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Karl Jaspers

                   
Jaspers ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Jaspers (Begriffsklärung) aufgeführt.
  Karl Jaspers

Karl Theodor Jaspers (* 23. Februar 1883 in Oldenburg; † 26. Februar 1969 in Basel) war ein deutscher Psychiater und Philosoph, der weit über Deutschland hinaus bekannt wurde. Er lehrte u. a. in Basel und wurde 1967 Schweizer Staatsbürger.

Jaspers gilt als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie, die er vom Existentialismus Jean-Paul Sartres strikt unterschied. Er war zunächst Lehrer und anschließend lebenslanger Freund von Hannah Arendt, mit der ihn auch ein jahrzehntelanger Briefwechsel verband. Auch mit Martin Heidegger stand er in Briefwechsel, der – in der Zeit des Nationalsozialismus unterbrochen – nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch spärlich war. Mit Max Weber, Hans W. Gruhle und Kurt Schneider verband ihn eine langjährige Freundschaft. Enge Kontakte unterhielt er auch zu Alfred Weber, Eberhard Gothein und Gustav Radbruch. Er gehörte zum Marianne-Weber-Kreis. Nach 1945 war er maßgeblich an der Neugründung der Universität Heidelberg beteiligt und trat dadurch in eine lebenslange Beziehung mit deren erstem Rektor nach der Wiedereröffnung, Karl Heinrich Bauer.

Ursprünglich Mediziner, hat Jaspers grundlegend zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychiatrie beigetragen. Sein philosophisches Werk wirkt insbesondere in den Bereichen der Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie und der Interkulturellen Philosophie. Mit seinen einführenden Schriften zur Philosophie, aber auch mit seinen Schriften zu politischen Fragen wie zur Atombombe, zur Demokratieentwicklung in Deutschland oder zur Wiedervereinigung hat er hohe Auflagen erreicht und ist so auch einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Inhaltsverzeichnis

  Leben

Karl Jaspers war der Sohn des Bankdirektors und Landtagsabgeordneten Carl Wilhelm Jaspers (1850–1940) und dessen Frau Henriette geborene Tantzen (1862–1941), der Tochter des oldenburgischen Landtagspräsidenten Theodor Tantzen (sen). Der oldenburgische Ministerpräsident Theodor Tantzen war ein Onkel von Jaspers. Väterlicherseits entstammte Karl Jaspers einer wohlhabenden Bankiersfamilie, die er als liberal-konservativ bezeichnete.[1] Sein Urgroßvater hatte durch Schmuggelgeschäfte ein immenses Vermögen erworben, mit dem Karls Großvater aber verschwenderisch umgegangen war. Vor diesem Hintergrund vermittelten ihm seine Eltern Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken.

Karl Jaspers war Schüler des Alten Gymnasiums in Oldenburg.

Von Kindheit an litt Jaspers an Bronchialproblemen (angeborenen Bronchiektasen), die seine körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigten und ihn anfällig für Infektionen machten. Strikte Disziplin zur Aufrechterhaltung seiner Gesundheit bestimmte und beschränkte nach autobiographischen Zeugnissen[2] daher sein Leben, das allerdings wie das seiner Geschwister zusätzlich durch familiäre Umstände erheblich belastet war und ihn für psychologische Fragen sensibilisierte. Er war verheiratet mit Gertrud Mayer, die unter anderem als Assistentin im Jahre 1910 im Sanatorium von Oskar Kohnstamm gearbeitet hatte.

Er studierte zunächst Ende 1901 in Heidelberg und später in München drei Semester Rechtswissenschaft. Nach einem Kuraufenthalt in Sils-Maria nahm er 1902 in Berlin ein Medizinstudium auf, das er ab 1903 in Göttingen und ab 1906 in Heidelberg weiterführte. Hier wurde er mit Unterstützung von Karl Wilmanns am 8. Dezember 1908 bei Franz Nissl promoviert, dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, der ihm nach seiner Approbation von 1909 bis 1914 als Volontärassistent Gelegenheit zur Mitarbeit gab.

  Heidelberg

1907 lernte Jaspers die 1879 geborene Gertrud Mayer kennen, die Pflegerin in einer psychiatrischen Anstalt war. Gertrud war die Schwester seines Studienfreundes Ernst Mayer, der ihm als sehr wichtiger Gesprächspartner über Jahrzehnte verbunden blieb. Gertrud und Ernst Mayer entstammten einer orthodoxen jüdischen Kaufmannsfamilie. In Gertrud Mayer fand Jaspers eine kluge, ihm sehr nahestehende lebenslange Partnerin. Sie heiratete ihn 1910 und konnte die Zeit des Nationalsozialismus nur dank dieser Ehe überleben. Gertrud Mayer starb 1974 im Alter von 95 Jahren.

Max Weber, den er 1909 durch Hans Walter Gruhle kennengelernt hatte, wurde wissenschaftliches Vorbild für Jaspers. 1910/11 nahm er zeitweise am Arbeitskreis über die psychologischen Theorien Freuds und verwandter Anschauungen teil. Diese Gruppe hatte sein jüngerer Mitassistent Arthur Kronfeld aufgrund des jahrelangen Austausches mit seinem Freund, dem späteren Nobelpreisträger Otto Meyerhof, aus dem Kreis des Göttinger Philosophen Leonard Nelson heraus ins Leben gerufen. Daran beteiligt waren neben Gruhle auch Meyerhofs Kollege Otto Warburg sowie der Medizinstudent Wladimir Eliasberg, der später mit Kronfeld in der großen, europaweiten Psychotherapiebewegung in den 1920er Jahren eine bedeutende Rolle spielte. Jaspers hat diesen Kreis nie erwähnt, obwohl er später selbst eine wissenschaftliche Begründung der Psychotherapie einforderte und sich bis zu seinem Lebensende mit der Psychoanalyse und ihren weltanschaulichen Ansprüchen kritisch auseinandersetzte.

  Jaspers Lehrbuch der Allgemeinen Psychopathologie, 1913

Am 13. Dezember 1913 legte Jaspers als gerade Dreißigjähriger mit Unterstützung von Nissl und Weber an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg bei Wilhelm Windelband sein Lehrbuch der Allgemeinen Psychopathologie als Habilitationsschrift vor und konnte sich für Psychologie habilitieren. Mit dieser Schrift hinterließ Jaspers bei seinem Wechsel in die Philosophie der Psychiatrie ein bis heute richtungweisendes Werk, das in der Fachwelt umgehend große Anerkennung fand. Mit seiner Erweiterung des psychiatrischen Methodenarsenals um die psychische Krankheitserscheinungen beschreibende psychologisch-phänomenologische Methode überwand Jaspers Vorbehalte seitens der Hirnforschung bezüglich der von ihm so genannten Hirnmythologie und ging gleichzeitig deutlich über den experimental-psychologischen Ansatz Wilhelm Wundts hinaus, der vor ihm von Emil Kraepelin in die Psychiatrie eingebracht worden war.

Bereits nach zwei Jahren Lehrtätigkeit am Philosophischen Seminar wurde Jaspers dort 1916 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1920 konnte er die Nachfolge von Hans Driesch antreten und damit zum Extraordinarius aufrücken. Im selben Jahr begann seine Freundschaft mit Martin Heidegger, die bis zu dessen Eintritt in die NSDAP dauerte.

Noch schneller wurde Jaspers ordentlicher Professor: 1921 führten Bleibeverhandlungen wegen an ihn ergangener Berufungen dazu, dass für ihn ein persönliches Ordinariat eingerichtet und er damit neben Heinrich Rickert 1922 Mitdirektor des Seminars wurde.

Nach Ausbildung und Haltung bestand zu Rickert eine erhebliche Distanz, die sich auch in beider Auffassung von Philosophie niederschlug. Für Rickert – als neukantianisch eingestellten wissenschaftsorientierten Philosophen – war schon die Berufung des fachfremden Jaspers mit seinem psychologischen Hintergrund, vor allem aber seine Orientierung an der Seinsfrage, schwer zu akzeptieren. Über die unterschiedliche Bewertung von Leistung und Person des von Jaspers hoch geschätzten Max Weber kam es früh auch zum persönlichen Bruch zwischen Jaspers und Rickert.

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Jaspers auf eine intensive und tiefe Einarbeitung in die Geschichte und Systematik der Philosophie. Zunächst las er über die großen Philosophen und begann ab 1927 mit der Ausarbeitung seines dreibändigen Hauptwerks Grundriss der Philosophie, die er ab 1924 im regen Austausch mit seinem Freund und Schwager Ernst Mayer entwickelte.

  Unterbrechung der Lehrtätigkeit 1937 bis 1945

Von den 1933 sofort eingeleiteten Maßnahmen der nationalsozialistischen Machthaber zur Gleichschaltung der Universitäten in Deutschland war Jaspers trotz seiner – nach dem Nazi-Jargon – „jüdischen Versippung“ durch seine Ehe zunächst kaum betroffen; da er jedoch nicht bereit war, sich von seiner Frau zu trennen, wurde er Ende September 1937 in den Ruhestand versetzt und ab 1938 mit Publikationsverbot belegt.[3] Seine Arbeiten und Studien setzte Jaspers ungeachtet dessen konsequent fort. Viele langjährige Freunde hielten zu ihm, so dass er nicht isoliert war. Er stand jedoch ständig unter der Bedrohung durch die Nationalsozialisten, die ihn noch am 14. April 1945 in ein KZ verschleppen wollten, wie er kurz vorher, Anfang März, von einem Freund erfuhr. Jaspers hatte für diesen Fall vorgesorgt und verfügte für sich und seine Frau über Zyankali; es zu benutzen wurde ihm jedoch erspart, da die US-Armee Heidelberg am 30. März befreite.

Aufgrund seiner untadeligen Haltung während der NS-Diktatur war Jaspers einer der profiliertesten Wissenschaftler, die nach 1945 zur Neubegründung und Wiedereröffnung der Universität Heidelberg beitragen konnten. Er zählte zum am 5. April 1945 mit Billigung der amerikanischen Besatzungsbehörde gebildeten 13er Ausschuss zum Wiederaufbau der Universität.[4]

  Basel

Persönlich hochgeachtet durch die Wahl zum Ehrensenator der Universität Heidelberg im Jahre 1946 und die Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt im Jahr darauf, aber bald enttäuscht von der weiteren allgemein- und hochschulpolitischen Entwicklung im Nachkriegsdeutschland, nahm Karl Jaspers den Ruf nach Basel an und wechselte 1948 als Nachfolger auf den dortigen Lehrstuhl von Paul Häberlin. Als Reaktion auf die Wahl des ehemaligen NSDAP-Mitglieds Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie die Verabschiedung der Notstandsgesetze 1967 erwarb er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er gab weiterhin immer wieder stark beachtete Stellungnahmen zu Zeitfragen wie auch zu wissenschaftlichen Themen wie beispielsweise zur Psychoanalyse ab. 1969 starb er in Basel.

  Werk

  Psychiatrie

Karl Jaspers war unter den ersten deutschen Psychiatern des 20.Jahrhunderts, die die philosophischen Vorannahmen ihrer Disziplin untersuchten und reflektierten. Zu den damaligen Pionieren gehörten ferner die Psychiater Ernst Kretschmer (Sensitiver Beziehungswahn, 1918), Arthur Kronfeld (Das Wesen des psychiatrischen Erkennens, 1920), Ludwig Binswanger (Einführung in die Probleme der Allgemeinen Psychologie, 1922) und andere wie Otto Meyerhof, der unter Rückgriff auf die Philosophie des Kant-Nachfolgers Jakob Friedrich Fries wie sein Freund Kronfeld schon 1910 mit Beiträgen zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen zu einer wissenschaftlich adäquaten und tragfähigen Grundlegung der Psychiatrie beizutragen versucht hatte.

Jaspers bezog sich auf Husserls frühe Arbeiten zur deskriptiven Psychologie und Wilhelm Diltheys viel diskutierte Unterscheidung von „Erklären“ und „Verstehen“, mit der er die Psychopathologie auch in methodologischer Hinsicht ergänzte. Der Begriff „Verstehen“ seinerseits wird dabei unterteilt in den des „genetischen Verstehens“ und des „statischen Verstehens“. Während das statische Verstehen dem deskriptiven Anspruch der Psychopathologie im Sinne der Erstellung eines „Befundes“ diene, könne man sich dank des „genetischen Verstehens“ einfühlen und erkennen, wie „Seelisches aus Seelischem hervorgeht“.[5] Dies stellt in seiner Abgrenzung aber auch ein heute noch erörtertes Methodenproblem dar. Jaspers’ Annahme, dass bestimmte psychopathologische Phänomene sich geradezu dadurch auszeichnen würden, dass sie sich dem genetischen Verstehen entziehen, wird bis heute kontrovers diskutiert.[6][7]Zu diesem Methodenproblem hat Jaspers selber jedoch später trotz nachdrücklicher Bitte von Kurt Schneider nichts mehr beigetragen.[8]

Jaspers legte besonderen Wert darauf, die Grenzen der psychopathologischen Methode zu bestimmen. Hierzu beschrieb er ausführlich „psychiatrische Vorurteile“ wie die sogenannte Hirnmythologie, nach der Geisteskranke Gehirnkranke sein sollen. Auch die theoretischen Annahmen Freuds rechnete er zu den Vorurteilen, die es in der Psychiatrie zu bekämpfen gelte.

Er betonte, dass seelische Prozesse immer nur indirekt zugänglich seien, nämlich durch die Mitteilungen von Patienten über ihre Erlebnisse. Sichere Parameter für eine seelische Störung ließen sich hieraus nicht ableiten, wodurch die psychopathologische Analyse sich grundsätzlich von naturwissenschaftlichen Verfahren unterscheide.

Jaspers’ Allgemeine Psychopathologie gilt als der „Beginn einer methodisch reflektierten psychopathologischen Forschung“ (Max Schmauß) – neben Wilhelm Griesinger, der nach Binswanger der „Psychiatrie ihre Verfassung“ gab, indem er „seelische Krankheiten [als] ‚Erkrankungen des Gehirns‘“ definierte, sowie Emil Kraepelin, der als erster ein brauchbares nosologisches Bezugssystem in der Psychiatrie eingeführt hat.

  Philosophie

  Ausgangspunkte

Wichtige Quellen der Philosophie von Karl Jaspers sind Kierkegaard, Spinoza, Nietzsche und vor allem Husserl[9] und Kant, dem er jedoch vorhielt, dass er die Dimension des Zwischenmenschlichen, insbesondere der Liebe, nicht erfasse.[10] Seine Philosophie ist außerdem stark von lebensphilosophischen Elementen durchzogen. In einer sinnlosen Wirklichkeit, in der die Naturwissenschaften keine Hilfe bei der Selbstvergewisserung bieten, brauche der Mensch eine illusionslose Sicht seiner Existenz als Grundlage seiner Handlungsentscheidungen.

Seine Psychologie der Weltanschauungen aus dem Jahre 1919 ist ein Übergang von der Psychologie zur Philosophie und kann als erstes Werk der modernen Existenzphilosophie eingestuft werden. Jaspers interessierte sich vor allem für die seelischen Antriebe, die Weltanschauungen begründen. Bereits hier problematisierte er die „Grenzsituationen“ wie Tod, Leiden, Schuld, Geschichtlichkeit, die die Erfahrungen des Menschen bestimmen, an denen er mit rationalem Denken scheitere, und in denen der Mensch Skeptizismus und Nihilismus überwinden kann, indem er sich als Existenz gegenüber der Transzendenz bewusst wird. Für ihn hatte dieses Buch

„nur Sinn für Menschen, die beginnen, sich zu verwundern, auf sich selbst zu reflektieren, Fragwürdigkeiten des Daseins zu sehen, und auch nur Sinn für solche, die das Leben als persönliche, irrationale, durch nichts aufhebbare Verantwortung erfahren“ (Vorwort).

Das Menschenbild in Jaspers’ Philosophie ist geprägt durch eine vierstufige Seinsweise als Verwirklichungsdimensionen des Menschen:

  1. das biologische Dasein als rücksichtsloser, vitaler Daseinswille mit Macht-, Geltungs- und Genussinteressen – zugleich der Erfahrungsraum, in dem Phänomenologie und Positivismus ihre Grenzen finden;
  2. das Bewusstsein überhaupt als Medium des objektiven Denkens im Sinne des kantischen Verstandes (das Ichsein), das den Bereich der Logik bestimmt;
  3. der Geist als Teilhabe an ganzheitlichen und sinnstiftenden Ideen, der den Zusammenhang in der Zerstreutheit des Wissbaren und Erfahrbaren erzeugt;
  4. die Existenz als das, was der Mensch sein kann, als nicht mehr empirisch fassbare Ebene des eigentlichen Selbstseins, als Möglichkeit des wahren Menschseins.

Nach einer Schreibpause, die intensiven Studien und Vorarbeiten gewidmet war, veröffentlichte Jaspers 1931 als 1000. Band der Sammlung Göschen die erste rein philosophische Schrift über Die geistige Situation der Zeit, in der er sich kritisch mit Themen der Massengesellschaft, der Entfremdung und der Herrschaft der Technisierung auseinandersetzte. Nur im alle Sachkunde nutzenden, aber diese überschreitenden Denken könne der Mensch er selbst sein und die Massendaseinsordnung bewältigen.

Bei dieser grundsätzlichen Schrift, die auch eine Warnung vor der Verführung durch Bolschewismus und Faschismus darstellte, handelte es sich um eine Vorarbeit zu seinem 1932 erschienenen dreibändigem Hauptwerk, das er schlicht Philosophie nannte. Die Bände tragen die Titel: I. Philosophische Weltorientierung; II. Existenzerhellung, III. Metaphysik. Mit dieser Dreiteilung übernahm Jaspers die klassische philosophische Struktur der Fragen nach dem Kosmos, der Seele und Gott.

  Philosophie, eine Wissenschaft?

Philosophie war für Jaspers keine Wissenschaft, sondern vielmehr Existenzerhellung, die sich mit dem Sein als Ganzes befasst. Jede Äußerung zur Philosophie ist so gesehen selbst schon Philosophie. Philosophie tritt da auf, wo Menschen wach werden. Philosophie ist das Gewahrwerden der eigenen Ohnmacht und Schwäche. Jaspers unterschied damit wissenschaftliche Wahrheit von existentieller Wahrheit. Während die eine intersubjektiv nachvollziehbar ist, könne man bei der anderen nicht von Erkenntnis sprechen, da sie sich auf transzendente Gegenstände (Gott, Freiheit) richtet. Wissenschaft kennt Fortschritt, Philosophie nach seiner Auffassung nicht.

„Wir dürfen kaum sagen, daß wir weiter seien als Plato. Nur im Material der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die er benutzt, sind wir weiter. Im Philosophieren selbst sind wir noch kaum wieder bei ihm angelangt.“ (Einführung, 9)

Jaspers wandte sich strikt gegen eine Vermengung der Philosophie, wie er sie verstand, mit einer Philosophie, die mit der Wissenschaft wetteifern will und sich auf deren Methoden beschränkt. Diese macht sich zur Magd der Wissenschaft. So kommentierte er Husserls „Philosophie als strenge Wissenschaft“ als „ein Meisterwerk auch in seiner vor keiner Absurdität zurückschreckenden Konsequenz“. Und der sprachanalytischen Philosophie Carnapscher Prägung hielt er vor:

„Das Unlogische in der Grammatik ist zu gutem Teil Ausdruck von Wahrheiten, die sich der formalen Logik entziehen. Das formal Logische ist nur eines der Gerüste der Sprache, nicht absolut gültig, wenn auch unerlässlich. Die Betrachtung der Sprache unter formallogischen Gesichtspunkten erkennt die Sprache nur als Zeichensprache und hat die Tendenz, die Sprache zu reinigen, bis sie – im Verlust ihres Lebens – nur noch Zeichensprache ist.“ (Wahrheit, 447)

Wissenschaft sei methodische Erkenntnis, auf hypothetischer Basis zwingend gewiss und allgemeingültig im Sinne von Intersubjektivität. Sie habe aber ihre Grenzen im Absoluten, in der unüberwindbaren Endlosigkeit und der Unerreichbarkeit der Einheit der Welt. Wissenschaft sei begrenzt auf das Dasein, das Bewusstsein überhaupt und den Geist. Die Existenz aber bleibe unerfasst von der Wissenschaft.

Die Erkennbarkeit der Welt im Ganzen sei ein Aberglaube, wie er im Marxismus, der Psychoanalyse und Rassentheorien gegeben ist. Bei diesen seien Soziologie, Psychologie und biologische Anthropologie in Weltanschauungen verwandelt worden und somit zum „Afterbild der Philosophie“ geworden. In dieser Einschätzung war er Popper so nahe wie selten.

Für die Philosophie gibt es nach Jaspers keinen externen Standpunkt, von dem aus man sie überblicken, vergleichen oder definieren kann: „Wahrheit, deren Richtigkeit ich beweisen kann, besteht ohne mich selber. […] Wahrheit, aus der ich lebe, ist nur dadurch, dass ich mit ihr identisch werde.“ (Glaube, 11). Der Gegenstand der Philosophie sei außerhalb der Gegenstandserkenntnis. Aus diesem Grunde habe die Philosophie ein Mitteilungsproblem. Sie könne ihren Gegenstand nur indirekt ansprechen und ihn nur erfassen, indem sie ihn transzendiert.

  Existenz – Transzendenz – Das Umgreifende

Existenz und Transzendenz sind für Jaspers nicht gegenständlich. Das Sein selbst sei nicht als Gegenstand aufzeigbar, ebenso wenig wie das Ich, durch das die Gegenstände konstituiert werden. Nur in dem Maße, in dem der Mensch zu sich selber findet, sei der Mensch Existenz. Das Transzendente begegnet dem Menschen in Chiffren. Darunter versteht er nicht, wie man meinen könnte, geheime Zeichen oder Symbole, sondern Denkerlebnisse, die dem Menschen materiell nicht Erfassbares vermitteln (z. B. Chiffre der Transzendenz: Gott – der Eine; Chiffre der Natur: Weltall). Obgleich Chiffren „in der Schwebe“ bleiben, gehen von ihnen wirkungsmächtige Impulse aus.

Existenz ist stets auf den Anderen gerichtet. Das Selbstsein bedarf wesentlich der Kommunikation mit anderen Menschen. In der Kommunikation von Mensch zu Mensch realisiert sich Philosophie im „liebenden Kampf“, in dem Angriff und Rechtfertigung nicht dem Gewinn von Macht dienen, sondern Menschen sich gegenseitig nahe kommen und sich einander ausliefern. So erreicht man das „Innewerden des Seins“, die „Erhellung der Liebe“ und die „Vollendung der Ruhe“.

In der Schrift Vernunft und Existenz (1935) führte Jaspers seinen Schlüsselbegriff „das Umgreifende“ ein, das sich in der Existenz des Menschen sowie in der Transzendenz des Ganzen der Welt widerspiegelt, ohne dass der Mensch es je in seiner Ganzheit erfassen kann. In seinem 1947 erschienenen Werk Von der Wahrheit (Band 1 der philosophischen Logik) entwickelte er diese Gedanken weiter. Beim Begriff Transzendenz unterschied Jaspers die eigentliche Transzendenz und die Transzendenz aller immanenten Weisen des Umgreifenden: „Wir transzendieren zu jedem immanenten Umgreifenden, d. h. wir überschreiten die bestimmte Gegenständlichkeit zum Innewerden des sie Umgreifenden; es wäre daher möglich, jede Weise des [immanenten] Umgreifenden eine Transzendenz zu nennen, nämlich gegenüber jedem in diesem Umgreifenden fassbar Gegenständlichen.“ (S. 109)

Die eigentliche Transzendenz nannte er auch die Transzendenz aller Transzendenzen sowie das Umgreifende schlechthin oder das Umgreifende des Umgreifenden; sie ist für ihn das eigentliche Sein (S. 108). In seinem philosophischen Glauben (siehe den folgenden Abschnitt „Philosophischer Glaube und Offenbarungsreligionen“) verwendet er den Begriff Transzendenz noch in einer dritten Bedeutung, und zwar als Synonym für Gott (u. a. in Chiffren der Transzendenz, S. 43). Die eigentliche Transzendenz wird ihrerseits nicht mehr umgriffen, weder für sich allein, noch zusammen mit der Immanenz, da sie eben selbst das Allumgreifende ist. Sie umgreift die folgenden Weisen des Umgreifenden:

  1. die immanenten Weisen des Umgreifenden:
    a) das Dasein,
    b) das Bewusstsein überhaupt,
    c) Geist,
    d) Welt;
  2. die transzendenten Weisen des Umgreifenden:
    a) die Transzendenzen, die nicht die eigentliche sind, somit die Transzendenz der immanenten Weisen des Umgreifenden und die Transzendenz (Gott),
    b) Existenz.

Das Umgreifende gemäß 1 a) bis c) und gemäß 2 b), also Dasein, Bewusstsein, Geist und Existenz, bezeichnete Jaspers auch als das Umgreifende, das wir selbst sind oder sein können, das Umgreifende der eigentlichen Transzendenz und der Welt als das Umgreifende, das das Sein ist. Die Transzendenz (Gott) kann offensichtlich weder das Umgreifende sein, das wir (Menschen) sind, noch das Umgreifende, das das Sein ist, da Gott nicht das Sein, sondern ein Seiender ist; sie muss daher als ein Umgreifendes eigener Art angesehen werden. Jaspers bezeichnet sie als „das Andere“ (Chiffren der Transzendenz, S. 99).

Existenz hat insofern eine Sonderstellung, als diese, in der Transzendenz begründet, vor der eigentlichen Transzendenz steht. Sie beseelt das Immanente und verwirklicht das Umgreifende, das ich selbst bin. Sie ist nicht Sein, sondern Seinkönnen; sie steht ständig in der Wahl zu sein oder nicht. „Sie muss sich über sich entscheiden. Ich bin nicht nur da, bin nicht nur der Punkt eines Bewusstseins überhaupt, bin nicht nur Stätte geistiger Bewegungen und geistigen Hervorbringens, sondern ich kann in diesen allen ich selbst sein oder in ihnen verloren sein.“ (Von der Wahrheit, S. 77) Streng genommen ist es nicht „die Existenz“, die sich entscheidet, sondern jeweils der Mensch: Findet er in Dasein, Bewusstsein überhaupt und Geist sich selbst und seine Freiheit und wird sich seines Grundes in der Transzendenz bewusst, dann verwirklicht sich für ihn das Sein der Existenz, anderenfalls ist für ihn nur Dasein, nicht Existenz. Der Existenzbegriff bei Jaspers, der immer nur von „möglicher Existenz“ spricht, ist also ein anderer als der bei Heidegger, der Existenz als „Seinsform“ des Menschen definierte.

Als Verbindendes aller Weisen des Umgreifenden sah Jaspers die Vernunft als Wille zur Einheit, als Bewegung ohne gesicherten Bestand, als grenzenlose Offenheit. Die Weisen des Umgreifenden sind nicht objektivierbar.

„Aus jeder Weise des Umgreifenden, das wir sind, nicht nur aus dem Bewusstsein überhaupt, dem die zwingende Einsicht zugehört, sondern aus Dasein, Geist und Existenz erwächst ein eigentümlicher Wahrheitssinn.“ (Existenzphilosophie, 29)

Wahrheit des Daseins ist nach Jaspers pragmatische Wahrheit, ist das, was im Leben nützt. Wahrheit des Bewusstseins überhaupt ist Wahrheit im Gegenständlichen der Wissenschaften, insbesondere in der Mathematik. Wahrheit im Geiste ist Erkenntnis der Idee. Existenzielle Wahrheit basiert auf Kommunikation mit dem Anderen und ist an das persönliche Vollziehen gebunden. Wie die verschiedenen Wahrheitsbegriffe zeigen, sind die Weisen des Umgreifenden nicht aufeinander reduzierbar und müssen im Sinne der Ganzheit jeweils vollzogen werden.

Die Existenz des Menschen ist bestimmt durch die Freiheit, die sich weder beweisen noch widerlegen lässt, die aber den Menschen ständig in Entscheidungssituationen stellt und sich in dessen Lebenspraxis offenbart. Durch die Freiheit wählt der Mensch sich selbst. Zum Selbstsein gehört auch die Kommunikation in der Beziehung zum anderen. „Niemand kann allein selig werden.“

Auf dem Wege zu sich selbst stößt der Mensch auf Grenzsituationen. Er lernt, dass er mit den Fragwürdigkeiten der faktischen wissenschaftlichen Weltorientierung an den Abgrund des schlechthin Unbegreiflichen stößt. In Tod, Kampf, Leiden und Schuld zeigt sich die Ausweglosigkeit, ein Scheitern zu verhindern. Nur im „Annehmen“ dieser Situation kann der Mensch zu seiner „eigentlichen“ Existenz gelangen.

Jaspers’ Philosophie ist häufig als irrational bezeichnet worden. Doch dies wird wiederum mit folgenden Argumenten bestritten. Einerseits hatte Jaspers durchgängig ein positives Verhältnis zu den Naturwissenschaften und der rationalen Philosophie. Im Gegenteil sprach er (aus erkenntnistheoretischer Sicht problematisch) den Wissenschaften ungeprüft fraglose Geltung zu (Rechenschaft und Ausblick). Andererseits ist seine Philosophie vom freien Individuum her gedacht, welches – in Kommunikation mit anderen – eigene Ideen und Handlungsweisen für sich finden muss. Insofern war Jaspers zu keiner Zeit ein Ideologe, der für seine Philosophie die absolute Wahrheit beanspruchte.

Seine Grundfrage nach dem Ganzen des Seins und der Erhellung der Existenz setzt dort ein, wo alle Fragen der wissenschaftlichen Erkenntnis und der Vernunft beantwortet sind und nicht mehr weiterhelfen. Seine Antworten sind keine metaphysische ‚Spekulation‘, sondern zeigen die Offenheit der Entscheidung und der Verantwortung des Menschen in seiner Freiheit. Sein philosophischer Ansatz ist vorwärts gerichtet im Gegensatz zu dem Heideggers, dem er eine ontologische Fixierung auf die Existentialien vorhielt.

Auch vom Nihilismus des Existenzialismus grenzt sich die Philosophie Jaspers’ ab, indem sie dem Einzelnen in der Existenzerhellung sein mögliches Selbstbewusstsein bewusst macht und ihn auffordert, in der Freiheit seine Verantwortung wahrzunehmen. Insbesondere die Vorstellungen des Ekels des Menschen vor sich selbst oder das Verdammtsein zur Freiheit bei Sartre sind Jaspers fremd, auch wenn in vielen Gedanken die Verwandtschaft zum Existentialismus zu finden ist. Freiheit ohne Bezug zur Transzendenz ist für ihn nicht möglich.

  Philosophischer Glaube und Offenbarungsreligionen

Jaspers hat, wie z. B. Aristoteles, die Neuplatoniker und Spinoza, einen ausgearbeiteten philosophischen Gottesglauben entwickelt. Gottesglaube gilt ihm als wesentlicher Bestandteil eines umfassenderen philosophischen Glaubens, den er 1948 in Der philosophische Glaube begründete, 1950 in Einführung in die Philosophie, 1961 in seiner letzten Vorlesung Chiffren der Transzendenz und 1962 in Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung erweiterte. Er bringt ihn in den folgenden Sätzen zum Ausdruck (Einführung, S. 83):

  1. Gott ist.
  2. Wir können in Führung durch Gott leben.
  3. Es gibt die unbedingte Forderung im Dasein.
  4. Der Mensch ist unvollendet und nicht vollendbar.
  5. Die Realität in der Welt hat ein verschwindendes Dasein zwischen Gott und Existenz.
Zu 1
„Nur wer von Gott ausgeht, kann ihn suchen. Eine Gewissheit vom Sein Gottes, mag sie noch so keimhaft und unfassbar sein, ist Voraussetzung, nicht Ergebnis des Philosophierens.“ (Der philosophische Glaube, S. 33). Für Jaspers ist Gott zwar die einzige unvergängliche Wirklichkeit, allerdings unerweisbar (Einführung, S. 49). Ein Erdenken, was Gott sei, sei unmöglich (Der philosophische Glaube, S. 34). Daher sei nicht oder nur wie ein Schleier, was immer wir uns in Ansehung Gottes vor Augen stellen (Einführung, S. 46). Hinweis auf das alttestamentliche „kein Bildnis und kein Gleichnis“. Die gleichwohl im AT zahlreich enthaltenen Bilder, Vorstellungen und geschilderten Begegnungen mit Gott sind für Jaspers lediglich Chiffren der Transzendenz, zwar notwendig als Ausgang für die Suche nach Gott, transzendierend jedoch zu überwinden, um zum reinen Glauben zu gelangen (Vorlesung Chiffren der Transzendenz), in dem Gott nur als „leisestes Bewusstsein“ gegenwärtig ist (Einführung, S. 47). Der Glaube zieht sich somit für Jaspers auf ein Minimum an der Grenze des Unglaubens zurück (Der philosophische Glaube, S. 23).
Zu 2
Die Führung durch Gott geschehe auf dem Wege über die Freiheit des Handelnkönnens, wenn der Mensch Gott höre. Gottes Stimme liege in dem, was dem Menschen aufgehe in Selbstvergewisserung, wenn er aufgeschlossen sei für alles, was aus Überlieferung und Umwelt an ihn herantritt. Der Mensch finde jedoch nie eindeutig und endgültig Gottes Urteil: Niemand wisse in objektiver Garantie, was Gott wolle, daher das Wagnis des Verfehlens (Der philosophische Glaube, S. 63 f und Einführung, S. 66-68).
Zu 3
Im Alltag ist unser Verhalten von Zwecken (Bedingungen) bestimmt, die sich aus unserem Daseinsinteresse ergeben, aber auch von Gehorsam gegenüber Autoritäten (Einführung, S. 53). „Unbedingte Handlungen [hingegen] geschehen in der Liebe, im Kampf, im Ergreifen hoher Aufgaben. Kennzeichen […] des Unbedingten ist, dass das Handeln gegründet ist auf etwas, dem gegenüber das Leben als Ganzes bedingt und nicht das Letzte ist.“ (Einführung, S. 51.) Unbedingtheit ist aus einer Freiheit, die gar nicht anders kann. „Die Unbedingtheit wird […] zeitlich offenbar in der Erfahrung der Grenzsituationen und in der Gefahr des sich untreu Werdens.“ (Einführung, S. 57). Sie ist die Entscheidung zwischen gut und böse. Gut sein heißt, das Leben unter die Bedingung des moralisch Gültigen zu stellen, im Konfliktfall auch gegen eigene Glücks- und Daseinsinteressen (Einführung, S. 58).
Zu 4
Jaspers spricht von der „Brüchigkeit des Menschen im Grunde“, von Ohnmacht, Schwäche und Scheitern.
Zu 5
„Zum verschwindenden, zwischen Gott und Existenz sich vollziehendem Weltsein gehört ein Mythos, der – in biblischen Kategorien – die Welt als Erscheinung einer transzendenten Geschichte denkt: Von der Weltschöpfung über den Abfall und dann durch die Schritte des Heilsgeschehens bis zum Weltende und zur Herstellung aller Dinge. Für diesen Mythos ist die Welt nicht aus sich, sondern ein vorübergehendes Dasein im Gang eines überweltlichen Geschehens. Während die Welt etwas Verschwindendes ist, ist die Wirklichkeit in diesem Verschwindenden Gott und die Existenz.“ (Einführung, S. 82)

Es gibt keine Äußerung von Jaspers, aus der geschlossen werden könnte, dass er auch an ein Leben nach dem Tode geglaubt hätte. Die Ewigkeit ist für ihn nicht eine unaufhörliche Dauer, sondern der erfüllte Augenblick.

Der philosophische Glaube ist klar von den Offenbarungsreligionen abzugrenzen: Jede Offenbarung, so Jaspers, sei bereits vom Menschen formulierte Endlichkeit. Das Bekennen, in Form einer absoluten Wahrheit, trenne die Menschen, öffne den Abgrund der Kommunikationslosigkeit und schränke die Wahrheit anderer ein. Offenbarungsreligionen dürfen demnach verkündigen, aber nicht erwarten, dass die anderen ihrem Glauben folgen (Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, S. 534).

Philosophischer Glaube ist ohne Kult, ohne personifizierendes Gebet und ohne Glaubensgemeinschaft (siehe zu diesem Themenkreis auch die Natürliche Theologie) als philosophische Besinnung möglich. Für diese Art des Glaubens gibt es keine Sicherheit, er ist angewiesen auf das Innerste, wo „die Transzendenz sich fühlbar macht oder ihm (dem Menschen) ausbleibt.“ (S. 527.) Jaspers geht davon aus, dass auch im Offenbarungsglauben die Möglichkeit der menschlichen Freiheit besteht, obwohl er lange Zeit als Mittel der politischen Macht benutzt wurde und wird (S. 532.) Die Verbindung zwischen philosophischem Glauben und Offenbarungsglauben bestehe darin, dass es „dem, der auf der einen Seite steht, geschehen kann, den eigenen Glauben angesichts des anderen fragwürdig zu finden“ (S. 534.) Es gebe zwar keine Gleichzeitigkeit der beiden Denkweisen im selben Menschen, jedoch die uneingeschränkte Achtung vor dem anderen Menschen. „Jede Geschichtlichkeit kann die andere in ihrem existenziellen Ernst lieben und sich ihr in einem Übergreifenden verbunden wissen.“ (S. 536.)

  Ethik

Jaspers lehnte eine explizite Ethik als Gehäuse von Weltbildern ab, weil er die individuelle Wahlfreiheit prinzipiell nicht eingeschränkt sehen wollte. Aber die Möglichkeit der menschlichen Selbstverwirklichung ist notwendige Bedingung zum eigentlichen Selbstsein, das den Leitfaden praktischen Handelns ausmacht. Die eigene Existenzerhellung erreiche man durch „innere Aneignung“, „Gelassenheit im Wissen“, „tiefe Heiterkeit“, „Offenheit gegen sich und andere“ und „Tapferkeit“ (Philosophie II. Grenzsituationen). Es ist die Vernunft, die den Weg zu der individuellen Selbstverwirklichung weist und die moralischen und politischen Einstellungen wie „Redlichkeit“, „Wahrhaftigkeit“, „Uneigennützigkeit“ oder „Verantwortungsbereitschaft“ zur Geltung bringt (insbes. in: Von der Wahrheit). Höchstes moralisches Prinzip ist für Jaspers das in der Liebe gründende Prinzip des Guten, das von der Transzendenz (Gott) als „unbedingte Forderung“ an den Menschen gestellt wird, der sich selbst treu bleiben will (siehe vorstehenden Abschnitt „Philosophischer Glaube“).

  Geschichte und Weltphilosophie

Während die Geschichtlichkeit des Menschen in seinem Selbstwerden für Jaspers schon immer ein Element des Grundverständnisses der menschlichen Existenz war, wendete er sich insbesondere nach 1945 immer mehr den Fragen der Philosophiegeschichte als konstituierendem Element einer Philosophia perennis (Aussagen über universal gültige Wahrheiten) zu, die jedoch niemals vollständig zu verwirklichen sei. Philosophie entsteht nicht aus der Reinheit selbständiger Anschauung, sondern immer schon durch – zumeist ungemerkte und ungeprüfte – Assimilation und Führung bereits bestehender Begriffe. Das Bewusstsein der Geschichtlichkeit ist eine Voraussetzung des existentiellen Philosophierens.

Der Dialog, die Kommunikation mit den „großen“ Philosophen öffnet einen Raum des Philosophierens, in dem man über grundlegende Fragen in ein Gespräch kommt, das es ermöglicht, sich das Denken dieser herausragenden Personen der Philosophiegeschichte anzueignen und eigenes Denken zu entwickeln.[11] Dabei kommt es nicht auf das historisierende Nacherzählen an, sondern auf den Bezug zur eigenen Existenz. Die Autorität der großen Werke ermöglicht das Wiederfinden des eigenen Ursprungs.

So sind Jaspers Studien über die großen Philosophen keine historischen Arbeiten – das wird häufig kritisch angemerkt –, sondern philosophische Auseinandersetzungen im Rahmen einer Gesamtschau des jeweiligen Denkens. „Philosophie geht uns an als sie selber in ihrer Kraft, die durch die großen Philosophen zu uns gelangt, nicht als historisches Wissen von ihr.“ Historisch betrachtet sei die Philosophie lediglich ein Bericht über eine Kette von Irrtümern.

Jaspers griff eine kleine Gruppe von „großen“ Philosophen heraus und bildete eine Rangfolge ihrer Bedeutung:

Es fehlen Aristoteles, Thomas und Leibniz, die nach Jaspers nicht ins Innerste der Philosophie führen und somit keine Verwandlung des „Selbstbewusstseins“ bewirken.

Aus seiner Betrachtung dieser großen Philosophen heraus entwickelte Jaspers die Idee der Achsenzeit sowie des Ursprungs der Philosophie aus mindestens drei Quellen: China, Indien und Griechenland. Diese Einsicht sowie die sich durch Technik, insbesondere Verkehrstechnik der modernen Zeit, zu einer einheitlichen Gemeinschaft entwickelnde Weltsituation führte Jaspers zu der Idee einer Weltphilosophie, also einer sehr frühen Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Globalisierung.

„Wir suchen heute den Boden, auf dem Menschen aus allen Glaubensherkünften sich über die Welt hin sinnvoll begegnen können, bereit, ihre je eigene Geschichte neu anzueignen, zu reinigen und zu verwandeln, aber nicht preiszugeben.“ (Offenbarung, 7)

Eine universale Kommunikation als erhellende existentielle Begegnung ist durch ein gestuftes Vorgehen möglich. Es umfasst:

  • das Vergleichen, mit dem man das Gemeinsame ebenso wie das Fremde erkennt;
  • das Verstehen als Teilnahme am Anderen;
  • den gemeinsamen Kampf um die Wahrheit (als „Frage, Einwand, Widerlegung, Infragestellung, Hören, Selbstbleiben“);
  • die Aneignung, d. h. Veränderung mit Erweiterung und Gewinn auf beiden Seiten.

Jaspers’ Philosophie ist Existenzphilosophie, Philosophie des Umgreifenden und zugleich noch mehr. Sie ist nicht Philosophie des Seins oder des Seienden, sondern Philosophie der Möglichkeit der Existenz, der Offenheit und Verantwortung, die – aus der Geschichtlichkeit kommend – als Weltphilosophie zugleich die Perspektive öffnet für eine interkulturelle Philosophie.

Dabei hat Jaspers die Zuschreibung abgelehnt, er habe eine neue Philosophie entworfen. Er betonte stets, dass seine Philosophie nur das aufnehme, was sich aus der aktuellen Zeit als Weise der Philosophiegeschichte ergebe.

„Die Vielfachheit des Philosophierens, die Widersprüche und die sich gegenseitig ausschließenden Wahrheitsansprüche können nicht verhindern, dass im Grunde Eines wirkt, das niemand besitzt und um das jederzeit alle ernsten Bemühungen kreisen: die ewige eine Philosophie, die philosophia perennis.“ (Einführung, 17)

  Jaspers – Heidegger – Arendt

Martin Heidegger und Karl Jaspers standen sich als junge Akademiker verhältnismäßig nahe, da beide sich vom vorherrschenden Neukantianismus gelöst und den Begriff der Existenz des Individuums und die Abwesenheit einer sinnstiftenden höchsten Instanz in den Mittelpunkt ihrer Philosophie gestellt hatten. Kennen gelernt hatten sie sich auf einer Tagung im Jahr 1920 in Freiburg. Es folgten gegenseitige Besuche und ein reger Briefwechsel. Heidegger hatte Jaspers’ Psychologie der Weltanschauungen in einer großen Rezension gewürdigt und war sehr von diesem Werk beeinflusst. Da ihre Ausarbeitung des Seinsdenkens aber doch sehr unterschiedlich war, hielt sich die fachliche Diskussion in Grenzen. Hannah Arendt promovierte 1926–1928 bei Jaspers. Ihre Freundschaft begann im Jahr 1932 und endete erst mit seinem Tod.

Nach Heideggers berüchtigter Rektoratsrede 1933 brach der Kontakt zu Jaspers weitgehend ab. Nach Kriegsende wurde Jaspers aufgefordert, in Hinblick auf Heideggers Lehrbefugnis eine Stellungnahme zu dessen Wirken in der NS-Zeit abzugeben. Jaspers empfahl ein befristetes Lehrverbot, das nach Ablauf der Frist überprüft werden sollte. Er setzte sich gleichzeitig für eine Publikationserlaubnis ein. Das Heidegger daraufhin erteilte Lehrverbot endete am 26. September 1951.

Seine frühere Freundschaft mit Heidegger wurde trotz Briefwechsels nicht wieder aufgenommen. Zwar hat Heidegger 1950 Jaspers gegenüber brieflich seine Scham über den Abbruch der Beziehung während der NS-Herrschaft eingestanden.

„Ich bin seit 1933 nicht deshalb mehr in Ihr Haus gekommen, weil eine jüdische Frau dort wohnte, sondern weil ich mich einfach schämte.“[12]

Jaspers war jedoch nicht bereit, die frühere Vertrautheit wieder zu beleben. Die Distanz zum ehemals befreundeten Philosophen findet man im Briefwechsel mit Heidegger:

„Die unendliche Trauer seit 1933 und der gegenwärtige Zustand, in dem meine deutsche Seele nur immer mehr leidet, haben uns nicht verbunden, sondern stillschweigend getrennt. Das Ungeheure, das etwas ganz anderes ist als nur Politik, hat in den langen Jahren meiner Ächtung und Lebensbedrohung kein entsprechendes Wort zwischen uns laut werden lassen. Als Menschen sind wir uns ferngerückt.“[13]

An Hannah Arendt schrieb Jaspers: „Kann man als unreine Seele – d. h. als Seele, die ihre Unreinheit nicht spürt und nicht ständig daraus herausdrängt, sondern gedankenlos im Schmutz fortlebt, – kann man in Unaufrichtigkeit das Reinste sehen?“ Die bei Heidegger feststellbare Form sei Selbstinterpretation von Sein und Zeit, als ob er immer ein und dasselbe gewollt und getan habe (1. September 1949). Hierauf antwortete Arendt: „Was Sie Unreinheit nennen, würde ich Charakterlosigkeit nennen.“ (29. September 1949.)

„Dein Eichmann-Buch lese ich ständig weiter. Es ist großartig für mich“, schreibt Karl Jaspers am 2. November 1963 an Arendt. Kurz darauf beginnt Jaspers, seinen eigenen Text zu schreiben: ein Buch über Arendt und ihren Denkstil. Sein Buch über die Schülerin und Freundin bleibt unvollendet. In der unten genannten Ausstellung[14] (Herbst 2006) wurden seine erstaunlichen Fragmente erstmals sichtbar.

  Politischer Schriftsteller

Noch vor Ende des Krieges hatte Jaspers in seinem Tagebuch notiert: „Wer es überlebt, dem muß eine Aufgabe bestimmt sein, für die er den Rest seines Lebens verzehren soll.“ Als praktische Handlungsanleitung seiner Philosophie sah Jaspers das Eintreten für die Freiheit, denn nur in Freiheit könne man wirklich zur Existenzerhellung gelangen. Jaspers zog für sich die Schlussfolgerung, zum politischen Leben künftig Stellung zu beziehen.

Mit der Schrift Die Schuldfrage von 1946, zugleich seine erste Vorlesung an der mit seiner Unterstützung neu begründeten Universität von Heidelberg, machte er den ersten Schritt. Hier entwickelte er ein Verständnis von Schuld, das auch heute noch die politische Diskussion maßgeblich beeinflusst. Er unterschied dabei die kriminelle, die politische, die moralische und die metaphysische Schuld. Die erste zu verurteilen ist Sache der Gerichte, die zweite Sache des Siegers. Doch der moralischen Schuld kann sich niemand entziehen, auch wenn darüber nicht vor Gericht entschieden wird. Die Verantwortung bleibt. Nur der kann vergeben, dem Unrecht geschehen ist. Der späte Jaspers erkennt nunmehr die Existenz Gottes an. Dass der Mensch überhaupt schuldig werden kann, sei Sache Gottes. In die kollektive Verantwortung bezog er sich selbst, der doch unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatte und existentiell bedroht war, mit ein:

„Wir Überlebenden haben nicht den Tod gesucht. Wir sind nicht, als unsere jüdischen Freunde abgeführt wurden, auf die Straße gegangen, haben nicht geschrien, bis man uns vernichtete. Wir haben es vorgezogen am Leben zu bleiben mit dem schwachen, wenn auch richtigen Grund, unser Tod hätte nichts helfen können. Daß wir leben, ist unsere Schuld. Wir wissen vor Gott, was uns tief demütigt.“ [15]

Mit dieser Stellungnahme wandte sich Jaspers, sperrig wie schon oft, gegen den Zeitgeist des Verdrängens und forderte auch, dass jeder Einzelne seine Verantwortung hinterfrage. Gleichzeitig wandte er sich gegen die These von der Kollektivschuld: „Es ist aber sinnwidrig, ein Volk als Ganzes eines Verbrechens zu beschuldigen. Verbrecher ist immer nur der einzelne. […] Es ist auch sinnwidrig, ein Volk als Ganzes moralisch anzuklagen […] Moralisch kann immer nur der einzelne, nie ein Kollektiv beurteilt werden […]“ Er warnte weiterhin vor einem Aufrechnen mit jedwedem anderen politischen Unrecht.

Auch in der Folgezeit nahm er immer wieder öffentlich Stellung zur politischen Situation. Gemeinsam mit Dolf Sternberger gab er von 1946 bis 1949 die Zeitschrift Die Wandlung heraus, in der prominente Autoren (Hannah Arendt, Bertolt Brecht, Martin Buber, Albert Camus, Thomas Mann, Jean-Paul Sartre, Carl Zuckmayer) zur geistig moralischen und zur politischen Erneuerung aufriefen. Sein Programm zur Modernisierung und vor allem Demokratisierung der Heidelberger Universitätsverfassung konnte Jaspers allerdings nicht durchsetzen.

Viel Beachtung fand 1958 sein Buch Die Atombombe und die Zukunft des Menschen, in dem er sich gegen die Blockbildung und die Unterdrückung von Freiheit wandte. Angesichts der Bedrohung durch einen Nuklearkrieg sah Jaspers nicht nur den Einzelnen, sondern die gesamte Menschheit in einer Grenzsituation.

In seiner Rede Wahrheit, Freiheit und Friede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1958 setzte sich Jaspers mit den Voraussetzungen für Frieden als Weltfrieden auseinander. Es könne keinen äußeren Frieden ohne den inneren Frieden der Staaten geben. „Der gewaltsame Kampf erlischt in der Kommunikation.“ Frieden gibt es demnach nur durch Freiheit, sowohl des Einzelnen als auch daraus folgend des Staates. Die Demokratie als Verfassungsform allein genüge nicht.

Die Freiheit kann nach Jaspers allein aus der Wahrheit entstehen. Diese haben die Philosophen seit dem Altertum gesucht. Sie liege nicht vorrangig im Inhalt, sondern in der Art der Diskussion, in der „Denkungsart der Vernunft“. Zwar lehnt er die marxistischen Regimes ab, sieht aber die „politisch freie Welt“ nicht als wirklich frei an. Wichtig sei dort allein das Produzieren und Konsumieren, die Güter seien nicht haltbar, das Leben häufig leer und auf Prestige beruhend. Die Staatsmänner hätten die „Fühlung“ mit dem Volk verloren. Das geschichtliche Wissen der Bevölkerung sei mangelhaft, daher hält er eine politische Bildung für erforderlich.

„Unsere politische Freiheit ist nicht unser Verdienst, die Unfreiheit im Osten ist nicht Schuld der Deutschen dort […] Beide Regimes haben ihren Grund im Willen der Besatzungsmächte.“ Das deutsche Selbstbewusstsein könne sich aufgrund der Vergangenheit nicht auf die politischen Verhältnisse beziehen, sondern liege, anders als beispielsweise in der Schweiz, „in der Gemeinschaft vorpolitischer Substanz, in der Sprache, im Geist und in der Heimat“.

Sehr kritisch aufgenommen wurde seine Schrift über Freiheit und Wiedervereinigung von 1960, in der er dafür eintrat, einen eigenen Staat in der DDR zu akzeptieren, wenn dadurch auch für diesen Teil Deutschlands die Freiheit hergestellt werden könnte. Nach einem entsprechenden Fernsehinterview wurde er als „Vaterlandsverräter“ und „Handlanger des Kommunismus“ beschimpft.

Jaspers suchte dennoch weiter die Kontroverse. Er wohnte als Beobachter dem Auschwitz-Prozess bei und trat massiv für die Aufhebung der damals anstehenden Verjährung von NS-Verbrechen ein. Vor allem erhob er 1966 mit dem Buch Wohin treibt die Bundesrepublik? Tatsachen – Gefahren – Chancen noch einmal warnend seine Stimme mit einer Absage an Machtpolitik und Parteienstaat. Er trat für eine Verfassungsänderung zugunsten von mehr „direkter Demokratie“ ein. Die Möglichkeiten, politisch Einfluss zu nehmen, seien für das Volk sehr gering. Die Wahlen bezeichnete er als „Akklamation zur Parteienoligarchie“. Mit diesen Thesen geriet er in die Debatte um die damalige Große Koalition und den „Selbstverrat“ der SPD bei der Anerkennung der Notstandsgesetze. Kritik erhielt er dabei fast unbesehen aus der Politik von rechts und links in gleicher Weise, fand jedoch auch eine breite Zustimmung in der Öffentlichkeit.

  Auszeichnungen

Jaspers erhielt zahlreiche Ehrungen: 1947 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewählt, seit 1948 wurde er dann korrespondierendes Mitglied, 1953 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg, 1958 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1959 den Erasmuspreis sowie Ehrendoktorate der Sorbonne in Paris und der Universität Genf.

Im Jahr 1947 erhielt Jaspers den Goethepreis der Stadt Frankfurt, zu dessen Verleihung er die Rede „Goethe und unsere Zukunft“ hielt[16], in der er sich nicht nur verehrend, sondern auch kritisch mit Goethe auseinandersetzte.[17] Aus einer kritischen Polemik von Ernst Robert Curtius gegen diese Rede, die dieser als anmaßend und unangemessen wertete, entwickelte sich die „Jaspers-Curtius-Kontroverse“, die seinerzeit für Aufsehen in der Öffentlichkeit sorgte.[18] Generell war Goethe eine der Leitfiguren im Denken Jaspers’. So schrieb er in einer autobiographischen Selbstbetrachtung (Über meine Philosophie, 1941): „Goethe brachte die Atmosphäre der Humanitas und der Unbefangenheit. Diese Atmosphäre zu atmen, mit ihm zu lieben, was an wirklichem Wesen in der Welt zur Erscheinung kommt, mit ihm die Grenzen unverschleiert, aber scheu zu berühren, war eine Wohltat in der Unruhe, wurde ein Quell der Gerechtigkeit und Vernunft.[19] In seiner Rede problematisierte Jaspers vier Themen unter der Frage nach den Grenzen Goethes: „1. die Ablehnung der modernen Naturwissenschaft, 2. die harmonische Grundauffassung von Leben und Welt, 3. die Preisgabe des Unbedingten zugunsten des Lebensmöglichen und 4. die zu frühe Resignation vor einem Unbegreiflichen.“[20] Dazu wandte er sich gegen einen unkritischen Goethe-Kult und forderte eine „Revolution der Goethe-Aneignung“.

Jaspers’ Emeritierung erfolgte 1961. 1962 zeichnete ihn seine eigene Universität mit einem medizinischen Ehrendoktor aus. Neben zahlreichen Ehrenmitgliedschaften in wissenschaftlichen Gesellschaften folgten weitere Auszeichnungen: 1963 der Preis der Oldenburg-Stiftung (eine Ordensverleihung durch die Bundesrepublik in diesem Jahr lehnte Jaspers ab), 1964 der Orden Pour le Mérite und 1965 der Internationale Friedenspreis Lüttich. Er ist Ehrenbürger der Stadt Oldenburg, in der auch ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie nach ihm benannt ist.[21]

2009 hat die Universität Oldenburg die Arbeitsbibliothek Karl Jaspers’ mit 11.000 Bänden von der Universität Basel erworben.

  Rezeption

Karl Jaspers’ Werk umfasst über 30 Bücher mit etwa 12.000 Druckseiten und einen Nachlass von 35.000 Blättern mit einigen tausend Briefen. Die meisten Werke sind international übersetzt. Jaspers’ Werke, insbesondere seine einführenden Schriften und die Arbeiten zur Philosophiegeschichte, erreichen eine deutschsprachige Gesamtauflage von mehr als einer Million Exemplaren.[22]

Es gibt Jaspers-Gesellschaften in Österreich, Japan und Nordamerika. In der Schweiz besteht eine Karl-Jaspers-Stiftung. Seit 1990 veranstaltet die Universität in Oldenburg die jährlichen Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit. Die Universität Heidelberg vergibt den Karl-Jaspers-Preis.

Um die Veröffentlichung des Nachlasses kümmert sich Hans Saner, der ehemalige Assistent von Jaspers. Für eine Verbreitung seiner Gedanken im französischsprachigen Raum setzte sich vor allem Jeanne Hersch ein. Entgegen der Aufnahme durch das breite Publikum findet man in der Fachphilosophie deutlich geringere Aufmerksamkeit für das Werk von Jaspers. Dies kann man darauf zurückführen, dass sich seine Philosophie nicht in übliche Strukturen einpassen lässt.[23] Hierzu schreibt Jeanne Hersch:

„Für die Gottlosen ist er ein Gläubiger, für die Gläubigen ein Ungläubiger, für die Rationalisten ein Mystiker, für die Mystiker ein unentschiedener Vernünftler. […] Wer ausschließlich an der logischen und empirischen Evidenz hängt, der versetzt seine ‚Grenzsituation’, ‚Chiffren’, die ‚Existenz’, die ‚Transzendenzen’, das ‚Umgreifende’, in den Nebel eines dunkelmännischen und reaktionären Geredes.“[24]

Otto Friedrich Bollnow hat Jaspers’ Philosophie für die Pädagogik genutzt.[25] Gerardus van der Leeuw ist in seiner Religionsphänomenologie maßgeblich von Jaspers beeinflusst. Helmut Fahrenbach hat Verbindungen des Vernunftbegriffs bei Jaspers mit dem Begriff der kommunikativen Vernunft bei Jürgen Habermas hergestellt.[26] Ein besonderer Schwerpunkt der Diskussion über Jaspers ist seine „Weltphilosophie“.[27] Hierzu wird vor allem auch sein Ansatz der „Achsenzeit“ als ein Vorläufer der interkulturellen Philosophie gewertet.[28] Zu den aktuellen Jaspers-Forschern zählen Hans-Martin Gerlach, Kurt Salamun, Leonard H. Ehrlich[29] und Richard Wisser sowie im Bereich der Pädagogik Hermann Horn[30]. Im englischsprachigen Raum wird Jaspers teilweise als Religionsphilosoph eingeordnet.[31]

  Werke

  1913
  1922
  • Heimweh und Verbrechen. Univ. Diss., Heidelberg 1909.
  • Allgemeine Psychopathologie. Ein Leitfaden für Studierende, Ärzte und Psychologen. 1.Auflage: Springer, Berlin 1913, ²1920, ³1923; 4., völlig neu bearbeitete Auflage: Berlin und Heidelberg 1946; seitdem zahlreiche weitere unveränderte Auflagen, ISBN 3-540-03340-8.
  • Psychologie der Weltanschauungen. Springer, Berlin 1919, ISBN 3-540-05539-8. (Inhaltsübersicht)
  • Max Weber. Rede bei der von der Heidelberger Studentenschaft am 17. Juli 1920 veranstalteten Trauerfeier. Mohr, Tübingen 1921.
  • Strindberg und van Gogh. Versuch einer pathographischen Analyse unter vergleichender Heranziehung von Swedenborg und von Gogh. E. Bircher, Leipzig 1922 (131 Seiten).
  • Die Idee der Universität. Springer, Berlin 1923; Neufassung 1946; weitere Neufassung „für die gegenwärtige Situation entworfen von Karl Jaspers und Kurt Roßmann“ 1961, erneut 2000, ISBN 3-540-10071-7 (englische Übersetzung).
  • Die geistige Situation der Zeit. Berlin/Leipzig 1931, ISBN 3-11-016391-8.
  • Max Weber. Deutsches Wesen im politischen Denken Denken, im Forschen und Philosophieren. Stalling, Oldenburg i.O. 1932 (unter dem Titel Max Weber. Politiker, Mensch, Philosoph. Storm, Bremen 1946; mit neuem Vorwort Piper, München 1958).
  • Philosophie. 3 Bände (I. Philosophische Weltorientierung; II. Existenzerhellung; III. Metaphysik). Springer, Berlin 1932, ISBN 3-540-12120-X.
  • Vernunft und Existenz. Groningen: Wolters 1935.
    • Englische Ausgabe: Reason And Existenz [sic!].Five Lectures. (Auf der dritten deutschen Auflage bei J.Storm, Bremen 1949 basierende) Übersetzung mit Einführung von William Earle. The Noonday Press, Erscheinungsort 1955 (hier in elektronischer Form zu lesen auf dem Portal Internet Archive).
  • Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens. Springer, Berlin 1936, ISBN 3-11-008658-1.
  • Descartes und die Philosophie. Springer, Berlin 1937, ISBN 3-11-000864-5.
  • Existenzphilosophie. Drei Vorlesungen. Berlin: de Gruyter 1938.
  • Die Schuldfrage. Heidelberg/Zürich 1946.
  • Nietzsche und das Christentum. Hameln 1946.
  • Von der Wahrheit. München 1947 (englische Übersetzung).
  • Der philosophische Glaube. Fünf Vorlesungen. München/Zürich 1948. (Gehalten 1947 als Gastvorträge in Basel)
  • Vom Ursprung und Ziel der Geschichte. München & Zürich 1949 (Darstellung der Achsenzeit) (englische Übersetzung).
  • Einführung in die Philosophie. Zwölf Radiovorträge. Zürich 1950, ISBN 3-492-04667-3. (audio)
  • Vernunft und Widervernunft unserer Zeit. Drei Gastvorlesungen. München 1950.
  • Rechenschaft und Ausblick. Reden und Aufsätze. München 1951.
  • Die Frage der Entmythologisierung. München 1954 (Vgl. Beiträge zu Rudolf Bultmann und Fritz Buri).
  • Schelling. Größe und Verhängnis. München 1955. (Rezension)
  • Die großen Philosophen. Piper, München 1957, ISBN 3-492-11002-9.
    • Auf englisch: The great Philosophers. Herausgegeben von Hannah Arendt. Übersetzt von Ralph Manheim. Harcourt, Brace & World, New York 1962, 1966; Hart-Davis, London 1962 (daraus das Kapitel Plato and Augustine).
  • Die Atombombe und die Zukunft des Menschen. München/Zürich 1957, ISBN 3-8302-0310-1.
  • Philosophie und Welt. Reden und Aufsätze. München 1958.
  • Wahrheit, Freiheit und Friede, gemeinsam mit Hannah Arendt in: Karl Jaspers. Reden zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Piper, München 1958 (mit Arendts Laudatio Jaspers'. Diese online, siehe Weblinks[32])
  • Freiheit und Wiedervereinigung. München 1960, ISBN 3-492-11110-6
  • Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung. Piper, München 1962, ISBN 3-492-01311-2
  • Nikolaus Cusanus, München 1964.
  • Kleine Schule des Philosophischen Denkens. 13-teilige Vorlesungs-Reihe, BRD 1964 (Vorlesungen gehalten im 1. Trimester des Studienprogramms des Bayerischen Fernsehens im Herbst 1964); Tonaufzeichnungen von hinterlassenen Original-Tonbändern sind in Form von CD und Audio-DVD erhältlich.
  • Hoffnung und Sorge. Schriften zur deutschen Politik 1945–1965. München 1965.
  • Wohin treibt die Bundesrepublik? Tatsachen, Gefahren, Chancen. München 1966.
  • Zur Kritik meiner Schrift „Wohin treibt die Bundesrepublik?“. München 1967.
  • Schicksal und Wille. Autobiographische Schriften. München 1967.

Aus dem Nachlass:

  • Chiffren der Transzendenz. Eine Vorlesung aus dem Jahr 1961, München 1970, ISBN 3-8302-0335-7.
  • Kant. Leben, Werk, Wirkung. München 1975.
  • Was ist Philosophie? München 1976.
  • Philosophische Autobiographie. (Um ein Kapitel zu Heidegger erweiterte Neuausgabe) Piper, München 1977.
  • Notizen zu Martin Heidegger. München 1978.
  • Die großen Philosophen. Nachlass, Bd 1. München 1981.
  • Die großen Philosophen. Nachlass, Bd 2. München 1981, ISBN 3-492-02732-6.
  • Weltgeschichte der Philosophie (Einleitung). München 1982.
  • Wahrheit und Bewährung. Philosophieren für die Praxis. München/Zürich 1983.
  • Briefwechsel 1945-1968. K. H. Bauer & Karl Jaspers, hg. von Renato de Rosa. Springer, Berlin u. a. 1983 ISBN 3-540-12102-1
  • Briefwechsel 1926–1969. Hannah Arendt & Karl Jaspers, hg. von Lotte Köhler. Piper, München/Zürich 1985. ISBN 3-492-02884-5
  • Briefwechsel 1920–1963. Martin Heidegger & Karl Jaspers, hg. von Walter Biemel, Hans Saner. Piper Klostermann, München Frankfurt am Main 1990. ISBN 3-465-02218-1
  • Nachlass zur Philosophischen Logik, hg. von Hans Saner. Piper, München 1991, ISBN 3-492-03458-6.
  • Erneuerung der Universität. Reden und Schriften 1945/46, hg. von Renato de Rosa. Lambert Schneider, Heidelberg 1986 ISBN 3-7953-0901-8

  Hörbuch

  • Matthias Buschle (Hg.), Karl Jaspers: Die Chiffern der Transzendenz. Die Abschiedsvorlesung vom 3. Juli 1961. Christoph Merian Verlag, Basel 2011, ISBN 978-3-85616-456-0

  Ausstellung

Vom 28. September bis zum 26. November 2006 stellte das Literaturarchiv Marbach aus seinen Beständen die Ausstellung Karl Jaspers: Das Buch Hannah zusammen[33]. Die Ausstellung nimmt Bezug auf die Zeit um 1930, als sich in Marburg neun junge Leute kennen lernten, die zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts zählen werden: Karl Löwith, Gerhard Krüger, Hans-Georg Gadamer, Leo Strauss, Hans Jonas, Erich Auerbach, Werner Krauss, Max Kommerell und Hannah Arendt. Hans Saner und Richard Wolin begleiteten die Ausstellung mit einer Tagung über diese Marburger Konstellation.

  Literatur

Philosophiebibliographie: Karl Jaspers – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema

  • Otto Friedrich Bollnow: Existenzerhellung und philosophische Anthropologie. Versuch einer Auseinandersetzung mit Karl Jaspers, in: Blätter für Deutsche Philosophie Jg. 12 (1938), S. 133-174. Nachdruck in: Karl Jaspers in der Diskussion, hrsg. von H. Saner, München/Zürich 1973, S. 185-223
  • Burkhart Brückner: Geschichtlichkeit und Aktualität der Theorie des Wahns in der Allgemeinen Psychopathologie von Karl Jaspers, in: Journal für Philosophie & Psychiatrie: jfpp-2-2009-03
  • Andreas Cesana / Gregory J. Walters (Hrsg.): Karl Jaspers, geschichtliche Wirklichkeit mit Blick auf die Grundfragen der Menschheit. Beiträge zur 5. International Jaspers Conference, Istanbul, 10.-16. August 2003. Königshausen und Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3-8260-3938-6.
  • Knut Eming / Thomas Fuchs: Karl Jaspers. Philosophie und Psychopathologie. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8253-5352-0. Rezension
  • Dietrich von Engelhardt und Horst-Jürgen Gerigk (Hrsg.): Karl Jaspers im Schnittpunkt von Zeitgeschichte, Psychopathologie, Literatur und Film. Mattes, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-86809-018-5.
  • Brea Gerson: Wahrheit in Kommunikation: Zum Ursprung der Existenzphilosophie bei Karl Jaspers. Ergon, Würzburg 2004, ISBN 978-3-89913-330-1.
  • Johann Jakob Grund: Karl Jaspers. Seine Entwicklung zwischen 1945 und 1950. In: Widerspruch Nr. 18 Restauration der Philosophie nach 1945 (1990), S. 69-73
  • Jeanne Hersch (Hrsg.): Karl Jaspers. Philosoph, Arzt, politischer Denker. Symposium zum 100. Geburtstag in Basel und Heidelberg. Piper, München u.a. 1986, ISBN 3-492-10679-X.
  • Gunter Hofmann: Politik und Ethos bei Karl Jaspers. Doktorarbeit unter Dolf Sternberger. Heidelberg 1968.
  • Albrecht Kiel: Die Sprachphilosophie von Karl Jaspers, Anthropologische Dimensionen der Kommunikation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-21957-5.
  • Alan M. Olson (Hrsg.): Heidegger and Jaspers. Temple University Press, Philadelphia 1993.
  • Klaus Piper (Hrsg.): Karl Jaspers. Werk und Wirkung. Festschrift zum 80. Geburtstag. Piper, München 1963
  • Renato de Rosa: Der Neubeginn der Universität 1945. Karl Heinrich Bauer und Karl Jaspers. In: Semper Apertus. Sechshundert Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386-1986, Bd. 1-6, hg. von Wilhelm Doerr u. a. Springer, Berlin u. a. 1985, hier Bd. 3, S. 544-568. ISBN 3-540-15425-6
  • Renato de Rosa: Politische Akzente im Leben eines Philosophen. Karl Jaspers in Heidelberg 1091-1946. In: Karl Jaspers, Erneuerung der Universität. Reden und Schriften 1945/46, hg. von Renato de Rosa. Lambert Schneider, Heidelberg 1986, S. 301-447 ISBN 3-7953-0901-8
  • Kurt Salamun: Karl Jaspers. 2. Auflage. Königshausen und Neumann, Würzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3253-0.
  • Hans Saner: Karl Jaspers. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 12. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-50169-4.
  • Hans Saner: Karl Jaspers Denkwege - Ein Lesebuch. R. Piper, München/Zürich 1983, ISBN 3-492-02839-X.
  • P. A. Schilpp (Hg.): The Philosophy of Karl Jaspers. Tudor, New York 1957.
  • Werner Schüßler: Jaspers zur Einführung. Junius, Hamburg 1995, ISBN 3-88506-914-8.
  • Reinhard Schulz / Giandomenico Bonanni / Matthias Bormuth (Hrsg.): »Wahrheit ist, was uns verbindet«. Karl Jaspers' Kunst zu philosophieren. Wallstein, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0423-9
  • Chris Thornhill: Karl Jaspers: Politics and Metaphysics. Routledge, London 2002 (dazu eine Rezension von Alan M. Olson).
  • Michael Tilly: Jaspers, Karl. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1567–1578.
  • Bernd Weidmann: Existenz in Kommunikation. Zur philosophischen Ethik von Karl Jaspers.Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8260-2932-1.
  • Osborne P. Wiggins / Michael Alan Schwartz: Karl Jaspers, in: Lester Embree u.a. (Hrsg.): Encyclopedia of Phenomenology. Kluwer, Dordrecht und Boston 1997, ISBN ... (Contributions to Phenomenology), Seiten 371-376.
  • Hamid Reza Yousefi, Werner Schüßler, Reinhard Schulz, Ulrich Diehl (Hrsg.): Karl Jaspers. Grundbegriffe seines Denkens. Lau, Reinbek 2011, ISBN 978-3-941400-34-4.

  Quellen

  1. Karl Jaspers: Was ist Philosophie? Ein Lesebuch, 2. Aufl., Piper, München, 1978, S. 8
  2. Karl Jaspers: Was ist Philosophie? Ein Lesebuch, 2. Aufl., Piper, München, 1978, S. 12 ff.
  3. Hans-Martin Gerlach, Burkhard Gäbler: Existenzphilosophie. Karl Jaspers, Akademie-Verlag, 1987, S. 21
  4. K. H. Bauer (Hrsg.): Vom neuen Geist der Universität. Dokumente, Reden und Vorträge 1945/46. Springer Berlin Heidelberg 1947, S. 1f. (darin S. 113-132 Karl Jaspers: Vom lebendigen Geist der Universität.) Renato de Rosa: Der Neubeginn der Universität 1945. Karl Heinrich Bauer und Karl Jaspers. In: Wilhelm Dörr u. a. (Hrsg.): Semper apertus. Sechshundert Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386–1986. Bd. 1-6. Springer, Heidelberg u. a. 1985, hier Bd. 3, S. 544-568.
  5. Karl Jaspers: Psychopathologie, 1. Auflage: Springer, Berlin 1913, 250
  6. C. Kupke: Was ist so unverständlich am Wahn? Philosophisch-kritische Darstellung des Jaspers’schen Unverständlichkeitstheorems. Journal für Philosophie & Psychiatrie, Jg. 1 (1), 2008
  7. W. Eirund: Die Grenzen des Wahnwissens. Internationale Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik 1(1)2009
  8. Huub Engels: Emil Kraepelins Traumsprache: erklären und verstehen. In: Dietrich von Engelhardt und Horst-Jürgen Gerigk (Hrsg.): Karl Jaspers im Schnittpunkt von Zeitgeschichte, Psychopathologie, Literatur und Film. Mattes, Heidelberg 2009, 331-43.
  9. Herausgearbeitet z.B. von Wiggins / Schwartz, und zwar auch für Jaspers Psychopathologie; teils entgegen Chris Walker, welcher gegen den etablierten Forschungskonsens den Einfluss Kants höher beurteilte, aber ebenfalls viele Einflüsse Husserls aufgezeigt hat: Karl Jaspers and Edmund Husserl, in vier Teilen in: Philosophy, Psychiatry, and Psychology 1994-1995.
  10. Vgl. z. B. Die großen Philosophen 1, 6. A. 1997, S. 606: „Von Liebe ist bei Kant kaum, und wenn, dann unangemessen, die Rede ...“
  11. Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie. Zwölf Radiovorträge. Zürich 1950, 17
  12. Martin Heidegger an Karl Jaspers am 7. März 1950 in: Martin Heidegger, Karl Jaspers, Walter Biemel, Hans Saner: Briefwechsel 1920–1963, 1. Aufl., Klostermann, 1990, S. 196
  13. Karl Jaspers an Martin Heidegger am 6. Februar 1949 in: Martin Heidegger, Karl Jaspers, Walter Biemel, Hans Saner: Briefwechsel 1920–1963, 1. Aufl., Klostermann, 1990, S. 170
  14. Karl Jaspers: Das Buch Hannah
  15. Karl Jaspers: Hoffnung und Sorge. Schriften zur deutschen Politik. 1945–1965. Piper, 1965, S. 32
  16. Karl Jaspers: Über meine Philosophie, in ders.: Karl Jaspers. Rechenschaft und Ausblick, Reden und Aufsätze, Piper, München 1951, 26-49
  17. Helmut Fuhrmann: Karl Jaspers Goethe-Rezeption und die Polemik von Ernst-Robert Curtius, in: ders. Sechs Studien zur Goethe-Rezeption, Königshausen und Neumann, Würzburg 2002, 83-122
  18. Robert Kurt Mandelkov: Goethe in Deutschland. Rezeptionsgeschichte eines Klassikers, Band II, München 1989, 140-141
  19. Karl Jaspers: Über meine Philosophie, in ders.: Karl Jaspers. Rechenschaft und Ausblick, Reden und Aufsätze, Piper, München 1951, 333-365, hier 339
  20. Helmut Fuhrmann: Karl Jaspers Goethe-Rezeption und die Polemik von Ernst-Robert Curtius, in: ders. Sechs Studien zur Goethe-Rezeption, Königshausen und Neumann, Würzburg 2002, 83-122, 93
  21. Karl-Jaspers-Klinik ist ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie
  22. Klaus Piper berichtet, dass die Gesamtauflage bereits 1963 mehr als 900.000 Exemplare betrug, in: Begegnung des Verlegers mit Karl Jaspers, Piper, München 1963, nach: Kurt Salamun: Karl Jaspers, Königshausen und Neumann, Würzburg, 2. Aufl. 2006, 127
  23. Kurt Salamun: Karl Jaspers, Königshausen und Neumann, Würzburg, 2. Aufl. 2006, 127
  24. Jeanne Hersch: Jaspers in Frankreich, in: Klaus Piper: Begegnung des Verlegers mit Karl Jaspers, Piper, München 1963, 150, nach: Kurt Salamun: Karl Jaspers, Königshausen und Neumann, Würzburg, 2. Aufl. 2006, 127
  25. Otto Friedrich Bollnow: Existenzphilosophie und Pädagogik, Stuttgart 1959
  26. Helmut Fahrenbach: Kommunikative Vernunft – ein zentraler Bezugspunkt zwischen Karl Jaspers und Jürgen Habermas, in Kurt Salamun (Hrsg.): Karl Jaspers. Zur Aktualität seines Denkens, München, Piper 1991, 110-127
  27. Leonhard H. Ehrlich, Richard Wisser (Hrsg.): Karl Jaspers. Philosophie auf dem Weg zu einer „Weltphilosophie“, Königshausen und Neumann, Würzburg 1998
  28. Jörg Dittmer: Jaspers’ „Achsenzeit“ und das interkulturelle Gespräch
  29. Leonard H. Ehrlich: Jaspers’ Denkwerk. Sinn, Wirkung, Aktualität
  30. Hermann Horn: Karl Jaspers
  31. William Demond: Philosophie of Religion: Marcel, Jaspers, Levinas, in: Routledge History of Philosophy, Vol. VIII, Twentieth Century Continental Philosophy, hrsg. von Richard Kearny, London 1994, 108-143
  32. häufiger Nachdruck von Arendts Laudatio an versch. Orten
  33. Karl Jaspers: Das Buch Hannah

  Weblinks

 Commons: Karl Jaspers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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