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Die katholische Kirche Mater Dolorosa in Aue ist ein zwischen 1913 und 1915 errichteter neugotischer Gebäudekomplex aus Gottes- und Pfarrhaus im sächsischen Erzgebirgskreis.
Inhaltsverzeichnis |
Die Industrialisierung im Erzgebirge führte im 19. Jahrhundert zur Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem katholischen Böhmen, Schlesien und Italien. Für diese Menschen wurde vom Pfarramt Zwickau am 1. Juli 1907 die Expositur Aue eingerichtet und Kaplan Johann Wenke als Expositus bestellt. Der Einzugsbereich dieses katholischen Seelsorgebezirks mit rund 4050 Gemeindemitgliedern erstreckte sich auf die Orte Aue, Eibenstock, Hartenstein, Johanngeorgenstadt, Zwickau und Zwönitz. Seit der Reformation war in der evangelisch-lutherischen Gegend kein katholisches Gotteshaus vorhanden, weswegen für Gottesdienste zunächst eine angemietete Turnhalle am Auer „Schützenhaus“ auf dem Heidelsberg und eine kleine Hauskapelle in der Wohnung des Priesters (zuerst Goethestraße, später Bahnhofstraße) genutzt wurden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts plante die Gemeinde den Bau einer eigenen Kirche, wofür vom Kaplan Spendengelder gesammelt wurden. Er sprach dazu Fabrikanten im Ort an und versendete Bettelbriefe. Die Spender erhielten ein Erinnerungsblatt mit der Abbildung des geplanten Kirchenensembles und dem Text
„Katholische Kirche in Aue (Erzgebirge) (im Bau) ;
Für die gütige Spende dankt mit einem warmen „vergelt’s Gott“ Expositus Joh. Wenke. “
Als Bauplatz stellte der Auer Textilfabrikant Alwin Bauer ein 3.150 m² großes Gelände an der Schneeberger Straße zur Verfügung, das er der Gemeinde 1910 überschrieb. Für die Baukosten spendete die Witwe Veronika Fischer 1912 60.000 Reichsmark, die auch Mäzenin beim Bau der Dresdner Herz-Jesu-Kirche war. Zur Bauvorbereitung musste das abschüssige Gelände begradigt und verfestigt werden, womit am 20. Oktober 1913 begonnen wurde. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 14. April 1914. Trotz des Abzugs zahlreicher Bauarbeiter zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und knapper Baumaterialien wurde das Gebäudeensemble aus Kirche und Pfarrhaus 1915 fertiggestellt. Bischof Dr. Löbmann nahm am 26. September 1915 die Weihe auf den Namen Mater Dolorosa vor. 1923 erhielten die Gebäude elektrisches Licht.
Der Gebäudekomplex aus gelben Ziegelsteinen ohne Verputz und mit Schieferdeckung besteht aus einem dreigeteilten Grundriss. Das zur Straße gerichtete Kirchengewölbe mit drei symmetrisch angeordneten Querschiffen als Hauptgebäude steht in südost-nordwestlicher Richtung (Apsis auf der Nordwestseite). Über dem Haupteingang befinden sich Skulpturen der Heiligen Barbara, Hedwig und Nikolaus, die 1999, durch private Spenden finanziert, angefertigt wurden. Der von der Straße abgewandte circa 20 Meter hohe Kirchturm bildet den zweiten Teil des Ensembles. Er erhielt 1928 bronzene Glocken, die in den 1940er Jahren zu Kriegszwecken eingeschmolzen und 1956 durch drei neue Glocken ersetzt wurden (Stimmung gis, ais, cis), und 1978 einen eckigen, verkupferten Spitzhelm. Auf der Hangseite befinden sich Sakristei und Pfarrhaus als dritter Teil der Gebäudegruppe. Ihr Giebel bildet, übereck gestellt mit dem Kircheneingang, einen kleinen ruhigen Kirchvorplatz.
Seit der Kirchweihe wurde der Innenraum mehrfach umgestaltet, 1973 nach Empfehlungen der Katholischen Kirche vereinfacht. 1987 und 2004 gestaltete die Firma „horst architekten“ den Altarraum neu und installierte eine neue Innenbeleuchtung.[1] Zur ersten Ausstattung der Kirche gehörte ein Hochaltar in der fünfeckigen Chorapsis, der bei der Sanierung des Gebäudes 1973 abgebaut wurde. An seiner Stelle befindet sich heute ein in das Hauptschiff ragender, künstlerisch gestalteter Altar. Er trägt die Bezeichnung „Arche - die Altarinsel“ und besteht aus einer Kombination von hellem Naturholz mit einer Schieferplatte.[2] Der neue Altar wurde am 1. Mai 2005 geweiht.[3] Im Altarraum sind zwei kleine, hoch liegende bunte Kirchenfenster eingebaut.
1927 erhielt die Kirche eine erste Orgel der Firma Jehmlich, die aus einer anderen Kirche hierher versetzt wurde. 1952 wurde eine neue Orgel desselben Herstellers eingebaut, die 2004 überholt wurde. In der Sakristei befinden sich ein Tabernakel und ein siebenarmiger Stand-Kerzenleuchter.[4]
Im Pfarrsaal befindet sich ein 1988 angefertigter künstlerischer Bilderzyklus mit Darstellung des Kreuzweges.
Durch den Ersten Weltkrieg verlor die Kirchengemeinde zahlreiche Mitglieder. Viele Familien verarmten. Für den Pfarrer bedeutete das mehr Dienst an den Trost suchenden Menschen. Ab 1922/23 unterstützte ein neu gegründeter Kirchenvorstand seine Arbeit. Er erhob Aue zu einer eigenen Pfarrei bei Abtrennung des Bereiches Schwarzenberg mit Johanngeorgenstadt. 1932 erhielt die Gemeinde eine Seelsorgehelferin (von 1941 bis 1945 eine Ordensschwester) und 1939 wurde der Bereich Eibenstock ausgegliedert.
Unter der NS-Herrschaft wurden die katholischen Gemeindeverbände aufgelöst. Zwischen 1943 und 1945 vergrößerte sich die Gemeinde Zuwachs durch die vorübergehende Unterbringung von Rheinländern, die aus zerbombten Städten im Westen Deutschlands evakuiert worden waren. Außerdem besuchten zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter die Gottesdienste in der Kirche. Die Pfarrgemeinde erfuhr einen großen Zulauf durch Tausende Heimatvertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten und die aus ganz Deutschland angeworbenen Arbeiter für den Uranerzbergbau ab 1946.
Zwischen 1955 und 1970 gab es mehrfach verwaltungsmäßige Änderungen wie die Abtrennung der Seelsorgebereiche Schneeberg/ Schlema/Lindenau bzw. Zwönitz/Lößnitz/Affalter und die Errichtung des Dekanats Aue mit den Pfarreien Aue, Schneeberg, Schwarzenberg, Zwönitz, Stollberg, Oelsnitz sowie den Vikarien Eibenstock und Johanngeorgenstadt. 1970 wurde ein erster ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen St.-Nicolaikirche abgehalten, der seitdem zweimal jährlich stattfindet.[5] Besonders erwähnenswert ist das Engagement der katholischen Kirche. Bei den Massenprotesten im Herbst 1989 fanden in der Kirche „Friedensgottesdienste“ statt.
Die zuletzt 2005 umstrukturierte Pfarrgemeinde Aue mit etwa 1.500 Katholiken in ihrem Einzugsbereich (Stand 2006) besteht aus der Kirche in Aue, aus den Filialkirchen „St. Pius X.“ in Schneeberg, der Kapelle „St. Joseph“ in Eibenstock, der Kapelle „Kostbares Blut“ in Schönheide sowie der katholischen Kirche „St. Johannis“ in Lößnitz und gehört verwaltungstechnisch zum Dekanat Zwickau.[6]
50.59166666666712.690833333333Koordinaten: 50° 35′ 30″ N, 12° 41′ 27″ O