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Wikipedia

Schloss Lichtenstein (Württemberg)

                   
  Schloss Lichtenstein

Schloss Lichtenstein, auch als „Märchenschloss Württembergs“ bezeichnet, ist ein im Stil des Historismus erbautes Schloss des 19. Jahrhunderts über dem Ort Honau, Gemeinde Lichtenstein, im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

  Geographische Lage

  Lage am Albtrauf

Das Schloss liegt am Albtrauf der Schwäbischen Alb auf einer Höhe von 817 m ü. NN über dem Tal der Echaz, die als kleiner Nebenfluss des Neckars etwa 250 Meter tiefer im Tal entspringt. Rund 500 Meter südöstlich des Schlosses befinden sich Reste der Ruine der mittelalterlichen Burg Alt-Lichtenstein (Alter Lichtenstein).

  Geschichte

  Das auf der Burgruine erbaute Forsthaus Lichtenstein im frühen 19. Jahrhundert
  Das Forsthaus bei seinem Abriss 1839
  Wilhelm-Hauff-Denkmal beim Schloss Lichtenstein

An der Stelle des heutigen Schlosses wurde um 1390 die Burg Lichtenstein errichtet, nachdem die in der Nachbarschaft liegende Vorgängerburg Alt-Lichtenstein 1381 im Schwäbischen Städtekrieg zerstört und danach aufgegeben worden war. Die neue Burg Lichtenstein galt als eine der wehrhaftesten des Spätmittelalters. Ihre strategische Bedeutung schwand allerdings mit der Zeit und 1567 verlor sie ihren Status als Herzogssitz. Sie wurde nun als Forsthaus genutzt. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Gebäude als Teil der Pfandschaft Achalm von der Tiroler Linie des Hauses Habsburg in Besitz genommen. In der Folgezeit verfiel die Anlage allmählich.

Der letzte Lichtensteiner fiel 1687 im Kampf gegen die Türken. Da keine weiteren Nachfolger bekannt sind, gelten sie seither als ausgestorben.[1] Noch heute ist im Rittersaal des neuen Schlosses Lichtenstein an der Wand das ursprüngliche Wappen der Lichtensteiner dargestellt, der goldene Engelsflügel auf blauem Grund. Ob die Linie der Kieferlis (Albert Kieferli, Herr zu Lichtenstein, Prior Kloster Mariaberg), die heute noch Nachfahren haben, als Erben in Kraft traten, ist nicht gesichert.

1802 wurden Teile der Burgruine abgetragen und auf Geheiß von Herzog Friedrich II., dem späteren König Friedrich I. von Württemberg, ein fürstliches Forst- und Jagdhaus errichtet.

Im 19. Jahrhundert entstand im Zuge der Romantik ein großes Interesse am mittelalterlichen Rittertum. Wilhelm Hauff veröffentlichte 1826 seinen Roman Lichtenstein, der auf die spätmittelalterliche Burg Lichtenstein Bezug nimmt. Das zu dieser Zeit dort befindliche Forsthaus wurde 1837 von Wilhelm Graf von Württemberg (späterer Herzog von Urach) nach Verhandlungen mit dem Uracher Oberförster Philipp Freiherr von Hügel und dessen Nachfolger Friedrich Graf von Mandelsloh erworben.[2] Der Graf, ein leidenschaftlicher Sammler von Waffen, Rüstungen und Gemälden, benötigte einen Aufbewahrungsort für seine Kunstgegenstände und wünschte sich dafür – offensichtlich begeistert durch Wilhelm Hauffs Roman – eine möglichst authentische Ritterburg. Nach dem Abbruch des Forst- und Jagdhauses wurde das Schloss zwischen 1840 und 1842 nach den Plänen Carl Alexander Heideloffs gebaut. Der Schlossneubau entsprach den im 19. Jahrhundert gängigen, romantisierenden Vorstellungen über mittelalterliche Ritterburgen und kann dem Architekturstil der Neugotik zugeordnet werden. In den Folgejahren wurden noch weitere Nebengebäude errichtet. Außerdem ließ der 1867 zum Herzog von Urach ernannte Graf Wilhelm, der passionierter Militär war, das Areal um die Burg mit einer Befestigungsanlage nach eigenen Entwürfen umgeben.

Zwei im Schloss aufbewahrte Gemälde eines noch unbekannten gotischen Malers verhalfen ihm zu seinem Notnamen Meister von Schloss Lichtenstein.

  Aktuelle Situation

1997-1999 wurden der zweite und der dritte Stock des Schlosses restauriert, gefördert durch die Wüstenrot Stiftung und die Fördergemeinschaft zur Erhaltung des Schlosses Lichtenstein e.V.

Heute kann das Schloss gegen Eintritt im Rahmen einer Führung besichtigt werden (ohne Führung ist der Zutritt in die Innenräume des Schlosses für Touristen nicht möglich). Alternativ besteht die Möglichkeit, nur den Schlosshof zu besichtigen, um sich beispielsweise einen Eindruck verschiedener baulich prägnanter Besonderheiten wie einem Kanonenturm u. a. zu verschaffen. Als sehenswert gelten dabei vor allem Sammelstücke wie z. B. verschiedene historische Artilleriegeschütze (Kanonen), die dort ausgestellt sind.

  Schlossherren

Die Herren auf Schloss Lichtenstein sind die Nachfahren des Erbauers, die Herzöge von Urach (eine Nebenlinie des Hauses Württemberg):

  Sonstiges

  Drehort

Schloss Lichtenstein war 2009 ein Drehort des Märchenfilms Dornröschen. In der Verfilmung des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm stellte Lichtenstein das verzauberte, von einer Dornenhecke überwucherte Schloss dar.[3]

  Briefmarken

  Briefmarke Schloss Lichtenstein

Das Schloss Lichtenstein wurde als Motiv für verschiedene Briefmarkenserien gewählt. Während der französischen Besatzung Südwestdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg wurde August 1947 eine Briefmarken-Ausgabe der französischen Zone Württemberg-Hohenzollern zu 84 Reichspfennig herausgebracht.

Am 16. Juni 1982 erschien eine 0,35-DM-Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin mit dem Motiv Schloss Lichtenstein. Bei der Deutschen Bundespost wie auch bei der Deutschen Bundespost Berlin wurden jeweils 21 Werte in der Briefmarkenserie Burgen und Schlösser ausgegeben.

  Nachbauten

In Lietzow auf Rügen befindet sich ein 1868 erbautes Schlösschen, das in weiten Teilen eine Kopie des Schlosses Lichtenstein darstellt.

In Osthofen bei Worms (Rheinhessen) befindet sich ein 1891 erbautes Weinbergshaus in Gestalt einer Miniaturburg, das dem Schloss Lichtenstein ähnelt. Das Gebäude steht über der Weinlage „Leckzapfen“, oberhalb der Altstadt von Osthofen. Das Gelände ist frei zugänglich und wird durch das Weingut Schönauer Hof bewirtschaftet.

Im südafrikanischen Hout Bay nahe Kapstadt baute der deutschstämmige Geschäftsmann Reynier Fritz zwischen 1986 und 1998 eine Nachbildung von Schloss Lichtenstein, die heute als eine der Sehenswürdigkeiten des Ortes gilt. Die Schlossreplik beherbergt ein Gästehaus und kann für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden.

  Literatur

  • Christoph Bizer: Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb – Ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung. Herausgegeben vom Regierungspräsidium Stuttgart – Landesamt für Denkmalpflege, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2038-7, S. 108-111.
  • Ulrich Feldhahn: Schlösserreise Baden-Württemberg - ein Führer zu Burgen und Schlössern in Privatbesitz, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, ISBN 3-935590-63-6.
  • Rolf Bidlingmaier: Schloß Lichtenstein. Die Baugeschichte eines romantischen Symbols. In: Reutlinger Geschichtsblätter N.F. 33/1994, S. 113-152.
  • Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Band 4 – Alb Mitte-Nord: Wandern und entdecken zwischen Aichelberg und Reutlingen. Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach an der Riß 1991, ISBN 3-924489-58-0, S. 315-332.
  • Christoph Bizer, Rolf Götz: Vergessene Burgen der Schwäbischen Alb. DRW-Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-87181-244-7, S. 47-51.
  • Wilhelm Hauff: Lichtenstein. 1826.
  • Albert Minzenmay: Schloß Lichtenstein. Verlag D. Grimmer, Hohenstein.

  Einzelnachweise

  1. Vgl. Zeitschrift des westpreussischen Geschichtsvereins. hrsg. von Westpreussischer Geschichtsverein. Jg. 1908. S. 179
  2. Verhandlungen über den Ankauf des Forsthauses auf dem Lichtenstein mit den zugehörigen Grundstücken, erste Planungen zum Bau eines Schlosses auf dem Lichtenstein, Landesarchiv Baden-Württemberg, Bestand GU 20: Schloss Lichtenstein: Bau, Nutzung und Verwaltung, 1. Vorgeschichte des Schlossbaus: Kaufverhandlungen.
  3. Acht auf einen Streich: Märchendrehorte der ARD

  Weblinks

 Commons: Schloss Lichtenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Schloss Lichtenstein – Quellen und Volltexte


48.4066666666679.2580555555556Koordinaten: 48° 24′ 24″ N, 9° 15′ 29″ O

   
               

 

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