesetzt.

Die Verbände des Lufttransports sind mit der Transall C-160 und mit Hubschraubern vom Typ Bell UH-1D und NH90 ausgerüstet.

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung nutzt die Muster Airbus A340-300 VIP (2 Stück), Airbus A310 (6 Stück), Airbus A319CJ (2), Bombardier Global 5000 (4)[10] und Aérospatiale SA 332 Cougar (3) insbesondere zum Personentransport. Eine besondere Rolle nimmt der A310 ein, der in der Version MRTT (4 von 6) zudem als Fracht- und Tankflugzeug und zum Transport von Verwundeten und Erkrankten eingesetzt werden kann.

Die Kampfverbände verfügen über die F-4F Phantom und den Eurofighter als Jagdflugzeug und den Panavia Tornado als Aufklärer und Jagdbomber und in der speziellen Rolle zur Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung.[11] Seit 2010 betreibt die Luftwaffe drei geleaste Heron 1 und zwei Bodenstationen der Herstellerfirma Israel Aerospace Industries (IAI) aus Israel.[12] Diese Luftfahrzeuge werden ausschließlich in Afghanistan eingesetzt.

  Modernisierungsvorhaben

Die politische Kontroverse vor Entscheidungen zur Entwicklung und Beschaffung von Großgerät der Luftwaffe ist aufgrund der technischen Risiken und insbesondere der hohen Kosten groß.

Neben zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Einsatzfähigkeit sind die Projekte mit dem größten finanziellen Umfang die laufende Einführung des Eurofighters als Ersatz für die F-4F Phantom sowie für Teile der Tornado-Flotte und die Beschaffung des Airbus A400M als Nachfolgemuster für die C-160 Transall. Ursprünglich sollten 180 Eurofighter in drei Tranchen bestellt werden. Von den ursprünglich 68 Eurofightern der dritten und letzten Tranche wurden im Juli 2009 jedoch nur 31 Flugzeuge als Tranche 3A bestellt. Ob die restlichen 37 Maschinen der Tranche 3B noch beschafft werden, ist unklar. Auch der beabsichtigte Bestand von 40 A400M in der Luftwaffe ist noch nicht endgültig festgelegt, da auch hier die vertraglich vereinbarte Stückzahl darüber liegt.

Der ursprünglich geplante Ersatz der UH-1D der Luftwaffe durch den Transporthubschrauber NH90 in den kommenden Jahren wird durch die Übergabe dieses Luftfahrzeugmusters an das Heer als alleinigen Nutzer hinfällig.

Im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge sind die Einführung des RQ-4E Euro Hawk als Ersatz für die ausgesonderte Breguet Atlantic der Marine und die Beschaffung eines Aufklärungssystems für mittlere Höhen (Medium Altitude Long Endurance – MALE) als Ergänzung zu den bemannten Flugzeugen sowie als Nachfolger des Heron 1 geplant.

Eine schnelle Entscheidung, weitestgehend unbeachtet von der medialen Wahrnehmung, erfolgte zur Einführung von Luftfahrzeugen Airbus A340-300 (übergeben am 30. März 2011 und Anfang Oktober 2011), Airbus A319 CJ (übergeben im März 2010 und am 17. Juni 2010) und Bombardier Global 5000 (übergeben zwischen dem 22. September 2010 und dem 9. Januar 2012) bei der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung als deutliche Modernisierung im parlamentarischen Lufttransport.

Auf die zunächst geplante Einführung des Flugabwehrraketensystems MEADS wird mit Entscheidung vom Oktober 2011 verzichtet.[13]

  Fliegerhorste

Insgesamt stehen der Luftwaffe derzeit zehn aktive Fliegerhorste sowie drei militärisch mitbenutzte zivile Flughäfen zur Verfügung.

→ siehe: Liste der Fliegerhorste in Deutschland

  Kennzeichnungen

  Flugzeugkokarde Eisernes Kreuz
  • Hoheitszeichen: Als Hoheitszeichen auf Luftfahrzeugen und Gefechtsfahrzeugen der Bundeswehr wurde 1956 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss das Eiserne Kreuz festgelegt.[14] Auf Luftfahrzeugen befindet sich zusätzlich die aufgemalte deutsche Flagge.
  • Flugzeugkennungen: Die Kennungen deutscher militärischer Luftfahrzeuge bestanden zunächst aus zwei Buchstaben, aus deren Kombination sich auf die Teilstreitkraft, den Einsatzbereich und das Geschwader schließen ließ, und drei Ziffern, die sich in der Regel aus der Staffelzugehörigkeit und der laufenden Nummer ergaben.[15] Ab 1968 wurde das System dahingehend geändert, dass lediglich ein Rückschluss auf Typ und Seriennummer des Luftfahrzeugs möglich ist. Dazu werden für die Flugzeugkennungen zwei jeweils zweistellige Ziffernblöcke, die durch das Eiserne Kreuz getrennt werden, verwendet. Bei Angabe der Kennungen wird dabei das Kreuz als „+“ mitgeschrieben.[16]

  Einsätze

  Kräftekategorisierung

Die Luftwaffe ist an allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr beteiligt. Die Hauptlast tragen die Lufttransportverbände und die Flugbereitschaft BMVg mit der Verlegung von Personal und Material der Bundeswehr und befreundeter Staaten und der Bereitstellung der Fähigkeit zur Evakuierung von Verwundeten. Auch die Objektschutztruppe ist in nahezu allen Einsatzgebieten vertreten.

Darüber hinaus wurden und werden Kräfte der Luftwaffe im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten eingesetzt:

  Luftverteidigung

Die Sicherstellung der Lufthoheit über Deutschland ist eine Dauereinsatzaufgabe der Luftwaffe. Die Einsatzführungsverbände überwachen in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Staaten und den zivilen Kontrollstellen den Luftraum. Unregelmäßigkeiten oder ungewöhnliches Verhalten eines Flugzeugs melden sie an ihren vorgesetzten Gefechtsstand, der dann entscheidet, wie weiter zu verfahren ist. Für eine nähere Überprüfung sind rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche im Norden (Wittmund) und im Süden (Neuburg an der Donau) jeweils zwei Jagdflugzeuge in hoher Alarmbereitschaft (QRA (I) – Quick Reaction Alert (Interceptor)).[17] Diese Jäger können auch bei Luftnotlagen zur Unterstützung eingesetzt werden.

Im Rahmen der Überwachung des NATO-Luftraums wurden deutsche Jagdverbände und Soldaten des Einsatzführungsdienstes 2005, 2008, 2009, 2011 und 2012 zur Durchführung des Air Policing über dem Baltikum (Estland, Lettland und Litauen) in Litauen stationiert.

  Lufttransport

Seit 1960 waren die Lufttransportverbände der Luftwaffe mit ihren Transportflugzeugen und Hubschraubern in jedem Jahrzehnt mehrfach im Rahmen von humanitärer Hilfe oder zur Katastrophenhilfe nahezu weltweit im Einsatz (zum Beispiel 1960 Marokko (Erdbeben), 1962 Iran, 1965 und 1969 Algerien, 1969 Tunesien (Hochwasser), 1973 Sahelzone, 1984 Äthiopien, 1988 Armenien, 1990 Russland, 1991 Irak (UNSCOM), 1992 Somalia (UNOSOM), 1992–1996 Bosnien-Herzegowina (UNPROFOR/IFOR/SFOR), 1994 Ruanda (UNAMIR), 1998 Sudan, 1999 Australien/Osttimor (INTERFET), 2000 Mosambik (Flutkatastrophe), 2003 Kongo (Operation Artemis).[18]

Auch zur Amtshilfe und zur direkten Unterstützung deutscher Staatsbürger werden Kräfte des Lufttransports zum Einsatz gebracht. Hier können neben dem Dauerauftrag SAR die Hubschrauber wertvolle Beiträge leisten (wie 1962 bei der Sturmflut in Norddeutschland, 1978/1979 dem Schneechaos in Norddeutschland, 1995/1997/2002/2006 bei der Hochwasserhilfe). Doch auch Flächenflugzeuge kommen zum Einsatz. Die C-160 Transall flogen als Löschflugzeuge 1975, 1976 und 1983 Einsätze gegen Waldbrände in Niedersachsen, die Flugbereitschaft BMVg unterstützte Evakuierungsoperationen (zum Beispiel 1998 in Eritrea) und holte unter anderem Opfer der Tsunami-Katastrophe 2004 in die Heimat.[19]

  Aufklärung

Im Rahmen von Amtshilfe unterstützte das Aufklärungsgeschwader 51 Behörden zum Beispiel bei der Suche nach vermissten Personen, Massengräbern aus dem Zweiten Weltkrieg oder als Unterstützung bei Katastrophen (wie 2002 nach der Flugzeugkollision von Überlingen und 1995 und 2006 bei den Hochwasserkatastrophen). In die Kritik geriet die Luftwaffe durch umstrittene Einsätze im Rahmen der Amtshilfe beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007.[20][21]

Tornado-Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe wurden von 1995 bis 2001 in Piacenza (Italien) stationiert, um 1995 zunächst UNPROFOR (1995), IFOR (1995/1996) und SFOR (1996–1999) und im Kosovo-Krieg die Operation Allied Force (1999) und KFOR (1999–2001) zu unterstützen. Am 9. März 2007 wurde vom Deutschen Bundestag die Entsendung von sechs Aufklärungs-Tornados im Rahmen der ISAF-Mission nach Mazar-e-Sharif in Afghanistan beschlossen. Der Einsatz wurde am 30. November 2010 mit der Landung der Maschinen auf dem Heimatflugplatz beendet.[22] Seit 2010 werden durch die Luftwaffe drei unbemannte Aufklärungssysteme vom Typ Heron 1 zur Unterstützung der Landstreitkräfte von Mazar-e-Sharif aus betrieben.

  Kampfeinsätze

1991 erfolgte während des Golfkriegs im Rahmen der NATO-Operation Ace Guard die Verlegung von achtzehn Alpha-Jet-Jagdbombern des Jagdbombergeschwaders 43 als Teil der Allied Command Europe Mobile Forces (AMF) nach Erhac (Türkei) zur Sicherung der NATO-Südflanke gegen mögliche Angriffe des Irak. Zusätzlich wurden HAWK-Systeme des Flugabwehrraketengeschwaders 36 und Roland-Systeme der Flugabwehrraketengruppe 42 nach Dyarbakir und Erhac zur Verstärkung der Luftverteidigung in dieses Gebiet verlegt. Dies führte zu heftigen Diskussionen über die Zulässigkeit derartiger Auslandseinsätze und schließlich zu einer Klärung durch das Bundesverfassungsgericht am 12. Juli 1994.[23]

ECR-Tornados des Jagdbombergeschwader 32 wurden mit der Unterdrückung der jugoslawischen Luftverteidigung in der Operation Deliberate Force 1995 zur Unterstützung von UNPROFOR und der Operation Allied Force 1999 während des Krieges gegen das ehemalige Jugoslawien beauftragt.

In Ausnahmefällen beteiligen sich sogenannte Austauschoffiziere der Luftwaffe an Einsätzen der Nationen, in denen sie verwendet werden. So wurde zum Beispiel ein deutscher Waffensystemoffizier einer Tornado-Staffel der Royal Air Force von Oktober 2009 bis Januar 2010 in Afghanistan eingesetzt.[24]

  Siehe auch

Liste von Luftfahrzeugen der Bundeswehr

  Literatur

  • Frank Nägler: Die Bundeswehr 1955 bis 2005. Rückblenden, Einsichten, Perspektiven. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-57958-1
  • Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt: Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, ISBN 3-486-57973-8
  • Heinz von Knobloch: Bundesluftwaffe intern. Aufbau – Wandel – Einsätze. (Militärhistorisches Standardwerk der Gesamtgeschichte der neuen Luftwaffe als eine der tragenden Säulen des NATO-Verteidigungsbündnisses bis einschl. Transformation im neuen Jahrtausend), Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02790-9
  • Wilhelm von Spreckelsen, Wolf-Jochen Vesper: Blazing Skies. Die Geschichte der Flugabwehrraketentruppe der Luftwaffe. Isensee, Oldenburg 2004, ISBN 3-89995-054-2

  Weblinks

 Commons: Luftwaffe (Bundeswehr) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

  Einzelnachweise

  1. Website Bundeswehr, Stand 8. August 2012, abgerufen 10. August 2012
  2. W. Wolf: Die neue Reserve der Bundeswehr. In: InfodienstReserve, 1/2007, PDF (Link nicht mehr abrufbar)
  3. Personalveränderungen in militärischen Spitzenstellen. BMVg, 6. März 2012, abgerufen am 6. März 2012.
  4. Tagesprotokoll des Inspekteurs der Luftwaffe vom 29. März 1966: 170 F-84 F, 32 RF-84 F, 45 F-86 F, 14 F-86 K und 21 Fouga Magister, nach „Die Luftwaffe 1950 bis 1970“, München 2006, S. 614.
  5. Gunnar Digutsch: Die NVA und die Armee der Einheit. In: Frank Nägler: Die Bundeswehr 1955 bis 2005. Rückblenden, Einsichten, Perspektiven. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-57958-1, S. 470
  6. Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr
  7. Beschreibung des taktischen Ausbildungskommandos in Italien auf der offiziellen Luftwaffenhomepage
  8. Dienstgradabzeichen der Luftwaffe
  9. Thomas Wiegold: Die Grobstruktur steht. Augen geradeaus!, 21. September 2011, abgerufen am 21. September 2011.
  10. Homepage der Luftwaffe: „Letzte Global 5000 an Flugbereitschaft ausgeliefert“ vom 9. Januar 2012; eingesehen am 10. Januar 2012
  11. Waffensysteme auf der offiziellen Luftwaffenhomepage
  12. Flugrevue: „Bundeswehr mietet Heron-Aufklärungsdrohnen“ vom 28. Oktober 2009; eingesehen am 13. Dezember 2009
  13. Pressemitteilung auf der Website des Bundesministeriums der Verteidigung: Minister de Maizière billigt Umrüstung, 21. Oktober 2011, eingesehen am 1. April 2012.
  14. Geschichte der Luftwaffe
  15. Flugzeugkennungen vor 1968 auf Luftwaffe.de
  16. Beispiele für die verwendeten Luftfahrzeugkennungen der Bundeswehr
  17. Beschreibung der Alarmierungsabläufe der QRA (I)
  18. Einsätze der Luftwaffe auf der Homepage der Luftwaffe; eingesehen am 20. März 2010
  19. Zusammenfassung des Einsatz auf Luftwaffe.de, abgerufen 16. Juni 2011|http://www.luftwaffe.de/portal/a/luftwaffe/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLNzKINzax9AZJgjnuXs76kQjhoJRUfW99X4_83FT9AP2C3IhyR0dFRQBvrpE7/delta/base64xml/L3dJdyEvd0ZNQUFzQUMvNElVRS82XzIwXzM0OUs!
  20. BVerfG
  21. Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/666
  22. Pressemitteilung „Einsatz beendet“ vom 30. November 2010 auf der Webseite der Luftwaffe; eingesehen am 24. Februar 2012
  23. BVerfG: Urteil zu out-of-area Einsätzen. In: Deutschsprachiges Fallrecht (DFR). Axel Tschentscher, 12. Juli 1994, abgerufen am 28. September 2008.
  24. Michael Smith: "Von Biggles goes bombing with the RAF ". The Sunday Times (Vereinigtes Königreich), 4. April 2010, abgerufen am 17. April 2010.
   
         
   

 

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