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definitions - Wortbildung

Bildung (n.f.)

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Bildung

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schaffen; kreieren; ins Leben rufen[Classe]

légiférer (fr)[Classe]

errichten; konstruieren; aufbauen; anbauen; erbauen; schreinern; zurechtzimmern; tischlern[ClasseParExt.]

(Ausführung; Durchführung; Exekution; Implementation; Strafvollziehung; Vollstreckung; Vollziehung; Strafvollzug; Vollzug; Erfüllung), (Aktivität; Beschäftigung; Remmidemmi; Betriebsamkeit; Tätigkeit; Betrieb; Treiben; Betätigung; Auftreten; Benehmen; Betragen; Verhaltensweise; Verhaltungsweise; Verhalten; Tun und Treiben; Tun und Lassen; Aktivitäten), (Akt; Handlung; Tat; Aktivität; Tätigkeit)[Thème]

(Neuheit)[Caract.]

(Promotion)[termes liés]

(Zusammenschluß; Vereinigung; Zusammenlegung; Verknüpfung), (Verein; Vereinigung), (Angehöriger; Angehörige; Vereinsmitglied; Mitglied)[termes liés]

(Reichsteil; Hoheitsbereich; Hoheitsgebiet; Staatsgebiet), (Kolonisierung; Ansiedlung; Kolonisation; Besiedlung)[termes liés]

(Zeitung; Tageszeitung; Käseblatt; Boulevardblatt; Revolverblatt), (Revue)[termes liés]

factotum (en)[Domaine]

Process (en)[Domaine]

Creation (en)[Domaine]

IntentionalProcess (en)[Domaine]

starts (en)[Domaine]

administration (en)[Domaine]

Declaring (en)[Domaine]

Founding (en)[Domaine]

origin (en)[Domaine]

quality (en)[Domaine]

SubjectiveAssessmentAttribute (en)[Domaine]

Veränderung - bringen zu, ergeben, erzeugen, machen, schaffen, tun, zusammennähen - auslösen, hervorrufen, veranlassen, verursachen, zufügen - den Weg bahnen - transfer (en) - eröffnen - werden[Hyper.]

an die Arbeit gehen, anfangen, beginnen, Gewohnheit annehmen, starten, widmen - anfangen, aufnehmen, beginnen - start (en) - anbahnen, aufbringen, ins Leben rufen - anschicken, anspringen, beginnen, gründen, in Angriff nehmen, in Gang bringen, starten - start, take up (en) - anfangen - anfangen, anlaufen - anfangen - Auslöser, Einweihung - Beginn - Bildung - Ursprung - Anfang, der Start, der Beginn - Ankömmling, Neuankömmling - Erfinder, führender Kopf, Gründer, Urheber - Anfang, Beginn, Geburtsstunde - kreativ, schöpferisch - unberührt, unverheiratet - Anreger, Anregerin, Initiator, Initiatorin - erneuernd, Neuerer, Pionier, Pionierin - Erfindung, Innovation - groundbreaking, innovational, innovative (en) - Aufrichtung, Errichtung, Gründung, n, n; Verfassung, Stiftung, Verfassen - Gründer - creation, foundation, founding, initiation, innovation, instauration, institution, introduction, origination (en) - Erschaffung, Gebilde, Generierung, Kreation, Schaffung, Schöpfung - Erfindung, Erzeugung, Kreation, Schöpfung, Werk - Schöpfung - schöpferisch - Bindung, die Bindung, die Verpflichtung, Verpflichtung - Anstalt, Irrenanstalt, Irrenhaus, Klapsmühle, Nervenanstalt, Nervenheilanstalt, psychiatrische Anstalt, Psychiatrische Klinik - Stiftung - Erscheinen - aufkeimend, keim-[Dérivé]

develop (en)[Domaine]

originell[Similaire]

Vollendung - abschaffen, annulieren, annullieren, aufheben, für nichtig erklären, zunichte machen[Ant.]

Bildung (n.)











Wikipedia

Bildung

                   
  Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Bildungsreformer

Bildung (von ahd. bildunga für ‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt‘) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen Fähigkeiten.

Der Begriff bezieht sich sowohl auf den Prozess („sich bilden“) als auch auf den Zustand („gebildet sein“). Dabei entspricht die zweite Bedeutung einem bestimmten Bildungsideal (zum Beispiel dem humboldtschen Bildungsideal), das im Laufe des Bildungsprozesses angestrebt wird. Ein Zeichen der Bildung, das nahezu allen Bildungstheorien gemein ist, lässt sich umschreiben als das reflektierte Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Welt.

Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert. Es kann aber keinen perfekten Menschen geben; individuelle Anlagen sowie zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen setzen der Verwirklichung eines wie auch immer definierten Bildungs-Ideals Grenzen.

Inhaltsverzeichnis

  Begriffsbildung

Bildung ist ein sprachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff mit einer sehr komplexen Bedeutung. Eine präzise, oder besser noch einheitliche Definition des Bildungsbegriffs zu finden, erweist sich daher als äußerst schwierig. Je nach Ausrichtung und Interessenlage variieren die Ansichten darüber, was unter „Bildung“ verstanden werden sollte, erheblich.

„Bildung verweist auf Bild und damit zurück auf die bis in unser Jahrhundert aufgegriffene Genesispassage (1. Buch Mose, 26 f.), nach der Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat. Gleichzeitig ist es diesem Geschöpf verboten, sich ein Bild Gottes zu machen.“

Käte Meyer-Drawe: 1999, S. 161.

Der Begriff Bildung wurde von dem mittelalterlichen Theologen und Philosophen Meister Eckhart in die Deutsche Sprache eingeführt.[1] Er bedeutete für ihn das „Erlernen von Gelassenheit“ und wurde als „Gottessache“ angesehen, „damit der Mensch Gott ähnlich werde“.

Wolfgang Klafki bezeichnet Bildung als „Erschlossensein einer dinglichen und geistigen Wirklichkeit für einen Menschen – das ist der objektive oder materiale Aspekt; aber das heißt zugleich: Erschlossensein dieses Menschen für diese seine Wirklichkeit – das ist der subjektive und der formale Aspekt zugleich im ‚funktionalen‘ wie im ‚methodischen‘ Sinne“.[2]

Nach Bernward Hoffmann wird Bildung als die Entfaltung und Entwicklung der geistig-seelischen Werte und Anlagen eines Menschen durch Formung und Erziehung verstanden. Der Begriff ist abgeleitet vom „Bild“, einer Sache Gestalt und Wesen zu geben. Das Wort Bildung ist heruntergekommen zur Bezeichnung bloßen Formalwissens. Bildung ist dann nicht weit von Einbildung entfernt oder bezeichnet nur das, was gesellschaftliches Nützlichkeitsdenken der Herrschenden gerade für wichtig erachtet.[3]

Nach Daniel Goeudevert ist Bildung „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, in dessen glücklichem Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“. Bildung könne daher nicht auf Wissen reduziert werden: Wissen sei nicht das Ziel der Bildung, aber sehr wohl ein Hilfsmittel. Darüber hinaus setze Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber dem Informationsangebot voraus. Dem gegenüber stehe die Halbbildung, oder, wenn es um Anpassung im Gegensatz zur reflexiven Distanz gehe, auch die Assimilation (Soziologie).

Eine alternative Definition findet sich bei Kössler:

„Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann stattdessen auch sagen, Bildung bewirke Identität[.]“

Henning Kössler: Bildung und Identität. In: Henning Kössler (Hrsg.): Identität. Fünf Vorträge. Erlangen 1989, S. 51–65, hier S. 56.

Um dem Theorie-Dilemma zu entgehen, einseitig die subjektive oder objektive Seite der Bildung zu erhöhen, kennzeichnet sie Tobias Prüwer als einen offenen Prozess, der sich insbesondere als ein sprachlich vermitteltes Situieren im Verhältnis von Ich, Welt und sozialer Mitwelt vollzieht. Er schlägt eine „postmoderne“ Variante vor: „Skepsis und Kritik stellen wesentliche Merkmale der Bildung dar: Differenzieren und Unterscheiden legen die Grundlage für selbstständiges Ermessen und eine souveräne Urteilskraft, schärfen und relativieren das individuelle Weltbild. Bildung zielt auch auf das Offene und Mögliche, das innerhalb der Sachzwanglogik aus den Augen gerät. In der im Bildungsbegriff verankerten Anerkennung der verschiedenen und gleichrangigen Lebensformen liegt zudem ein radikal-demokratisches Element.“ Tobias Prüwer:[4]

Während in unserem Alltagsdenken und -handeln der Bildungsbegriff stark mit Begriffen wie „Belehrung“ und „Wissensvermittlung“ verbunden ist, wurde er seit Wilhelm von Humboldt in der Theorie und der Programmatik erweitert. Nach Hartmut von Hentig komme „dem Wort Bildung seither das Moment der Selbständigkeit, also des Sich-Bildens der Persönlichkeit“ zu.[5] Humboldt selbst führte dazu aus:

„Es gibt schlechterdings gewisse Kenntnisse, die allgemein sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist offenbar nur dann guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierfür erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher so leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum anderen überzugehen.“[6]

Das Wort Bildung selbst ist ein typisch deutsches Wort, es steht in spezifischer Beziehung zu „Erziehung“. Diese in der deutschen Sprache unterschiedlich belegten Begriffe sind im Englischen als „education“ zusammengefasst.

Der Begriff ist ferner abzugrenzen von Begriffen, mit denen er umgangssprachlich oft synonym verwendet wird: den Begriffen Wissen, Intellektualität und Kultiviertheit. Der Begriff Bildung schließt allerdings (je nach Interpretation des Bildungsbegriffs in unterschiedlichem Maße) Facetten aller drei Begriffe mit ein. Außerdem besteht eine gewisse Nähe zum Begriff Reife.

  Die historische Entwicklung des Bildungsbegriffs

Der Begriff der Bildung erfuhr während seiner Entwicklung mehrmals einen Bedeutungswandel.

  Die Anfänge

Obwohl die Antike den Begriff Bildung noch nicht so verwendete, wie wir ihn kennen, waren die Ideen, die diesen Begriff prägen sollten, doch schon präsent. Im Griechischen ist der Begriff der Paideia dem Bildungsbegriff sehr verwandt.

  Erasmus von Rotterdam

Der deutsche Begriff entstand im Mittelalter, wahrscheinlich als Begriffsschöpfung Meister Eckharts im Rahmen der Imago-Dei-Lehre. Der Begriff ist also theologischen Ursprungs. Bilden wird verstanden als gebildet werden durch Gott, nach dem Abbild Gottes. Die menschliche Seele wird gebildet im Sinne von „nachgebildet“. Bildung ist also ein Prozess, auf den der Einzelne keinen Einfluss hat. Es ist nicht die Aufgabe des Menschen, sich zu bilden. Der Prozess wird von außen an den Menschen herangetragen. In diesem Sinne trifft der Begriff vom Homo insipiens (lat.), dem ungebildeten (dummen) Mensch, zu, der erst durch Bildung und Erziehung zu einem wirklichen Homo sapiens – dem „weisen, klugen Mensch“ – werden kann.

Einen „Bildungsschub“ gab es in Europa in der Renaissance, in der die Neugier der Menschen erwachte und mit Hilfe der von Johannes Gutenberg entwickelten Buchdruckkunst erstmalig Bildungsbücher eine weitere Verbreitung finden konnten. Einer der schreibfreudigsten „Bildner“ war zu dieser Zeit der Humanist Erasmus von Rotterdam, der über 100 Bildungsbücher schrieb und bereits früh erkannte: Der Mensch wird nicht geboren, sondern erzogen! Mit seinen Büchern wollte er seinen Zeitgenossen und der Nachwelt Bildung vermitteln und machte deutlich:

Nichts ist naturgemäßer als Tugend und Bildung –
ohne sie hört der Mensch auf, Mensch zu sein.

  Der Einzug des Begriffs „Bildung“ in die Pädagogik

Angesichts der Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges erhofft sich Comenius eine friedliche Ordnung der Welt daraus, dass Menschen von Kindheit an zu menschlichem Verhalten angeleitet werden. So hält der Begriff Bildung Einzug in die Pädagogik. Das damals verwendete lateinische Wort eruditus („gebildet“, „aufgeklärt“) bedeutet etymologisch <ent-roht>. Solchen Ausgang des Menschen aus seiner ursprünglichen Rohheit erwartet Comenius (288 Jahre vor Ludwig Wittgenstein) von Sorgfalt beim Denken und Sprechen:

„Nosse rerum differentias et posse unumquodque suo insignare nomine.“
„Den Unterschied der Dinge kennen und jedes mit seinem Namen bezeichnen können.“
(Ianua linguarum reserata – Eröffnete SprachenThür 1631).
  Immanuel Kant

Das im 18. Jahrhundert entstehende neue Menschenbild eines aufgeklärten, in wissenschaftlichen Kategorien denkenden und handelnden Menschen formt auch den Begriff der Bildung um. Durch die Auseinandersetzung deutscher Autoren mit Shaftesbury wird der Begriff säkularisiert. Die theologische Bedeutung weicht einer Bedeutung, die sich der platonischen nähert. Der Mensch soll sich nun nicht mehr zum Abbild Gottes entwickeln, sondern das Ziel ist die menschliche Vervollkommnung. Diese Idee findet sich unter anderem bei Pestalozzi (Abendstunde eines Einsiedlers), Herder (Ideen), Schiller und Goethe (Wilhelm Meister). Immanuel Kant präzisiert in seiner Schrift Über Pädagogik die Aufgabe von Bildung, wenn er schreibt:

„Die Pädagogik oder Erziehungslehre ist entweder physisch oder praktisch. [...] Die praktische oder moralische ist diejenige, durch die der Mensch soll gebildet werden, damit er wie ein frei handelndes Wesen leben könne. [...] Sie ist Erziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens, das sich selbst erhalten, und in der Gesellschaft ein Glied ausmachen, für sich selbst aber einen innern Wert haben kann.“

Waren die Bildungsziele vor der Aufklärungsepoche noch durch Gott gegeben, so sind sie nun bestimmt durch die Notwendigkeit des Menschen, in einer Gesellschaft zu leben. Es geht darum, die „Rohmasse“ Mensch so zu formen, dass er ein nützliches Mitglied der Gesellschaft werden könne. In diesem Formungsprozess werden vorhandene Anlagen entwickelt. Doch immer noch werden die Bildungsziele nicht durch das Individuum festgelegt, sondern sind Idealvorstellungen, die unabhängig vom Einzelnen ewige Geltung beanspruchen (vgl. Ideenlehre) und von außen an das Individuum herangetragen werden.

  Die Wende zur Subjektivität

Der deutsche Idealismus wendet den Bildungsbegriff zum Subjektiven. Bildung wird verstanden als Bildung des Geistes, der sich selber schafft. Dieser bei Johann Gottlieb Fichte (1726–1814) beschriebene Prozess lässt sich in der Formel fassen: „Das Ich als Werk meiner Selbst“. Außerdem ist es Fichte, der seinen Bildungsbegriff das erste Mal auf objektives Faktenwissen begründet. Ziel ist – wie bereits in der Aufklärung − die Genese einer vollkommenen Persönlichkeit. Vollkommen ist eine Person, wenn eine Harmonie zwischen „Herz, Geist und Hand“ besteht.

  Die programmatische Wende

Wilhelm von Humboldt schließlich erhebt Bildung zum Programm. Das Bedürfnis, sich zu bilden, sei im Inneren des Menschen angelegt und müsse nur geweckt werden. Jedem soll Bildung zugänglich gemacht werden. Humboldt erschafft ein mehrgliedriges Schulsystem, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten und nach den Anforderungen, die die Gesellschaft an ihn stellt, gefördert wird. Allerdings geht es beim humboldtschen Bildungsideal nicht um empirisches Wissen, sondern immer noch um die Ausbildung/Vervollkommnung der Persönlichkeit und das Erlangen von Individualität. Dieses „Sich-Bilden“ wird nicht betrieben, um ein materielles Ziel zu erreichen, sondern um der eigenen Vervollkommnung willen.

Bürgerliches Statussymbol und messbares Gut, das am praktischen Leben orientiert sein muss, wird Bildung erst mit der Bürokratisierung, in Form von Gymnasiallehrplänen. Bildung genügt sich nicht mehr allein, sondern soll Nutzen und möglichst auch Gewinn bringen. Damit wird Bildung zum Statussymbol der Gesellschaft und zum sozialen Abgrenzungskriterium. Friedrich Paulsen schreibt 1903:

„Wenn ich mein Sprachgefühl ganz gewissenhaft erforsche, so finde ich dieses: gebildet ist, wer nicht mit der Hand arbeitet, sich richtig anzuziehen und zu benehmen weiß, und von allen Dingen, von denen in der Gesellschaft die Rede ist, mitreden kann. Ein Zeichen von Bildung ist auch der Gebrauch von Fremdwörtern, das heißt der richtige: wer in der Bedeutung oder der Aussprache fehlgreift, der erweckt gegen seine Bildung ein ungünstiges Vorurteil. Dagegen ist die Bildung so gut wie bewiesen, wenn er fremde Sprachen kann [...]. Damit kommen wir dann auf das letzte und entscheidende Merkmal: gebildet ist, wer eine 'höhere' Schule durchgemacht hat, mindestens bis Untersekunda [10. Klasse. Anmerkung des Verfassers], natürlich mit 'Erfolg'.“ (Paulsen, 1903)

Zur Bewertung von Bildung schreibt er weiter:

„Und um über den Erfolg, also über den Besitz der Bildung keinen Zweifel bestehen zu lassen, besteht in Deutschland jetzt allgemein die Einrichtung, daß der Schüler beim Abschluss der Untersekunda geprüft und ihm über die Bildung eine Bescheinigung ausgestellt wird.[...] Damit hätten wir denn auch einen von Staats wegen festgesetzten Maßstab der Bildung: es gehört dazu, was in den sechs ersten Jahreskursen der höheren Schulen gelernt wird;[...]“(Paulsen, 1903)

An der Geschichte des Bildungsbegriffs lässt sich verfolgen, dass dieser im Laufe der Zeit nicht eine, sondern mehrere Konnotationen erhalten hat, angefangen bei der religiösen Bedeutung über die Persönlichkeitsentwicklung bis hin zur Ware Bildung. Im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) findet die entscheidende Wende von humboldtschen Bildungsinhalten hin zu moderneren Lehrinhalten statt.[7] In heutigen gesellschaftlichen Debatten wird der Bildungsbegriff mit allen diesen Konnotationen zugleich oder in Teilen verwendet, je nachdem, in welchem Kontext die Äußerung steht. Mögliche Kontexte sind zum Beispiel: soziale Abgrenzung, wirtschaftliche Interessen oder politische Ziele. Verallgemeinernd kann eigentlich nur gesagt werden, dass die meisten Definitionen auf den Mündigkeitsaspekt des Begriffs „Bildung“ hinweisen. Zu den Begriffen und Begriffsschöpfungen, die im gemeinten Kontext zur Sprache kommen, gehören Bildungssystem, Bildungsmisere, Allgemeinbildung, Bildungspolitik, bildungsferne Schichten u. a. m. Wie nicht zuletzt die Diskussion um die Pisa-Studie zeigt, werden heute auch die allgemeinbildenden Schulen mit immer größerer Selbstverständlichkeit unter dem Gesichtspunkt der „Optimierung von Lernprozessen im Hinblick auf deren Relevanz für ökonomisch verwertbare Arbeit“ (Ribolits, 13) bewertet.

  Lernen, Erziehung, Bildung

Die Fähigkeit des Menschen, lernen zu können, ist die Grundlage für Erziehung und Bildung. Beim Erziehungsprozess werden Kinder und Jugendliche durch die pädagogisch Verantwortlichen (Eltern, Erzieher, Lehrer, Jugendleiter) in die Welt der Erwachsenen eingeführt. Sie lernen dabei Regeln, Normen und Verhalten, aber auch selbständiges Denken und Handeln. Der Weg zum Selbstverstehen führt über das Fremdverstehen, d. h. über das Begreifen und Aneignen der umgebenden Welt.

Während Erziehung eher äußere Steuerungsimpulse der Persönlichkeitsentwicklung meint, bezieht sich Bildung wesentlich auf Prozesse und Ergebnisse der individuellen Verarbeitung und Aneignung. Bildung ist im Gegensatz zu Ausbildung bzw. Berufsbildung nicht unmittelbar an ökonomische Zwecke gebunden. Der Erwerb allgemeinbildender Abschlüsse, insbesondere des Abiturs, ist jedoch oft Voraussetzung für den Zugang zu gut bezahlten Berufen. Zum Problem der Konkurrenz von Bildung und Ausbildung äußerte sich Johann Heinrich Pestalozzi folgendermaßen: „Allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Menschenweisheit ist allgemeiner Zweck der Bildung auch der niedrigsten Menschen. Übung, Anwendung und Gebrauch seiner Kraft und Weisheit in den besonderen Lagen und Umständen der Menschheit ist Berufs- und Standesbildung. Diese muss immer dem allgemeinen Zweck der Menschenbildung untergeordnet sein ... Wer nicht Mensch ist, dem fehlt die Grundlage zur Bildung seiner näheren Bestimmung.“ Johann Gottfried von Herders Gedanken ähneln denen von Pestalozzi: „Menschen sind wir eher, als wir Professionisten werden! Von dem, was wir als Menschen wissen und als Jünglinge gelernt haben, kommt unsere schönste Bildung und Brauchbarkeit für uns selbst her, noch ohne zu ängstliche Rücksicht, was der Staat aus uns machen wolle. Ist das Messer gewetzt, so kann man allerlei damit schneiden.“

Da allgemeine Schulpflicht (Deutschland) besteht, werden Bildungsprozesse wenigstens zunächst nicht freiwillig initiiert. Weil in unserer Gesellschaft Wissen verlangt wird, besteht lebenslang ein äußerer Druck, möglichst viele Informationen aufzunehmen. Wissen und Lernen allein ergeben jedoch noch keine Bildung, daher kann auch ein wissensbasierter Bildungskanon nicht mehr sein als ein wichtiges Hilfsmittel der Förderung von Bildung. Friedrich Paulsen äußert sich im enzyklopädischen Handbuch der Pädagogik von 1903 zu diesem Thema folgendermaßen: „Nicht die Masse dessen, was [man] weiß oder gelernt hat macht die Bildung aus, sondern die Kraft und Eigentümlichkeit, womit [man] es sich angeeignet hat und zur Auffassung und Beurteilung des ihm Vorliegenden zu verwenden versteht. ... Nicht der Stoff entscheidet über die Bildung, sondern die Form.“

Demnach würde sich ergeben, dass Schulabschlüsse, die hauptsächlich Lernleistungen prämieren, nur bedingt als Bildungsnachweise tauglich wären.

  Bildungsdreieck der Elementarkompetenzen

Eine gute Symbolik für die elementaren Aspekte der Bildung, die im schulischen Unterricht fächerübergreifend erlernt werden (sollen), ergibt sich aus einem gleichseitigen Dreieck, da hier jede Seite gleichberechtigt ist. Die drei Seiten stehen dabei symbolhaft für Wissen, Denken und Kommunikationsfähigkeit. Wissen umfasst dabei die Wissensinhalte (deklaratives Wissen), das Denken hingegen die unterschiedlichen Strategien des Erkenntnisgewinns wie Problemlösen, Beschreiben, Erklären, Interpretieren usw. Unter Kommunikationsfähigkeit kann in diesem Zusammenhang die Fähigkeit eines Menschen verstanden werden, seine Gedanken, Ideen, Thesen usw. anderen transparent zu machen und umgekehrt sich in die Gedankenwelt anderer aktiv hineinzuversetzen. Ein alternatives Bild würde sich ferner durch einen dreibeinigen Hocker ergeben, bei dem jedes Bein für einen der genannten Aspekte der Bildung steht. Ist ein Bein länger (kürzer) als die anderen beiden Beine, dann wird der Hocker in seinem Schwerpunkt instabil. Diese grundlegenden Aspekte der Bildung konstituieren gleichermaßen die Basis für alle weitergehenden Aspekte der Bildung, wie moralisches Denken und Handeln, Kreativität und künstlerische Fähigkeiten oder instrumentelle Fertigkeiten. In diesem Sinne können diese drei Aspekte als Elementarkompetenzen der Bildung bezeichnet werden.

  Frühe Bildung

Zunehmende Bedeutung, auch mit Rückwirkungen auf die Diskussion über schulische Bildung, gewinnt die frühe Bildung von Kindern in den ersten Lebensjahren. Während man noch in den 1950er und 60er Jahren vom „dummen ersten Jahr“ sprach und damit die Bildungsunfähigkeit kleiner Kinder beschreiben wollte, ist heute allgemeiner Kenntnisstand, dass Bildung spätestens mit der Geburt beginnt und dann in höchstem Tempo die wesentlichen Voraussetzungen aller späteren Bildungsprozesse gelegt werden. Wichtige Impulse hat dieser Prozess durch die Hirnforschung erfahren.

  Bildung und soziale Ungleichheit

„Schule ist eine Institution, die Lebenschancen verteilt.“[8]

Die Bildungsanstrengung ist das Ergebnis der Einflüsse der Umwelt und der individuellen Entscheidung.[9] Im Allgemeinen korrelieren in fast allen Gesellschaften sozialer Status der Eltern und formale Bildung der Kinder positiv miteinander. Das bedeutet, dass niedrige Bildungsabschlüsse (oder das Fehlen derselben) vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten anzutreffen sind. Durch Erwerb von Bildung ist sozialer Aufstieg möglich.

Mit „Bildung“ und dem Ausbau des Bildungssystems war in der Vergangenheit häufig die Hoffnung verbunden, soziale Ungleichheiten abzubauen. Dass es sich bei der ersehnten „Chancengleichheit“ um eine Illusion handelt, haben die französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron schon in den 1960er Jahren gezeigt. Dabei gibt es nationale Unterschiede. Im internationalen Vergleich bestimmt in Deutschland die soziale Herkunft in besonders hohem Maß den Bildungserfolg. Diverse Schulleistungs-Studien (LAU-Studie, IGLU-Studie, PISA-Studie) haben belegt, dass Kinder ungebildeter Eltern selbst dann häufig eine geringere Schulformempfehlung bekommen als Kinder von Eltern mit höherer Bildung, wenn die kognitive, die Lese- und Mathematikkompetenz gleich ist. Das Bildungswesen kann unter solchen Voraussetzungen dazu dienen, soziale Ungleichheit zu reproduzieren und zu legitimieren, da das „Versagen“ im Bildungssystem häufig als individuelle Unfähigkeit interpretiert und erlebt wird. In Deutschland sind gegenwärtig in besonderer Weise Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien von Bildungsbenachteiligung betroffen. Darauf reagiert eine Fachdiskussion zu der Frage, was Erfordernisse einer angemessenen Bildungspolitik und Bildungspraxis in der Einwanderungsgesellschaft sind. Eine Studie der Universität Augsburg von 2007 weist zudem auf einen deutlichen Unterschied zwischen Land- und Stadtkindern hin. So wechseln in Schwaben (Bayern) auf dem Land nur 22 Prozent der Mädchen von der Grundschule auf das Gymnasium. In der Stadt dagegen gehen 44 Prozent der Mädchen auf die Oberschule – trotz gleicher Noten.[10]

Siehe auch: Bildungsparadox, Chancengleichheit, Reproduktion (Bildung), Arbeiterkinder, Bildungsgeographie, Bildungsbenachteiligung und DSW-Sozialerhebung

  Bildungsziele

Einem eng gefassten Kanon von Bildungszielen stehen der individuelle Charakter jeglicher Bildung, die plurale Verfasstheit menschenrechtlich begründeter Demokratien und das breite kulturelle Spektrum der sich ausbildenden Weltgesellschaft entgegen. Daher sind die unten genannten Ziele nicht als allgemeinverbindliches Bildungsideal aufzufassen, sondern eher als elementare Richtungsweiser. Auch stehen sie in einer gewissen Spannung zur vorherrschenden Funktion des Bildungs- und Ausbildungssystems, auf die Berufstätigkeit vorzubereiten, in der oft ganz andere Fähigkeiten und Einstellungen verlangt werden. Wenn aber die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn Brüderlichkeit der Menschen untereinander und ein gleiches Recht für alle als Daseinsnormen der menschenwürdigen Existenz zur Geltung gebracht werden sollen, ergeben sich für Erziehung und Bildung mannigfache Ziele, etwa:

  • Aufgeschlossenheit für die Sphären des Wahren, Guten und Schönen (im Sinne bereits der antiken Philosophie mit ihren drei Zweigen Logik, Ethik und Ästhetik);
    • Anteilnahme am kulturellen Leben, an Kunst und Musik;
  • Kreativität und Selbstbeherrschung;
  • selbstbestimmtes Handeln, Urteils- und Kritikfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft, politische Kompetenz;
  • Kompromiss- und Friedensfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Ehrfurcht vor allem Lebendigen, dessen Teil wir sind.
  • mannigfache Fähigkeiten der Lebens- und Alltagsbewältigung einschließlich praktischen und für das Arbeitsleben qualifizierenden Könnens sowie der Beherrschung elementarer Kulturtechniken;
    • Gesundheitsbewusstsein und entsprechende Körperpflege, Sportlichkeit.

  Der pädagogisch begleitete Bildungsprozess (Klafki)

Das von Wolfgang Klafki entwickelte Konzept der kategorialen Bildung basiert auf „dem Gedanken des wechselseitigen Aufeinanderbezogenseins von Welt und Individuum“.[11]

Er unterteilt den Begriff der Bildung in zwei Hauptgruppen, die materiale und die formale Bildung. In beiden Gruppen unterscheidet Klafki noch jeweils zwei weitere Grundformen: innerhalb der materialen Bildung den bildungstheoretischen Objektivismus und die Bildungstheorie des Klassischen und als Varianten der formalen Bildung die funktionelle und die methodische Bildung.

Diese Unterteilung bedeutet speziell:

Bildungstheoretischer Objektivismus meint, dass nur der Mensch gebildet ist, welcher sich möglichst viel Wissen aneignet.

Bildungstheorie des Klassischen versteht Bildung als "Vorgang bzw. als Ergebnis eines Vorgangs, in dem sich der junge Mensch in der Begegnung mit dem Klassischen das höhere geistige Leben, die Sinngebungen, Werte und Leitbilder seines Volkes oder Kulturkreises zu eigen macht und in diesen idealen Gestalten seine eigene geistige Existenz recht eigentlich erst gewinnt.[12] Welche Bildungsinhalte als "klassisch" gelten könnten, könne aber nie ein für alle mal festgeschrieben werden, sondern sei abhängig von historisch-kritischer Aneignung und einem fortdauernden Prozess der Herausbildung überzeugender Leitbilder.

Den Kern der funktionalen Bildungstheorie kann man laut Klafki in wenigen Sätzen formulieren. Das Wesentliche der Bildung sind nicht Aufnahme und Aneignung von Inhalten, sondern Formung, Entwicklung, Reifung von körperlichen, seelischen und geistigen Kräften.

Die zweite Grundform formaler Bildung nennt Klafki nach Lemensick methodische Bildung. Sie wendet sich dem Bildungsvorgang zu. Bildung bedeutet hier Gewinnung und Beherrschung der Denkweisen, Gefühlskategorie, Wertmaßstäbe, kurz: der Methode.[13]

Aus Klafkis Sicht zielt Bildung auf die Vermittlung und den Erwerb von drei grundlegenden Zielen:

Erweiternd werden folgende Punkte von ihm genannt:

  • Auseinandersetzung mit dem Begriff des Allgemeinen, das als „uns alle Angehendes“ verstanden werden soll,
  • Bildung soll alle humanen Fähigkeitsdimensionen des Menschen umfassen.

Bildung solle in allen Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten vonstattengehen, das bedeutet über kognitive Funktionen hinaus:

  • handwerklich-technische Bildung,
  • Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten,
  • ästhetische Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit
  • ethische und politische Handlungsfähigkeit.

Im Bildungsprozess seien spezifische Einstellungen und Fähigkeiten zu vermitteln und zu erwerben:

  • Kritikbereitschaft und -fähigkeit, einschl. Fähigkeit zur Selbstkritik,
  • Argumentationsbereitschaft und -fähigkeit,
  • Empathie,
  • Fähigkeit zu vernetztem Denken.

  Bildungskonzepte anderer Kulturen

  Die vier Schätze des Gelehrtenzimmers umfassen alles, was ein Intellektueller in der chinesischen Kaiserzeit benötigte: Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier

Der in diesem Artikel bis hierhin vorgestellte Bildungsbegriff ist im 18. Jahrhundert in Europa entstanden. Bildungstraditionen existieren jedoch nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch in vielen anderen Kulturen und sind oftmals erheblich älter als die Humboldtschen Ideen.

  China

Die chinesische Bildungstradition entstand im 6. Jahrhundert v. Chr. mit dem Konfuzianismus, einer Philosophie, die in China nicht zufällig „Schule der Gelehrten“ heißt. Konfuzius und seine Schüler bemühten sich in dieser Zeit um eine Erneuerung der gesellschaftlichen und religiösen Werte und um eine grundlegende Verbesserung des Menschen, die zu einer Vervollkommnung der gesellschaftlichen Ordnung führen sollte. Den Schlüssel zur Verbesserung des Menschen sahen sie in der Erfüllung bestimmter sozialer Pflichten (Loyalität, Ehrung der Eltern, Schicklichkeit) und im Studium. Im Gefolge der konfuzianischen Bestrebungen um eine Meritokratie wurde unter der Sui-Dynastie im Jahre 606 n. Chr. die chinesische Beamtenprüfung eingeführt, ein Wettbewerbssystem, das Angehörigen der gebildeten Stände einen Aufstieg in gesellschaftliche Positionen ermöglichte, die bis dahin meist per Geburt eingenommen wurden. Das Prüfungssystem führte zur Entstehung einer sozialen Schicht von Gelehrten-Bürokraten (士大夫, Pinyin: shì dàfū; vgl. Mandarin), die in Kalligrafie und im konfuzianischen Schrifttum geschult waren und die bis zum Untergang der Qing-Dynastie (1912) in der Politik Chinas großen Einfluss besaßen. Zu den Gebieten, auf denen chinesische Gelehrte (文人, wénrén) traditionell bewandert waren, zählen auch die chinesische Literatur, das Spielen von Musikinstrumenten, das Go- oder Schachspiel, das Malen mit Wasserfarben und die Teekunst. Nach der Gründung der Volksrepublik China und besonders in der Zeit der Kulturrevolution versuchte die chinesische Führung unter Mao Zedong eine Zerschlagung sämtlicher Bildungstraditionen der Kaiserzeit durchzusetzen; so gab es in der VR China von 1966 bis 1978 z. B. keinen normalen Universitätsbetrieb. Die außerordentliche hohe Bewertung von Bildung ist für große Teile der chinesischen Bevölkerung jedoch bis auf den heutigen Tag charakteristisch geblieben.[14]

Da diese Bildungstradition sich unabhängig von der europäischen Geistesgeschichte entwickelt hat und in einer Zeit entstanden ist, in der das deutsche Wort „Bildung“ noch nicht einmal existierte, bestehen zwischen dem traditionellen chinesischen und dem modernen westlichen Bildungsbegriff neben manchen Gemeinsamkeiten auch signifikante Unterschiede. Besonders fern liegt der kollektivistischen Tradition Chinas die Humboldtsche Idee, dass der Mensch durch Bildung Individualität entfalten solle. Ähnlich wie das Humboldtsche zielt auch das konfuzianische Bildungsideal auf eine Verbesserung des Menschen, aber nicht mit der Absicht, aufgeklärte Weltbürger hervorzubringen, sondern um das Gemeinwesen in Harmonie zu bringen.

  Siehe auch

 Portal:Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung

Fragen zur Bildung

  Literatur

Einführungen
Lexikonartikel
Vertiefende Lektüre

Die chronologische Anordnung verdeutlicht Schwerpunktsetzungen einzelner Jahrzehnte.
1960 –

1970 –

  • 1970: Heinz-Joachim Heydorn: Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft. 1970 (Band 3 Heydorn-Studienausgabe 2004: ISBN 3-88178-333-4)
  • 1971: Pierre Bourdieu, Jean-Claude Passeron: Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs. Klett, Stuttgart 1971, ISBN 3-12-921120-9
  • 1977: Erich E. Geissler: Allgemeinbildung in einer freien Gesellschaft. Deutscher Pädagogik- und Hochschul-Verlag, Düsseldorf 1977.

1980 –

  • 1981: Günther Buck: Hermeneutik und Bildung. Elemente einer verstehenden Bildungslehre. Wilhelm Fink Verlag, München 1981, ISBN 3-7705-1913-2
  • 1989: Henning Kössler: Bildung und Identität. In: H. Kössler (Hrsg.): Identität. Fünf Vorträge. Erlangen 1989 (Erlanger Forschungen, Reihe B; Bd. 20), ISBN 3-922135-59-5, S. 51-65

1990 –

  • 1991: Wolfgang Klafki: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Beltz, Weinheim 1991, ISBN 3-407-34056-7.
  • 1995: Erich Ribolits: Die Arbeit hoch? Berufspädagogische Streitschrift wider die Totalverzweckung des Menschen im Post-Fordismus. Profil, München und Wien 1995, ISBN 3-89019-362-5.
  • 1996: Georg Bollenbeck: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996 (suhrkamp taschenbuch, 2570), ISBN 3-518-39070-8
  • 1996: Wolfgang Klafki: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße und kritisch-konstruktive Didaktik. Beltz, Weinheim und Basel 1996, ISBN 3-407-34056-7

2000 –

Zum Bildungskanon Allgemeinbildung
  • Tatjana Alisch, Angela Sendlinger (Redaktion): Allgemeinbildung – Das ganze Grundwissen von heute in Frage und Antwort. Compact, München 2007, ISBN 978-3-8174-6081-6
  • Eberhard Anger, Klaus Volkert (Redaktionelle Leitung): Das große Buch des Allgemeinwissens - ein unentbehrliches Nachschlagewerk für die ganze Familie, Verlag Das Beste GmbH, Stuttgart 1991, ISBN 3-87070-403-9
  • Bertelsmann Lexikon Institut: Das aktuelle Buch der Allgemeinbildung. Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2003, ISBN 3-89996-485-3. (Der Band enthält eine CD-Beilage mit Testfragen.)
  • Jonathan Byron: Jonathan Byron’s Bildungsnavigator für unordentliche Leser. Thiele Verlag, München/Wien 2007, ISBN 978-3-85179-002-3
  • Bodo Harenberg (Idee u. Hrsg.): Harenberg Kursbuch Bildung – Das erste interaktive Lexikon. Harenberg Verlag, Dortmund 2003, ISBN 3-611-01154-1
  • Barbara Holle, Stephanie Köber, Stefanie Thuir (Redaktionelle Ltg.): Allgemeinbildung – Das große Standardwerk mit dem Wissen unserer Zeit. Sonderausgabe mit 5000 Fragen & Antworten. Weltbild, Augsburg 2011, ISBN 978-3-8289-4191-5.
  • Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): Meyers Memo – Das Wissen der Welt nach Sachgebieten. Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich, © Deutsche Ausgabe: Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG, Mannheim 1991, ISBN 3-411-07311-X.
  • Matthias Vogt: DuMonts Handbuch Allgemeinbildung. Reihe monte, Verlag DuMont-Monte, Köln 2002, ISBN 3-8320-8655-2
  • Detlef Wienecke-Janz (Redaktionelle Ltg.): Der Brockhaus Bildung 21 – Wissen für das 21. Jahrhundert, wissenmedia, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-577-09056-8
Zum Bildungskanon Naturwissenschaften
Zum Bildungskanon Geisteswissenschaften

  Weblinks

Wikiprojekte
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externe Links

  Einzelnachweise

  1. Meister-Eckhart-Brief 2005 des Thüringer Kultusministeriums. Auf der Seite Thüringer Bildungssymposium.
  2. Wolfgang Klafki: Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim/Basel 1975, S. 45.
  3. Bernward Hoffmann: Medienpädagogik. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Schöningh, Paderborn u. a. 2003, ISBN 3-506-99522-7, S. 127.
  4. Humboldt reloaded. Kritische Bildungstheorie heute. Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Band 12, Marburg 2009, S. 11.
  5. Hartmut von Hentig: Bildung. Ein Essay. Beltz 2004 ISBN 978-3-407-22158-2; S. 4
  6. Zitiert nach: Peter Berglar: Wilhelm von Humboldt. Rowohlt, Reinbek 1970, ISBN 3-499-50161-9, S. 87. Aus: Wilhelm von Humboldt: Rechenschaftsbericht an den König, (1809), in: Flitner, A./Giel, K. (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt. Werke in fünf Bänden. Darmstadt/Stuttgart 1960–81, Bd. IV, S. 218.
  7. Dazu grundlegend: Martina G. Lüke: Zwischen Tradition und Aufbruch. Deutschunterricht und Lesebuch im Deutschen Kaiserreich. Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56408-0.
  8. Schelsky, Helmut: Auf der Suche nach der Wirklichkeit. Düsseldorf 1965, S. 137 ff.
  9. Beschreibung der Bildungsanstrengung aus ökonomischer Sicht
  10. Max Hägler: Bayrische Landmädel immer noch Bildungsverlierer in taz, die tageszeitung vom 5. September 2007, S. 18
  11. studium kompakt - Pädagogik: Schulpädagogik kompakt: Prüfungswissen auf den Punkt gebracht. (Arnold, Pätzold)
  12. W. Klafki: Kategoriale Bildung. Zur bildungstheoretischen Deutung der modernen Didaktik. In: W. Klafki (Hrsg.): Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Beltz, Weinheim 1963 (10. A 1975), S. 30; Vgl. Klafki 1996, S. 20ff.
  13. “Kategoriale Bildung: zur Interpretation der Bildungstheorie Wolfgang Klafkis.“ (Joachim Ebert)
  14. Vgl. Erziehungsstil#Chinesische Amerikaner
   
               

Wort

                   
Dieser Artikel befasst sich mit dem Wort in der Sprachwissenschaft. Weiteres siehe Wort (Begriffsklärung).
  Ein lateinischer Text ohne erkennbare Wortumbrüche

Ein Wort ist eine selbstständige sprachliche Einheit. In der Sprache hat es, im Gegensatz zu einem Laut oder einer Silbe, eine eigenständige Bedeutung.

Eine allgemein akzeptierte Definition existiert nicht. Eine Definition gilt als "schwierig". Der Ausdruck Wort ist mehrdeutig und hängt vom Untersuchungsgesichtspunkt, von der jeweils interessierenden sprachlichen Ebene und von den diesbezüglichen Theorien ab. Ob Wort in der Sprachwissenschaft überhaupt eine brauchbare Kategorie ist, ist umstritten. So stellte de Saussure den Begriff Wort völlig zurück und sprach vom Zeichen[1]. In der Semantik wird statt vom unklaren Ausdruck Wort lieber vom Lexem gesprochen.

Das Wort wird begrifflich zumeist vom Phonem, Morphem, der Wortgruppe und dem Satz abgegrenzt. Allerdings kann tatsächlich ein einziges Wort einen Satz bilden und das Wort aus einem einziges Morphem und dieses aus einem einzigem Phonem bestehen.

  • Beispiel: Oh! [2].

Auch erscheinen die Grenzen zwischen dem zusammengesetztem Wort und der Wortgruppe fließend.

  • Beispiel: er übersetzt ein Buch - er setzt über einen Fluss[3].

Inhaltsverzeichnis

  Plural

Für „Wort“ gibt es zwei Pluralformen.[4]

  • Wörter bezieht sich auf die Form bzw. die grammatische Einheit „Wort“.
  • Worte bezieht sich auf den Inhalt, zum Beispiel für im Sinnzusammenhang stehende Wörter eines bekannten Ausspruchs (siehe Schlagwort, Sprichwort). Siehe auch: Sprechende Medizin.

Gemäß einer Grammatikerregel lautet der Plural von Wort dann Wörter, wenn es um das Auftreten mehrerer einzelner davon geht (Das Verzeichnis enthält 100.000 Wörter). Von Worten spricht man hingegen bei der Verwendung von Wörtern in feststehenden Zusammenhängen (Dankesworte, Grußworte, i. W.) oder geläufigen Ausdrücken (ehrliche Worte, leere Worte), bei Verwendung von Zitaten aus der Literatur (Der Worte sind genug gewechselt..., Goethe, Faust I) sowohl in eher lässiger Umgangssprache (haste da noch Worte) wie in „gehobener Sprache“ als Ausdruck „gewählter Ausdrucksweise“ (in wohlgesetzten Worten hob er an...).[5][4]

Diese Unterscheidung, die im 17. Jh. vom Sprachgelehrten Justus Georg Schottelius eingeführt wurde,[5][4] wird inzwischen oft ignoriert.

Wort bezeichnet als Kollektivum auch eine bedeutsame, kurze Aussage (Ein Wort der Weisheit, Machtwort) oder eine mündliche Unterhaltung (sie beherrscht Esperanto in Wort und Schrift), insbesondere wenn sie eine feste Form bilden, in die Einschübe nicht möglich sind (etwa in Sprichwort). Diese bestehen ihrerseits aus mehreren grammatikalischen Wörtern. Der Plural Worte ist hierbei erforderlich. Wörter der Weisheit ist somit ein Oxymoron.

Des Weiteren bezeichnet das Wort als Singularetantum – von dem hierbei kein Plural gebildet werden kann – eine Lehre (z. B. das Wort Gottes) oder ein Versprechen (z. B. sein Wort brechen).

  Entstehung

Wörter gehören zu den ältesten abstrahierenden symbolischen Formen der Menschheit. Ob nicht z. B. Bilder älter sind, ist eine empirisch schwer beantwortbare Frage (vgl. Urgesellschaft). Voraus gingen ihnen jedenfalls erfahrungsbewährte Wiederholungen konkreter Handlungen. Ob sich bestimmte Urwörter (Ur-Sätze?) annehmen lassen, ist strittig, obwohl die Vergleichende Sprachwissenschaft daran arbeitet, den Nachweis dafür zu erbringen. Erste etablierte Wörter, wahrscheinlich sehr konkret durch Gestik und Mimik darstellenden Charakters begleitet, erlaubten dann weitere und stärker abstrahierende Wörter – zum Beispiel konnten sich aus „eine Handvoll“, „in Hörweite“ bzw. „zuerst“, „tags“ bzw. „Mamma“, „Vortänzer“, noch stärker abstrahierend, dann kategoriale Wörter bezüglich „Raum“ bzw. „Zeit“ bzw. benennbarenSubjekten“ entwickeln. Schlüsse, die sich auf den Spracherwerb in der Ontogenese des einzelnen Kleinkindes stützen und daraus auf das erste Sprechen in der Phylogenese der Menschheit folgern, sind keineswegs zwingend, obgleich hilfreich.

  Charakterisierung

Muttersprachler glauben oft, durch ihr Sprachgefühl ein intuitives Verständnis davon zu haben, was in ihrer Sprache ein Wort ausmacht; die Sprachwissenschaft aber tut sich damit schwer, allgemeingültige Kriterien zur Abgrenzung von Wörtern zu finden. Je nach Blickwinkel sind verschiedene Kriterien möglich, die je nach theoretischem Hintergrund und Erkenntnisinteresse miteinander kombiniert oder ergänzt werden. Unter dem Ausdruck "Wort" kann phonetisch-phonologisch, graphematisch, morphologisch, syntaktisch oder lexikalisch-semantisch je Verschiedenes verstanden werden[6]:

  Übersicht

Phonologisches Kriterium (Wortgestalt)
phonologisches,[7] phonem(at)isches Wort
Wörter sind Phonemketten (Lautfolgen), die durch Grenzsignale wie zum Beispiel Pausen voneinander abgehoben sind.
Im Deutschen hat jedes Wort genau eine Hauptakzentstelle. In einigen Sprachen, wie beispielsweise im Französischen, werden die Wörter beim Sprechen stark aneinander gebunden und miteinander verschmolzen. Das führt dazu, dass eine vom Schriftbild ausgehende Definition stark von einer lautorientierten Definition abweichen kann. Nach dem phonetischen Kriterium würden auch Interjektionen wie äh usw. zu den Wörtern gezählt.
Orthografisches Kriterium (Wortgestalt)
grafisches,[8] graphem(at)isches Wort
Ein Wort ist eine Graphemkette (Buchstabengruppe) zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen.
Diese Definition schließt Orthografien ohne Trennzeichen sowie Sprachen ohne Schrifttradition aus und ist stark vom Wandel der Orthografie abhängig.
Morphologisches Kriterium (Wortform)
morphologisches,[7] morphem(at)isches Wort
Ein Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt und frei vorkommen kann.
In dieser Definition entspricht Wort etwa einem freien Morphem, das aber durch Derivationsmorpheme erweitert sein kann (Bsp: Herr, herrlich, verherrlichen). Ein so definiertes Wort kann mit Flexionsmorphemen versehen werden, wodurch man die Wortformen dieses Wortes erhält (zum Beispiel Frau, Frauen; laut, lauter; mache, machst, macht).
Syntaktisches Kriterium (Wortform)
syntaktisches Wort[8]
(Syntaktische) Wörter sind Einheiten, die sich innerhalb eines Satzes verschieben, durch andere austauschen und durch das Einfügen weiterer Wörter voneinander trennen lassen. Wörter sind "unter syntaktischem Aspekt ... kleinste verschiebbare und ersetzbare Einheiten des Satzes[9].
Problematisch an dieser Definition ist, dass man mit diesem Kriterium Wortformen wie Frau und Frauen nicht als zusammengehörig bestimmen kann. Weitere Probleme werfen zum Beispiel die trennbaren Verben im Deutschen auf, deren Bestandteile sich zwar voneinander trennen lassen (aufessen, er isst auf), aber trotzdem als Ganzes ersetzbar sind.
Nach einer anderen Definition ist das syntaktische Wort "jede spezifische grammatische Ausprägung eines Wortes"[10], präziser: eines "Lexems"[11]. Die Einbeziehung semantischer Gesichtspunkte lässt - teilweise - das syntaktische Wort wie folgt charakterisieren: "Es ist ein Lexem, das so weit mit Merkmalen ausgerüstet ist, dass man damit syntaktische Ausdrücke - Phrasen und Sätze - bauen kann"[12].
Das syntaktische Wort ist mit der Wortform nicht identisch. Syntaktische Wörter können eine eindeutige Wortform haben (Beispiel: fliegen, fliege, fliegst ...), dies ist aber nicht zwingend so (Beispiel: die/der/den/den Fliegen)[13].
Die jeweilige Wortform wird auch flexivisches Wort genannt[14].
Semantisches Kriterium (Wortparadigma)
lexikalisches Wort[15], Lexem[15]
In semantischer Hinsicht sind Wörter kleinste, relativ selbstständige Träger von Bedeutung, die im Lexikon angeführt sind.
Die Bedeutung von Wörtern wird aber von ihrem Äußerungskontext mitbestimmt und ist deshalb nicht ohne weitere Untersuchungen fassbar. Einigen Wörtern lässt sich keine lexikalische Bedeutung zuordnen, allenfalls eine grammatische (Funktionswörter).
Beispielsweise sind die Ausdrücke fliegt, flog, fliegend und geflogen vier Wortformen eines Lexems[16].

  Diskussion der Abgrenzungsversuche

  Abgrenzung nach Leerstellen

Orthographische Abgrenzungskriterien werden vielfach abgelehnt. Dies aus innersprachlichen und aus sprachvergleichenden Gründen:

  • Für die Ablehnung eines orthographischen Abgrenzungskriteriums spricht, dass die Getrenntschreibung teilweise fakultativ ist. Beispiel: auf Grund oder aufgrund[17].
  • Trennbare Wörter sollten als ein Wort aufgefasst werden können[18]. Beispiel: anrufen - (ich) rufe an.
  • Nach der alten Rechtschreibung schrieb man spazierengehen, nunmehr spazieren gehen. Man kann sowohl auch nach der neuen Rechtschreibung spazierengehende Menschen oder spazieren gehende Menschen sprechen. Spazierengehen und spazieren gehen erscheinen als ein Wort[19]
  • Es ist unklar, wie Bindestrich- und Apostrophschreibungen gezählt werden sollen[20].
  • Der Sprachvergleich zeigt zudem, dass Wortgrenzen konventionell sind. So steht der türkische Ausdruck alabilecjim für ich werde kaufen können[21].
  • Auch ist nicht überzeugend, dass zum Beispiel Waschmaschine ein Wort, der englische Ausdruck washing machine als aus zwei Wörtern bestehend angesehen wird[22].
  • Es sind auch nicht alle Sprache verschriftlicht[23] und nicht alle schriftlichen Sprachen arbeiten mit Buchstaben[24].

Letztlich ist die geschriebene Sprache "eine Interpretation der gesprochenen Sprache"[25] und ist die orthographische Wortdefinition "tautologisch, denn in die Schreibkonventionen ist das Vorverständnis dessen, was ein Wort ist und wo seine Grenzen sind, schon eingegangen"[26].

  Abgrenzung nach Sprechpausen

Das Wort als lautliche Einheit (phonologisches Wort) wird zwar weniger als das Wort als grafische Einheit (orthographisches Wort) kritisiert[27], erscheint aber letztlich entsprechend kritisierbar: die Definition erscheint zirkulär, weil die Einheit des Wortes nicht durch Pausen, sondern (etwaige) Pausen durch die Einheit des Wortes bedingt sind.

  • Pausen kann man auch zwischen Silben setzen, ohne dass diese dadurch zu Wörtern würden. Bsp: wi-ki-pe-di-a bleibt ein Wort, auch wenn man zwischen jeder Silbe eine Pause setzt.
  • Man spricht normalerweise beim realen Sprechen keine Pause zwischen den Wörtern[28].

  Klassifikation

In der Grammatik werden Wörter nach Wortarten (zum Beispiel Substantiv, Adjektiv, Verb...) unterschieden und hinsichtlich Satzstellung, Flexion, Tonalität (in Tonsprachen wie Mandarin-Chinesisch) et cetera untersucht.

Es gibt verschiedene Ansätze, Wörter nach Wortarten zu gliedern. Es werden syntaktische, morphologische und funktionale Kriterien verwendet. Im Wesentlichen geht die heutige Klassifikation schon auf die Antike (Dionysios Thrax) zurück. Einzelheiten: siehe Wortart.

  Aufbau

Wörter bestehen aus Morphemen, das sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten im Sprachsystem, in flektierenden Sprachen aus Stamm- und Flexionsmorphem (Haus+es). In einer isolierenden Sprache wie im klassischen Chinesisch oder Vietnamesischen hingegen gibt es keine Flexion.

  Arten von Wörtern

  Geschriebene Wörter

Geschriebene Wörter werden mit Buchstaben, Schriftzeichen oder Symbolen dargestellt und in vielen Sprachen durch Leerzeichen vor dem Wort oder Satzzeichen voneinander abgetrennt. Im klassischen Chinesischen entspricht jedem Zeichen ein Wort, ein Morphem und eine Silbe.

Die in einer Sprache verwendete Schrift ist reine Konvention und entwickelt sich zumeist historisch weiter. Beim Übergang einer Schrift von einer Sprache zur einer anderen, nicht näher verwandten Sprache gibt es Zeichen für Laute, die es in der neuen Sprache nicht gibt und andererseits Laute für die es keine Zeichen gibt. Meist wird dann die Schrift angepasst indem Zeichen nicht weiter verwendet werden, übrige Zeichen für andere Laute verwendet werden, Kombinationen von Zeichen eingeführt oder Zeichen durch diakritische Zeichen modifiziert werden oder zusätzliche Zeichen eingeführt werden. Die Schreibrichtung ist abhängig von den Schreibregeln und beruht darauf, dass sich eine Richtung historisch durchgesetzt hat.

  Gesprochene Wörter

Gesprochene Wörter bestehen aus Silben, die wiederum aus einem oder mehreren Phonemen (Lauten) bestehen. In manchen Sprachen kommen bedeutungsunterscheidende Töne hinzu (Mandarin-Chinesisch, Hausa, Vietnamesisch), sie werden Tonsprachen genannt (vgl. auch die Intonation deutscher Interjektionen wie „hm“). In Akzentsprachen wie Deutsch hat jedes Wort eine Hauptakzentstelle. In der gesprochenen Sprache liegt potenziell vor und hinter dem Wort eine kurze Pause.

  Gedachte Wörter

Nonverbale bezeichnen die Urform der Kommunikation, siehe Monolog.

  Wortschatz

Ein großer Teil des deutschen Wortschatzes besteht aus Wörtern, die anderen Sprachen entstammen, so genannten Fremd- und Lehnwörtern. Der Anteil der Entlehnungen am Wortschatz ist in verschiedenen Sprachen unterschiedlich hoch. So wurden im Englischen unter rund 80000 Wörtern fast 75 % nichtgermanischen Ursprungs gezählt.[29] In einem deutschen etymologischen Wörterbuch wurden unter knapp 17000 Wörtern über 30 % Entlehnungen ermittelt.[30]

Mit den 207 häufigsten Wörtern im Wortschatz eines deutschen Muttersprachlers lassen sich bereits 50 % eines fast beliebigen Textes darstellen.[31] Davon sind einsilbige Wörter die häufigsten. Je länger ein Wort, desto geringer seine Häufigkeit. Diese Beobachtung kann man in nahezu allen Sprachen machen. Das zugrundeliegende Prinzip nennt sich Zipfsches Gesetz beziehungsweise Huffman-Kodierung.

  Sonstiges

Es ist inzwischen ein Sport daraus geworden, sich in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Wörter zu merken. Der Weltrekord für fünfzehn Minuten liegt bei 214 Wörtern. Um solche Gedächtnisleistungen zu vollbringen, greifen die Gedächtnissportler auf verschiedene Mnemotechniken zurück.

  Religion

Das Evangelium nach Johannes beginnt mit einem tiefgründigen Prolog in der Form eines strophischen Liedes (1,1–18 EU) über das Wort. Der bekannte erste Satz lautet: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.” Auch in den heiligen Schriften anderer Religionen kommt dem Wort eine herausragende Bedeutung zu [32].

  Siehe auch

  Literatur

  Quellen

  1. de Sivers, Wort, in: Martinet, (Hrsg.), Linguistik (1973), S. 185 (186)
  2. K.-Å. Forsgren: Wortdefinition und Feldstruktur. Göteborg, Acta UniversitatisGothoburgensis, 1977, S. 8
  3. Ernst, Peter: Germanistische Sprachwissenschaft. Wien: WUV, 2008 (UTB; 2541), S. 113
  4. a b c Plural von Wort (mit Zitat aus Grimms Deutschem Wörterbuch)
  5. a b DWDS-Eintrag zu „Wort“ (mit Zitat aus Wolfgang Pfeifers Etymologischem Wörterbuch des Deutschen)
  6. Ernst, Peter: Germanistische Sprachwissenschaft. Wien: WUV, 2008 (UTB; 2541), S. 103 f.
  7. a b Meibauer, Einführung in die germanistische Linguistik, 2. Aufl. (2007), S. 17
  8. a b Kessel/Reimann, Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache (2005), ISBN 3-8252-2704-9, S. 61
  9. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002), ISBN 3-520-45203-0/Wort
  10. So - zirkulär - Linke, Angelika; Markus Nussbaumer; Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. - 5. Auflage. - Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 63
  11. Brandt/Dietrich/Schön, Sprachwissenschaft, 2. Aufl. (2006), S. 140
  12. Linke, Angelika; Markus Nussbaumer; Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. - 5. Auflage. - Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 65
  13. Nach Linke, Angelika; Markus Nussbaumer; Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. - 5. Auflage. - Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 65
  14. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9, S. 20
  15. a b Duden, Die Grammatik, 7. Aufl. (2005), ISBN 3-411-04047-5, Rn. 197
  16. Nach Kocsány, Piroska: Grundkurs Linguistik: ein Arbeitsbuch für Anfänger. - Paderborn: Fink, 2010, S. 82
  17. Duden online, http://www.duden.de/zitieren/10241164/1.1
  18. Meibauer, Einführung in die germanistische Linguistik, 2. Aufl. (2007), S. 17; Anke Lüdeling: Grundkurs Sprachwissenschaft. - Klett Lerntechnik, Stuttgart 2009, S. 80
  19. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB, 3319), ISBN 978-3-8385-3319-9, S. 20
  20. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 135
  21. Reichenbach, Grundzüge der symbolischen Logik (1999), S. 5
  22. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 135
  23. Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 136
  24. Meibauer, Einführung in die germanistische Linguistik, 2. Aufl. (2007), S. 17
  25. Anke Lüdeling: Grundkurs Sprachwissenschaft. - Klett Lerntechnik, Stuttgart 2009, S. 80
  26. Volmert, Sprache und Sprechen: Grundbegriffe und sprachwissenschaftliche Konzepte, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005), S. 22 f.; entsprechend Bogdal, Michael: BA-Studium Germanistik: ein Lehrbuch. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt 2008, S. 36: zirkulär, weil vom Vorverständnis abhängend
  27. Kritisch gegenüber einer phonologischen Abgrenzung Gabriel/Meisenberg, Romanische Sprachwissenschaft (2007), S. 136; Anke Lüdeling: Grundkurs Sprachwissenschaft. - Klett Lerntechnik, Stuttgart 2009, S. 80
  28. Anke Lüdeling: Grundkurs Sprachwissenschaft. - Klett Lerntechnik, Stuttgart 2009, S. 80
  29. Wolfgang Viereck, Heinrich Ramisch, Karin Viereck: dtv-Atlas Englische Sprache. dtv, München 2002, S. 74. ISBN 3-423-03239-1
  30. Helle Körner: Zur Entwicklung des deutschen (Lehn-)Wortschatzes. In: Glottometrics 7, 2004, S. 25-49. Tabelle S. 29.
  31. Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. 15. Auflage. dtv-Band 3025, dtv, München 2005, S. 114f. ISBN 3-423-03025-9
  32. Zitat aus den Veden

  Weblinks

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 Wikiquote: Wort – Zitate

  Videos

   
               

Wortbildung

                   

Die Wortbildung untersucht und beschreibt Verfahren und Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung neuer komplexer Wörter (Lexeme) auf der Basis schon vorhandener sprachlicher Mittel. Hierfür werden sprachliche Elemente wie einfache und komplexe Wörter, Morpheme, Affixe und Fugenelemente eingesetzt. Sie ist also eine Möglichkeit der Wortschatzerweiterung. Weitere Arten der Wortschatzerweiterung sind Entlehnung, Bedeutungswandel und Neuschöpfung. Die Wortbildung ist neben Bedeutungswandel und Entlehnung eines der Hauptverfahren der Bezeichnungsfindung beziehungsweise des Bezeichnungswandels; diese sind Untersuchungsgegenstand der Onomasiologie. Hauptverfahren im Deutschen zur Bildung neuer Wörter ist die Neukombination vorhandener Wörter oder besonderer Wortbildungselemente.

Im Einzelnen beschäftigt sich die Wortbildungslehre mit den Arten, Modellen und Mitteln der Wortbildung: diachronisch als Prozess, synchronisch als Ergebnis. Neben traditionellen, auf das Sprachsystem ('langue') bezogenen Fragestellungen, kristallisiert sich gegenwärtig eine stärker am Sprachgebrauch ('parole') orientierte Forschungsrichtung heraus (vgl. Elsen/Michel 2007 und 2011).

Inhaltsverzeichnis

  Klassifikationsmöglichkeiten

Nach Häufigkeit:

  • okkasionell: spontan entstandene, kontextabhängige Gelegenheitsbildungen; Bedeutung aus den Bestandteilen herleitbar (z. B. Mauermond, Kernvorstellung)
  • usuell: in den festen Wortschatz eingegangene Bildungen; oft demotiviert (z. B. Augenblick, Faustregel)
  • unmöglich: systematisch blockierte Bildungen, meistens durch semantische Regularitäten (z. B. *schlafbar, *tischsicher, *fehlergroß) aber auch lexikalisch blockiert (z. B. *Stehler)

Nach Produktivität:

  • produktiv: die Wortbildungsmethode ist in der Gegenwartssprache noch zur Bildung neuer Wörter verwendbar (z. B. –ung, -er, -bar)
  • unproduktiv: die Wortbildungsmethode ist in der Gegenwartssprache nicht mehr zur Bildung neuer Wörter verwendbar, war jedoch in der Vergangenheit produktiv (z. B. –t wie in Fahrt, -de wie in Freude)

  Einheiten der Wortbildung

Zu den Verfahren morphologischer Wortbildung zählen Affigierung mit Suffigierung, Präfigierung, Infigierung und Zirkumfigierung, die Komposition mit ihren Untergruppen: reine Komposition (Substantivkomposita und Adjektivkomposita) und das kombinierte Verfahren aus Komposition und Suffigierung.

Als Einheiten der Wortbildung gelten die sprachlichen Elemente, die zur Bildung neuer Wörter verwendet werden:

  • Wort: Wörter werden in Texten als Wortformen realisiert: Sohn – der Hund des Sohnes; Mann – dem Manne muss geholfen werden, Männer stehen auf der Straße.
  • Konfix: Konfixe sind Einheiten, die in Texten nur gebunden vorkommen: ident-, geo-, dog-, thermo-, bio-, -phil. Konfixe sind vor allem entlehnte Einheiten. Aber auch solche einheimischen Einheiten wie stief-, schwieger- und zimper- werden als Konfixe bezeichnet.
  • Wortbildungsaffix: Wortbildungsaffixe (auch: Derivateme genannt) sind im Gegensatz zu Wörtern gebunden und im Gegensatz zu Wörtern und Konfixen nicht basisfähig, d. h. Affixe können nicht mit sich selbst Wörter bilden: mutig, ermutigen. Die Wortbildungsaffixe werden ihrer Stellung entsprechend in Präfixe (un-, ur-), Suffixe (-heit, -lich) und Zirkumfixe (ge-…-e in Gerede) gegliedert
  • Satz und Phrase: Satz: Mein Haus steht im Wald! und Phrasen: grüne Bohnen, blaue Augen
  • Fugenelement: Zwischen segmentierbaren Einheiten befindet sich eine Fuge, sie wird mitunter durch ein Fugenelement ausgefüllt: Hochzeit-s-torte, Therm-o-meter
  • Unikale Einheit: Ehemalige Wörter (z. B. lind ‚Schlange‘) sind heute als selbstständige Einheiten veraltet, treten aber noch gebunden an eine bestimmte andere Einheit in Komposita oder expliziten Derivaten auf: Lindwurm, Schornstein, Himbeere.

  Ursachen der Wortbildung

Die Erweiterung des Wortschatzes verlangt nach der Bildung von Wörtern. Die Mehrzahl aller Wörter entsteht durch Wortbildung, seltener sind Entlehnungen oder Wortschöpfungen zu finden.

Gründe für die Entstehung von Worten können mannigfaltiger Natur sein.

  Hauptgründe

  • Benennungsbedürfnis, d. h. das Erfordernis, Bezeichnungslücken zu schließen
  • Notwendigkeit, ein neues sprachliches Zeichen zu schaffen (Nähmaschine, Umweltschutz)
  • Sprachkulturelle Ursachen als Ausgangspunkt der Wortbildung: fragenFrage, Frager, Fragerei, be-, er-, aus-, hinterfragen, fraglich, fraglos
  • Flexionslücken auffüllen: SchneeSchneemassen, KaffeeKaffeesorten, ElternElternteil
  • Eindeutigkeit schaffen: FederVogelfeder, Schreibfeder, Sprungfeder

  Spezifische Gründe

  • Bedürfnis, vorhandene Bezeichnungen zu ersetzen und zu ergänzen.

  Pragmatische Gründe

  • Wandel von FremdarbeiterGastarbeiterMenschen mit Migrationshintergrund oder auch AltersheimFeierabendheimSeniorenheim

  Sprachökonomie

Vor allem Wörter mit drei oder vier Silben werden oft gekürzt, wenn sie im sozialen Umfeld oder am Arbeitsplatz häufig gebraucht werden.

  • Familiär: JohannesHans, ElisabethLisi
  • Schule: HausaufgabenUfzgi, ComputerCompi
  • Umgangssprachlich: OperationssaalOP, UniversitätUni

  Expressivität und Ausdrucksstärke

  • sauberblitzsauber, reaktionärerzreaktionär.

  Subjektive Ursachen

  • gezieltes Einsetzen in der Werbung: Schmusewolle, Superaufprallschutz, megasauber.
  • Bestreben, eine soziale Umwertung zu erreichen: Fremdarbeiter vs. Gastarbeiter, Raumpfleger vs. Putzfrau

  Verfahren der Wortbildung

Häufige Verfahren:

  • Derivation (Ableitung) (z. B. täglich)
  • Komposition (Zusammensetzung) (z. B. Haustür)
  • Konversion (Wortart ändert sich (Wortart oder auch flektiertes Wort ohne Veränderung der Form)) (z. B. rennen und Rennen)

Seltenere Verfahren:

Ein überarbeitetes Gesamtmodell, das Forschungsergebnisse der kognitiven Sprachwissenschaft berücksichtigt, ist 2002 von Joachim Grzega aufgestellt worden. Weitere Gesamtmodelle: Donalies, Erben, Fleischer/Barz etc.

Der Vorgang der Entlehnung als Wortschatzerweiterung kann vom eigentlichen Begriff Wortbildung abgegrenzt werden, da bei ihnen eigene Gesetzmäßigkeiten herrschen. Jedes neugebildete Wort tritt zunächst okkasionell auf. Im Falle einer Usualisierung wird ein neugebildetes Wort gewöhnlich auf eine seiner Bedeutungen reduziert. Dieser Vorgang wird Lexikalisierung genannt. Es existieren Bereiche, in denen Wortbildung und Flexion sich überlappen, etwa speziell bei der Derivation. Z. B. Partizipien treten oft usualisiert auf und werden häufig als Derivate angesehen, weniger als Flexionsformen.

  Literatur

  •  Hans Altman, Silke Kemmerling: Wortbildung fürs Examen. Studien- und Arbeitsbuch. Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden: ²2000, ISBN 3525265018.
  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
  •  David Crystal: A Dictionary of Linguistics & Phonetics. Blackwell Publishing: 1997, ISBN 0631200975.
  • Elke Donalies: Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. 2. Auflage. Narr, Tübingen 2005, ISBN 3-8233-5157-5.
  • Elke Donalies: Basiswissen Deutsche Wortbildung. UTB, Tübingen. 2007, ISBN 978-3-8252-2876-7.
  • Hilke Elsen/Sascha Michel (2007): „Wortbildung im Sprachgebrauch. Desiderate und Perspektiven einer etablierten Forschungsrichtung“. In: Muttersprache 1/2007, 1-16.
  • Hilke Elsen/Sascha Michel (2011): Wortbildung im Deutschen zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch. Perspektiven – Analysen – Anwendungen. Stuttgart, ibidem, ISBN 978-3-8382-0134-4.
  • Johannes Erben: Einführung in die deutsche Wortbildungslehre. 3. neubearbeitete Auflage. Schmidt, Berlin 1993, ISBN 3-503-03038-7.
  • Edward Finegan: Language – Its Structure and Use. Harcourt Brace & Company 1999.
  • L. M. Eichinger: Deutsche Wortbildung: eine Einführung. Groos, Heidelberg 1994.
  • Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz, unter Mitarbeit von Marianne Schröder: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10682-4.
  •  Bernd Kortmann: Linguistik: Essentials. Anglistik – Amerikanistik. Cornelsen. 1999.
  • Ingeburg Kühnhold, Oskar Putzer, Hans Wellmann u. a.: Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache. Dritter Hauptteil: Das Adjektiv. Schwann, Düsseldorf 1978, ISBN 3-590-15643-0.
  • Ingeburg Kühnhold, Hans Wellmann: Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache. Erster Hauptteil: Das Verb. Schwann, Düsseldorf 1973, ISBN 3-7895-0232-4.
  • M. Matussek: Wortneubildung im Text. Helmut Buske Verlag, Hamburg 1994.
  • W. Motsch: Deutsche Wortbildung in Grundzügen. de Gruyter, Berlin/New York 1999.
  • B. Naumann: Einführung in die Wortbildungslehre des Deutschen. 2. neubearbeitete Auflage. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1986, ISBN 3-484-25004-6.
  • Susan Olsen: Wortbildung im Deutschen. Kröner, Stuttgart 1986, ISBN 3-520-66001-6.
  • Lorelies Ortner, Elgin Müller-Bollhagen, u. a.: Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache. Vierter Hauptteil: Substantivkomposita. (Komposita und kompositionsähnliche Strukturen 1). de Gruyter, Berlin/New York 1991, ISBN 3-11-012444-0.
  • Ingo Plag: Word-Formation in English. University Press, Cambridge 2003.
  • Maria Pümpel-Mader, Elsbeth Gassner-Koch, Hans Wellmann unter Mitarbeit von Lorelies Ortner: Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache. Fünfter Hauptteil: Adjektivkomposita und Partizipialbildungen. (Komposita und kompositionsähnliche Strukturen 2). de Gruyter, Berlin/New York 1992, ISBN 3-11-012445-9.
  • M. D. Stepanova, W. Fleischer: Grundzüge der deutschen Wortbildung. 1. Auflage. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1985.
  • Hans Wellmann: Deutsche Wortbildung. Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache. Zweiter Hauptteil: Das Substantiv. Schwann, Düsseldorf 1975, ISBN 3-590-15632-5.

  Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Wortbildung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
   
               

 

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